Sendedatum: 27.05.2013 21:00 Uhr  | Archiv

Verkehrsunfall: So verhalten Sie sich richtig

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Mehr als zwei Millionen Unfälle ereignen sich jährlich in Deutschland.

Alle 13 Sekunden krachte es 2012 auf Deutschlands Straßen. 2,4 Millionen Unfälle erfasste die Polizei laut offizieller Statistik. Wenn's gescheppert hat, stehen die Beteiligten oft unter Schock und stellen sich bange Fragen: Wer hat Schuld? Wer bekommt Recht? Und wer muss für den Schaden zahlen?

In der Regel bietet die Versicherung an, sich um alles zu kümmern: Sie bezahlt einen Mietwagen, während das Unfallauto repariert wird. Sie bestellt einen Gutachter, der die Schadenshöhe schätzt. Und sie regelt alle Formalitäten mit der Versicherung des Unfallgegners. Eine trügerische Sicherheit: "Die Versicherungen vertreten vor allem ihre eigenen Interessen und wollen ungern vor Gericht ziehen", sagt Verkehrsrechts-Experte Matthias Sassenberg. Seiner Ansicht nach lassen sich viele Autofahrer nach Unfällen mit zu wenig Geld abspeisen. Oft zahlen sie sogar drauf, wenn zum Beispiel eine Eigenbeteiligung fällig wird oder der Versicherungsbeitrag nach einem Unfall automatisch steigt. Sassenberg rät Autofahrern, auch folgende Ansprüche zu prüfen:

  • Schmerzensgeld bei Verletzungen
  • Schadenersatz für die Wertminderung des Autos durch den Unfall
  • Kosten für einen Rechtsanwalt

Unfallort: Beweise sichern

Auch wenn es schwer fällt: Nach einem Unfall ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Nur so lassen sich Beweise sichern, mit denen man seine Ansprüche untermauern kann. Gehen Sie am Unfallort systematisch vor, am besten mit der folgenden Checkliste vor. Die können Sie auch im PDF-Format herunterladen, ausdrucken und im Handschuhfach Ihres Autos verstauen. So haben Sie die Liste bei einem Unfall sofort zur Hand.

Checkliste: Darauf müssen Sie achten

  • Neben dieser Checkliste gehören ins Handschuhfach:
    - Straßenkreide (gibt's in fast jedem Spielzeugladen)
    - eine Digitalkamera sowie
    - ein Notizblock und ein Stift.

  • - Die Versorgung von Verletzten hat absoluten Vorrang. Falls nötig, leisten Sie Erste Hilfe.
    - Rufen Sie einen Krankenwagen (112) und die Polizei (110).
    - Falls nötig, stellen Sie ein Warndreieck auf.

  • - Sprechen Sie Verkehrsteilnehmer an, die den Unfall beobachtet haben. Es sind wichtige Zeugen!
    - Notieren Sie jeweils den Namen, die Adresse und eine Telefonnummer.
    - Markieren Sie die Position der Fahrzeuge mit Straßenkreide.
    - Fotografieren Sie die Fahrzeuge aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Mit den Aufnahmen können Gutachter Rückschlüsse auf den Unfallhergang ziehen.

  • - Fotografieren Sie alle Details, die als Beweis wichtig sein könnten, zum Beispiel Bremsspuren und Schäden am Auto.
    - Notieren Sie die amtlichen Kennzeichen der Fahrzeuge.
    - Notieren Sie den Namen und die Anschrift des Unfallgegners.
    - Schreiben Sie auf, wie sich der Unfall aus Ihrer Sicht ereignet hat.

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Schuldfrage: Die Quote entscheidet

"Es gibt selten einen alleinigen Schuldigen", erklärt Verkehrsrechts-Experte Matthias Sassenberg. Völlig schuldlos sind Autofahrer nur, wenn der Unfall für sie unvermeidbar war. Ein Beispiel: Man steht an einer roten Ampel, und der Hintermann fährt auf. Abhängig vom Unfallhergang wird in der Regel jeder Partei eine gewisse Mitschuld zugesprochen. In der Regel streiten sich die Versicherungen um die Schuldanteile, sogenannte Quoten. Denn danach richtet sich der Anspruch gegen die Versicherung des anderen (siehe Rechenbeispiel).

Rechenbeispiel: Wer zahlt wie viel?

Bei einem Unfall entsteht am Auto von Herrn Müller ein Schaden von 5.000 Euro, am Wagen von Herrn Schmidt sind es 2.000 Euro.

Ein Gutachter oder Richter stellt fest, dass Herr Schmidt den Unfall mit einem Anteil von 30 Prozent herbeigeführt hat. Das bedeutet: Herr Müller hat gegen Herrn Schmidt einen Anspruch auf 30 Prozent von 5.000 Euro. Das sind 1.500 Euro, die von Herrn Schmidts Versicherung zu zahlen sind. Für die restlichen 3.500 Euro muss Herr Müller selbst aufkommen.

Herr Müller ist zu 70 Prozent für den Unfall verantwortlich. Deshalb hat Herr Schmidt gegen Herrn Müller einen Anspruch von 1.400 Euro (70 Prozent von 2.000 Euro). Die bekommt er von Herrn Müllers Versicherung. Die restlichen 600 Euro muss Herr Schmidt aus eigener Tasche zahlen.

Rechtsweg: Der Gang vor den Kadi

Eine Klage ist nicht in jedem Fall sinnvoll, kann sich aber im Einzelfall auszahlen. Ein guter Rechtsanwalt sollte bereits im ersten Beratungsgespräch eine realistische Einschätzung zu den Erfolgschancen geben. Wichtig: Laut Gesetz darf die Erstberatung bei einem Rechtsanwalt maximal 226 Euro kosten. Wer die Anwalts- und Prozesskosten übernimmt, hängt vom Versicherungsschutz ab:

  • Wer nicht rechtsschutzversichert ist, muss den Anwalt selbst zahlen und darauf hoffen, dass der Richter den Unfallgegner zu einer Kostenübernahme verdonnert - in kompletter oder anteiliger Höhe.
  • Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, die den Bereich Verkehrsrecht abdeckt, muss eine Deckungszusage einholen. Sie legt fest, bis zu welcher Höhe die Versicherung die Kosten übernimmt. Viele Rechtsanwälte nehmen einem die Anfrage ab.

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Dieses Thema im Programm:

27.05.2013 | 21:00 Uhr