Sendedatum: 23.09.2013 20:15 Uhr

Tückische Konservierungsstoffe in Kosmetik

von Melanie Stinn
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Konservierungsmittel sorgen dafür, dass Cremes lange haltbar sind.

Parabene werden seit über 80 Jahren zur Konservierung von Kosmetika eingesetzt. Denn ähnlich wie auf Lebensmitteln, können auch auf Kosmetikartikeln Bakterien und Schimmelpilze wachsen. Parabene halten sie in Cremes, Shampoos oder Duschgels fern.

Parabene stehen schon seit Langem im Verdacht, Krebs auszulösen. Bereits 2004 hieß es in einer britischen Studie, dass die Verwendung von Deos, die Parabene enthalten, das Brustkrebsrisiko erhöhen könnte. Seitdem wurde der Zusammenhang zwischen Parabenen und Brustkrebs aber nicht nachgewiesen. Darauf weist das Bundesinstitut für Risikobewertung hin.

Grenzwerte für Parabene

Am häufigsten werden sogenannte Methyl- und Ethylparabene eingesetzt. Für diese Stoffe lässt die EU-Kosmetikverordnung einen Anteil von 0,4 Prozent pro Kosmetikartikel zu. Nach Einschätzung von Professor Andreas Luch vom Bundesinstitut für Risikobewertung sind Ethyl- und Methylparaben die unbedenklichsten Parabene: "Die Anwendung dieser Stoffe gilt in der angegebenen Dosierung als sicher."

Manchmal werden auch Butyl- und Propylparaben eingesetzt. Diese Stoffe können aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung nicht abschließend bewertet werden. In manchen Tierversuchen haben sie eine stärkere hormonähnliche Wirkung gezeigt: Die Spermien-Anzahl von männlichen Ratten und Mäusen hatte sich verringert. Deswegen empfehlen das Bundesinstitut für Risikobewertung und der Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission (SCCS) den Anteil dieser Stoffe im Produkt von 0,4 auf 0,19 Prozent zu reduzieren. In dieser Konzentration gelten auch sie als sicher.

Die selten verwendeten Isopropyl-, Isobutyl-, Phenyl- und Pentylparabene sollen nach Einschätzung der Experten wegen mangelnder Daten künftig verboten werden. Von Markt befragte Hersteller gaben an, sich bei Butyl- und Propylparaben schon jetzt an den künftig geltenden Grenzwert von 0,19 Prozent im Kosmetikprodukt zu halten.

Alternative Konservierungsmittel: Zunahme von Allergien?

"Parabene sind durch die Presse regelrecht hingerichtet worden, obwohl dies wissenschaftlich nicht gerechtfertigt ist", sagt Dermatologe Voss. Deshalb ersetzen die Hersteller häufig Parabene durch andere Konservierungsmittel. Dies sei aus fachlicher Sicht nicht immer nachvollziehbar, da "Parabene zu den am besten erforschten und zuverlässigsten Konservierungsmitteln gehören, die wir kennen."

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Dermatologe Werner Voss warnt vor den Risiken chemischer Konservierungsmittel. Sie könnten Allergien auslösen.

Hersteller von Naturkosmetik setzen auf natürliche Alternativen wie Alkohol oder ätherische Öle, um ihre Produkte haltbar zu machen. Nach Einschätzung von Voss sind die natürlichen Alternativen aber häufig nicht so wirksam. Auch chemische Alternativen, zum Beispiel MethylIsothiazolinone, werden häufig eingesetzt. Dieser Stoff ist allerdings mindestens so umstritten, wie die Parabene selbst. Dermatologe Werner Voss: "In den letzten Jahren ist das MethylIsothiazolinon weltweit häufig angewandt worden. Seither beobachten wir einen rasanten Anstieg an allergischen Reaktionen, wie sie bei Parabenen nie gesehen worden ist. Bei der Konservierung müssen wir wählen zwischen Teufel und Beelzebub."

Mehr Östrogene in Sojaprodukten als in Kosmetik

Ein weiterer Vorwurf: Parabene würden ähnlich wie Östrogene wirken und könnten zum Beispiel für eine vorzeitige Pubertät verantwortlich sein. "Die wenigsten wissen, dass wir auch mit der Nahrung Östrogene zu uns nehmen. Wer zum Beispiel Sojaprodukte verzehrt, nimmt mehr Östrogen zu sich, als er im schlimmsten Fall durch Kosmetik aufnehmen könnte", gibt Dermatologe Werner Voss zu bedenken.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 23.09.2013 | 20:15 Uhr