Stand: 22.08.2014 18:00 Uhr  | Archiv

Unerlaubte Telefonwerbung: So wehren Sie sich

von Stefanie Lambernd

Was dürfen Callcenter, was nicht?

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Was tun bei nervigen Werbeanrufen? Einfach auflegen, raten Verbraucherschützer.

Werbeanrufe sind grundsätzlich nur zulässig, wenn der Angerufene vorher ausdrücklich eingewilligt hat. Oder anders ausgedrückt: Ruft ein unbekanntes Unternehmen zu Werbezwecken an, ist der Telefonanruf unzulässig und es handelt sich um einen sogenannten Cold Call. Die Einwilligung muss vor dem Telefongespräch eingeholt werden. Erst zu Beginn des Telefonats um Erlaubnis zu bitten, ist unzulässig.

"Cold Calls" können von der Bundesnetzagentur als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Grundlage ist das Gesetz zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung aus dem Jahr 2009. Die gesetzlichen Regelungen wurden 2013 verschärft, die mögliche Bußgeldhöhe von 50.000 Euro auf 300.000 Euro angehoben. Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass die Rufnummer des Anrufers bei Werbeanrufen nicht unterdrückt sein darf. Bußgelder können auch verhängt werden, wenn Anrufe mittels einer automatischen Anrufmaschine erfolgen. Auch die Verbraucherzentralen können mit Abmahnungen gegen unerlaubte Werbeanrufe vorgehen.

Um was geht es bei den "Cold Calls"?

Der Hamburger Verbraucherzentrale zufolge geht es bei unerlaubter Telefonwerbung häufig um Gewinnspiele und sogenannte Eintragungsservices, bei denen sich der Kunde für verschiedene Gewinnspiele registrieren lassen kann. Zudem sind viele Fälle bekannt, bei denen Nahrungsergänzungsmittel wie zum Beispiel Gingko-Präparate an den Mann oder die Frau gebracht werden sollten. Die Angerufenen waren dabei in den Glauben, nur eine Probe zu beziehen, dann flatterten Rechnungen für ein angebliches Abo ins Haus.

Gänzlich unseriös sind laut Verbraucherschützerin Julia Rehberg Anrufe, bei denen es um Angebote für den Schutz persönlicher Daten oder den Verkauf von Anrufblockern geht. "Die Anrufer bedienen sich immer dreisterer Methoden. Inzwischen geben sie sich als Anwälte, Mitarbeiter von Behörden oder sogar Verbraucherzentralen aus. Als Tarnung schalten sie die tatsächliche Rufnummer der angegebenen Institution oder Behörde vor", sagt Rehberg.

Was ist das Ziel der unerlaubten Telefonwerbung?

Laut Rehberg haben die Anrufe in den meisten Fällen ein klares finanzielles Ziel: den Vertragsabschluss. . Denn auch, wenn der Anruf unlauter ist, so ist ein Vertrag, der am Telefon geschlossen wurde, erst einmal wirksam (Ausnahme: Verträge über die Anmeldung zu Gewinnspielen). Viele Kunden würden sich am Telefon überreden lassen, eine Vertrag oder ein Abo abzuschließen, oder verpassten die Frist für einen Widerruf. Oft werden den Verbrauchern Verträge aber auch einfach untergeschoben, ohne dass es diesen bewusst ist. "Cold Calls sind zwar verboten - aber man kann viel Geld damit machen", sagt Rehberg.

Was können Verbraucher machen, wenn sie ein "Cold Call" erreicht?

Das beste Mittel ist, einfach aufzulegen. Viele Verbraucher seien aber schlicht zu freundlich, wenn sie von Telefonwerbung belästigt würden, sagt Julia Rehberg.

Was tun, wenn Forderungen ins Haus flattern?

Hat sich ein Verbraucher zu einem Vertragsabschluss überreden lassen, kann er ihn immer noch widerrufen. Rehberg rät, den Widerruf per Einwurf-Einschreiben an die betreffende Firma zu schicken, sobald etwas Schriftliches zu dem angeblichen Vertrag eingegangen ist. Aber auch, wenn der Vertrag einfach untergeschoben wurde, sollte man reagieren und der Firma einmal - ebenfalls per Einwurf-Einschreiben - mitteilen, dass kein Vertrag besteht sowie vorsorglich den Widerruf und die Anfechtung des Vertrages erklären.

Kommen Forderungen, ohne dass einem Vertrag zugestimmt wurde, sollte auf keinen Fall gezahlt werden. Wird einfach Geld vom Konto abgebucht, kann man es von seiner Bank zurückbuchen lassen. Rehberg rät Verbrauchern, alle zwei bis drei Wochen die Kontoauszüge zu überprüfen. Das Wichtigste sei, sich von dubiosen Firmen und deren Forderungen nicht einschüchtern zu lassen.

An wen können Verbraucher sich wenden?

Verbraucher, die sich von Callcentern abgezockt fühlen, können sich bei den Verbraucherzentralen gegen Gebühr beraten lassen. Unerlaubte Werbeanrufe können zudem bei der Bundesnetzagentur und den Verbraucherschutzzentralen gemeldet werden.

Das Gesetz zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung sollte das Problem der sogenannten Cold Calls eigentlich eindämmen. Reichen die gesetzlichen Regelungen denn nicht aus?

Nein, sagt die Hamburger Verbraucherschutzzentrale. Sie hat zu diesem Thema 2010 eine Umfrage gemacht und innerhalb von neun Monaten 80.000 Beschwerden ausgewertet. Das Ergebnis: Alles war wie vorher. Die meisten Beschwerden kamen dabei aus dem Bereich Gewinnspiele/Lotterien.

Aktuell führt die Hamburger Verbraucherzentrale noch einmal eine bundesweite Umfrage zu unerlaubter Telefonwerbung durch, um herauszufinden, welches Ausmaß die Belästigung am Telefon nach der Verschärfung der gesetzlichen Regelungen im Jahr 2013 hat. Betroffene können dabei ihre Erfahrungen mit betrügerischen Anrufen schildern.

Verbraucherschützerin Rehberg fordert, dass eine Bestätigungslösung, die bereits für den Bereich Gewinnspiele gilt, auch auf andere Bereiche ausgeweitet wird: Wer bei einem unerwünschten Werbeanruf einem Vertrag zustimmt, muss ihn danach noch einmal in Textform bestätigen, damit er wirksam wird.

Dieses Thema im Programm:

Die Reportage | 19.09.2014 | 21:15 Uhr