Stand: 29.07.2013 09:51 Uhr  | Archiv

Tiefkühlpizza - Was essen wir da eigentlich?

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Sieht gar nicht schlecht aus, so eine Fertigpizza - aber was genau essen wir da eigentlich?

Karton öffnen, Folie aufreißen und Pizza in den Ofen schieben. Sieben bis 15 Minuten später liegt ein fertiges Essen auf dem Teller. Tiefkühlpizza ist nicht nur schnell und einfach zubereitet, sie ist auch beliebt: 800 Millionen essen die Deutschen davon pro Jahr. Selbst Lebensmittelskandale um Formfleisch und Analogkäse konnten der Industriepizza nichts anhaben. Auch nicht, dass Experten vor übermäßigem Übergewicht und gesundheitlichen Problemen warnen.

Pizza gibt es aber natürlich nicht nur als Massenprodukt der Lebensmittelindustrie. Für ihre Dokumentation "Deutschland, Deine Pizza" sind die Autoren Hauke Wendler und Carsten Rau unter anderem nach Italien, genauer nach Neapel, der Heimatstadt der Pizza, gereist. Im Interview mit NDR.de erklärt Hauke Wendler, warum Tiefkühlpizza mehr Fett und Salz enthält als eine frische.

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Autor Hauke Wendler ist auf der Suche nach guter Pizza durch ganz Deutschland und in die Heimatstadt der Pizza, nach Neapel, gereist.

Pizzateig besteht immer aus Wasser, Mehl, Salz und Hefe. Kann es da so große Unterschiede zwischen einem Tiefkühlprodukt und einer echten neapolitanischen Pizza geben?

Hauke Wendler: Ja, klar. Wir haben für unsere Dokumentation ja auch in Neapel gedreht. Die Pizza, die man dort in Pizzerien bekommt, ist ein frisches Produkt, das fast ausschließlich in Handarbeit hergestellt wird, auf der Grundlage frischer Zutaten. Bei der Tiefkühlpizza ist das ganz anders. Das ist ein industrielles Produkt, das oft bis zu zwölf Monate haltbar ist. Das bedeutet, dass schon bei der Herstellung des Teigs zahlreiche Zusatzstoffe verwendet werden. Sonst könnte Tiefkühlpizza den Vorgaben, die der Handel an so ein Massenprodukt stellt, überhaupt nicht standhalten.

Die Laborwerte von Tiefkühlpizzen sind nur mäßig. Von 18 getesteten Produkten befand die Stiftung Warentest lediglich drei für "gut". Der Rest der Pizzen ist zu salzig und zu fettig. Ist das bei einer selbst gebackenen Pizza oder einer im Restaurant anders?

Wendler: Eine Pizza, die man selbst macht oder im Restaurant bestellt, ist mit Sicherheit nicht das geeignete Lebensmittel, wenn man ein paar Kilo abnehmen möchte. Man sollte sich auch nicht beständig davon ernähren.

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Ampelcheck

Info-Seite der Verbraucherzentralen zu Nährwerten in diversen Lebensmitteln. extern

Lebensmittelklarheit: Pizza

Produktportal des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände extern

Experten sagen, dass eine Tiefkühlpizza mehr Fett und Salz braucht, um ein Geschmacksergebnis zu liefern, das annähernd dem einer frischen Pizza ähnelt. Und die Hersteller verweisen gern darauf, dass es letztlich doch eine Entscheidung des Verbrauchers sei, was ihm schmecke oder nicht. Das stimmt zwar auch, aber dann wäre eine klare Kennzeichnung angebracht, zum Beispiel in Form einer sogenannten Lebensmittelampel, wie sie Verbraucherschützer fordern. Dagegen aber haben sich Industrie und Handel immer wieder gesperrt. Deshalb finden sich die Angaben zum hohen Fett- und Salzgehalt so mancher Pizza bis jetzt nur im Kleingedruckten auf dem Pappkarton.

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 18.08.2014 | 22:00 Uhr