Stand: 09.01.2015 10:30 Uhr  | Archiv

Was ist privat erlaubt am Arbeitsplatz?

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Mal kurz im Büro privat telefonieren oder surfen - das kann zu Ärger führen.

In einer kurzen Pause im Arbeitsalltag eine Mail an den Liebsten schreiben oder kurz privat telefonieren: Für viele Arbeitnehmer ist nichts dabei. Aber ganz unbedenklich ist das aus rechtlicher Sicht nicht: Nach einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom untersagt fast jede dritte Firma privates Surfen am Arbeitsplatz. Wenn der Angestellte dagegen verstößt, kann das Konsequenzen haben. "Wenn man’s unzulässig privat nutzt, kann es zu einer Abmahnung kommen, weil es eine Pflichtverletzung in arbeitsrechtlicher Hinsicht ist", erklärt Rechtsanwalt Stefan Kramer, der Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor Gericht vertritt.

Abmahnung und Kündigung sind möglich

Sogar eine Kündigung kann rechtens sein, wenn der Angestellte das Internet exzessiv privat nutzt und nicht mehr seine Arbeitsleistung erbringt. Wenn die private Nutzung generell ausgeschlossen ist, hat der Arbeitgeber sogar das Recht, den Nutzungsverlauf anzusehen. Auch E-Mails darf er kontrollieren. "Wenn er dann allerdings feststellt, dass bestimmte E-Mails einen rein privaten Charakter haben - das könnte beispielsweise an der Betreffzeile erkennbar sein - dürfte er den Inhalt grundsätzlich nicht ansehen", so Kramer. Eine Abmahnung könne es allerdings trotzdem geben.

Einige Unternehmen erlauben private Nutzung bewusst

Anders gehen Firmen wie Bosch, IBM oder Daimler mit dem Thema um. Sie erlauben privates Surfen, Mailen und Telefonieren im Büro. Auch bei Hamburgs zweitgrößtem Arbeitgeber, den Asklepios Kliniken, darf das Internet privat in den Pausen oder bei Bereitschaftsdiensten genutzt werden. Seiten wie Facebook und youtube sind allerdings gesperrt. "Zum heutigen Leben gehört es dazu, dass man Internet hat, dass es möglichst ständig verfügbar ist. Wenn jemand mal kurz was nachguckt und dann zwei Minuten später weiterarbeitet, ist das etwas, was man tolerieren kann und sollte", erläutert Sprecher Franz-Jürgen Schell die Politik seines Hauses. Ähnlich ist es auch bei Beiersdorf, Unilever und Airbus geregelt.

Generell raten Rechtsanwälte Arbeitnehmern, sich die Vereinbarungen im eigenen Betrieb genau anzusehen.

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NDR Info | 09.01.2015 | 10:30 Uhr