Stand: 05.09.2014 15:38 Uhr  | Archiv

Einkaufstüten: Plastik oft die beste Wahl

von Jennie Radü

Wer seine Einkaufstasche vergessen hat, steht an der Supermarkt-Kasse vor der Wahl: Welche Tüte ist die umweltfreundlichste - Baumwolle, Papier oder Plastik? Vor allem Plastiktüten stehen im Verdacht, schlecht für die Umwelt zu sein. Stimmt auch. Aber sie sind besser als ihr Ruf, allerdings nicht alle Modelle. Markt erklärt, worauf Sie beim Kauf und bei der Entsorgung achten müssen.

Wie gut sind Einkaufstüten für die Umwelt?

Baumwolltaschen oft verwenden

Baumwolltaschen gelten als besonders umweltfreundlich. Doch die Herstellung verbraucht viel Wasser und Baumwolle wächst meist in Regionen, in denen Wasser ohnehin knapp ist. Außerdem werden beim Baumwollanbau viele Pestizide, Herbizide und Düngemittel benötigt. "Eine Baumwolltasche muss man 20-mal verwenden, damit sie einen Vorteil gegenüber einer Einweg-Plastiktüte hat", sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe.

Papiertüten schlechter als gedacht

Um Papiertüten einigermaßen reißfest zu machen, ist bei der Herstellung ein hoher Aufwand nötig. Dabei kommt viel Zellstoff, Energie und Chemie zum Einsatz. "Papiertüten sind nicht besonders umweltfreundlich", sagt Umweltexperte Fischer. Man müsse sie mindestens ein zweites Mal benutzen. Erst dann ist sie besser für die Umwelt als eine herkömmliche Plastiktüte.

Mogelpackung Bioplastik

In einigen Supermärkten und Drogerien werden sogenannte Bio-Plastiktüten angeboten. Sie bestehen meist aus Polyethylen, das aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais und Zuckerrohr gewonnen wird. Doch "Bio" bedeutet nicht "umweltfreundlich": Der Anbau der Rohstoffe belastet die Umwelt und belegt Ackerflächen, auf denen sonst Nahrungsmittel wachsen würden. Auch gentechnisch veränderte Pflanzen können verarbeitet werden. Die Deutsche Umwelthilfe sieht keinen Vorteil gegenüber herkömmlichen Plastiktüten.

Auch kompostierbare Tüten werden verbrannt                                                  

Plastiktüten in Zahlen

Laut Umweltbundesamt nutzt jeder in Deutschland durchschnittlich 71 Plastiktüten pro Jahr. Die Spanne in der EU ist groß. Sie reicht von 18 Plastiktüten pro Kopf in Irland bis zu 421 in Bulgarien. Der EU-Durchschnitt liegt bei 198. In Deutschland wird eine Plastiktüte im Durchschnitt nur 25 Minuten lang benutzt.

Einige Bio-Plastiktüten sind laut Aufdruck sogar "kompostierbar". Sie sollen sich innerhalb von zwölf Wochen zersetzen, aber nur unter ganz bestimmten Bedingungen - bei 60 Grad Hitze und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit. Das dauert zu lang für moderne Kompostierungsanlagen: Dort werden kompostierbare Plastiktüten meist aussortiert und verbrannt. Die Ökobilanz ist nach Auskunft der Deutschen Umwelthilfe sogar schlechter als bei normalen Plastiktüten. In deutschen Supermärkten gibt es diese Tüten derzeit nicht mehr.

Fazit: Plastiktüten sind besser als ihr Ruf

Wenn es um einen spontanen Einkauf im Supermarkt geht, sind Plastiktüten den Alternativen aus Baumwolle und Papier oft überlegen. Die Deutsche Umwelthilfe empfiehlt, auf den Blauen Engel zu achten. Das bedeutet, dass die Plastiktüten aus Recyclingmaterial hergestellt wurden. Wichtig allerdings: Plastiktüten gehören in die Gelbe Tonne. Einfach weggeworfen, zersetzen sich Plastiktüten erst nach 100 bis 500 Jahren. Sie gelangen in die Meere, lassen Fische und Vögel oft qualvoll verenden. Und grundsätzlich gilt: Egal welche Tüte man kauft - je häufiger man sie benutzt, umso besser für die Umwelt. Am besten ist es, Mehrwegtragetaschen zu verwenden, die für mehrere Hundert Einsätze ausgelegt sind.

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Dieses Thema im Programm:

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