Stand: 12.05.2017 09:56 Uhr

Viel Zucker in "Balance"-Produkten

von Saskia Engels

Immer mehr Lebensmittelverpackungen tragen den Aufdruck "Balance". Viele Verbraucher verbinden mit dem Begriff ein hochwertiges, kalorienarmes Produkt. Doch oft enthalten "Balance"-Lebensmittel wie Frischkäse und Fertigpizza nicht weniger, sondern sogar mehr Zucker als herkömmliche Produkte. Die Angabe "Balance" ist gesetzlich nicht geregelt, das ermöglicht Herstellern eine weite Auslegung des Begriffs.

Was steckt in "Balance"-Produkten?

Frischkäse: Weniger Fett, mehr Zucker

Bei Frischkäsezubereitungen mit dem Aufdruck "Balance" haben Hersteller wie Philadelphia und Bresso den Fettanteil reduziert und den Zuckeranteil erhöht. Aus Sicht des Hamburger Diabetologen Dr. Matthias Riedl ist das nicht sinnvoll: "Der Zusatz von zusätzlichem Zucker ist das, was das Gewicht steigert." Damit der Frischkäse mit wenig Fett cremig wird, setzen die Hersteller Zusatzstoffe wie Verdickungsmittel, Stärke, Gelatine, Zitrusfasern, Johannisbrotkernmehl und Carrageen ein - ein Stoff, der im Verdacht steht, bei empfindlichen Menschen Darmkrankheiten zu fördern.

Fruchtjoghurt: Süßstoff statt Zucker

Der "Balance"-Fruchtjoghurt von Zott enthält etwas mehr Fett (8,2 statt 7,9 Gramm pro 100 Gramm) als herkömmlicher Joghurt und keinen Zucker. Stattdessen verwendet der Hersteller Süßstoff. Das sieht der Diabetologe Dr. Riedl kritisch: Der Zusatz von Süßungsmitteln erhöhe das Verlangen nach gesüßten Lebensmitteln. Dadurch erhöhe sich auch die Zuckeraufnahme. Zott schreibt dazu: "Bei den eingesetzten Süßstoffen handelt es sich um zugelassene Zusatzstoffe."

"Balance"-Getränk mit Zucker und Aromen

Das Unternehmen Vilsa-Brunnen produziert Mineralwasser mit Zucker, Saftkonzentrat und Aromen als "Balance"-Produkt. Im Internet verspricht Vilsa, das Getränk fördere "das Wohlbefinden und die Entspannung von Körper und Geist". Stichproben bei Verbrauchern zeigen, dass sie ein "Balance"-Getränk für weniger süß halten als beispielsweise Apfelschorle vom selben Hersteller. Doch ein Blick auf die Nährwerttabelle zeigt: Der Zuckergehalt eines halben Liters "Goldschorle" von Vilsa entspricht neun Zuckerwürfeln, im "Balance"-Getränk sind es sogar zehn Zuckerwürfel.

Fertigpizza: Weniger Fett, mehr Zucker

Fertigpizza gilt als fettig, salzig und stark verarbeitet. Mit dem Aufdruck "Balance" wirkt die vegetarische Pizza von Wagner gesünder als herkömmliche Pizza. Doch im Vergleich mit der Champignon-Pizza desselben Herstellers fällt auf: Die vegetarische Pizza enthält zwar weniger Fett, aber mehr Zucker. Und während fast alle Wagner-Pizzen 350 Gramm wiegen, sind es bei der vegetarischen Pizza nur 340 Gramm - bei gleichem Preis. Wagner sieht darin keine versteckte Preiserhöhung: "Der Gewichtsunterschied beruht auf den jeweils unterschiedlichen Zutaten."

Zuckerriegel: Zugesetzte Nährstoffe überflüssig

Der Hersteller Multaben gibt seinen Zuckerriegeln mit dem Aufdruck "Balance" einen gesunden Anstrich. Der Snack enthält 40 Prozent Zucker sowie zugesetzte Antioxidantien und Vitamine. Doch die Nährstoffe bekommen wir bereits in ausreichender Menge aus anderen Lebensmitteln, sagt Diabetologe Dr. Riedl. Auf Anfrage schreibt Multaben, man könne erkennen, dass es sich um "einen Snack mit Schokolade und Zucker" handele.

Ein Brotaufstrich der Marke "Brunch".

Viel Zucker in "Balance"-Produkten

Markt -

"Balance"-Produkte wie Frischkäse, Joghurt und Getränke stehen für eine leichte, ausgewogene Ernährung. Doch oft enthalten die Lebensmittel nicht weniger, sondern mehr Zucker.

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