Stand: 07.11.2014 18:00 Uhr  | Archiv

So leben und sterben Pelztiere

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Von wegen nur Abfälle, die sowieso anfallen: Jedes Jahr werden unter anderem für Accessoires die Felle von insgesamt etwa hundert Millionen Tieren verarbeitet.

"Eine komplette Pelzjacke ist Tierquälerei - aber so ein Mantelkragen doch nicht." Viele Menschen denken, der Pelzbesatz an ihrer Kleidung oder Accessoires aus Fell seien nur Reste, die sowieso anfallen würden. Doch unter anderem genau für diese Fellteile werden jedes Jahr mehr als 85 Millionen Tiere gezüchtet und getötet. Rechnet man die Tiere hinzu, die in freier Wildbahn gefangen und getötet werden, sind es hundert Millionen insgesamt, deren Felle verarbeitet werden.

Die Pelzmode, die die Geschäfte in Deutschland verkaufen, wird überwiegend in China verarbeitet. Das Land dominiert den internationalen Fellmarkt und ist heute auch für die europäischen Fellproduzenten der wichtigste Abnehmer. Ein Drittel der der verarbeiteten Felle kommt aus China nach Deutschland. Von dort stammen Pelze von Fuchs, Nerz, Kaninchen, Hund und Katze sowie vor allem vom Marderhund.

China: Besuch auf einer Farm für Marderhunde

Warum ist Pelz wieder in?

"Pelz war tatsächlich aus der Akzeptanz zumindest der deutschen Öffentlichkeit verbannt. Wenn er jetzt wieder stillschweigend akzeptiert wird, liegt es daran, dass in den vergangenen Jahren einerseits nur kleine Fell-Teile, etwa an Pudelmützen, vornehmlich aus Pelz-Imitaten verwendet wurden. Von der Pudelmütze wurde das dann auf die Kragen ausgeweitet. Und niemand kümmert sich jetzt genau darum, ob die Kapuzen-Applikationen aus Imitat-Fell sind oder echt."

Peter Wippermann, Trendforscher

Allein in China werden Jahr für Jahr geschätzt 70 Millionen Tiere wegen ihres Fells getötet. Die Felle kommen aus dem Norden Chinas, wo auf Tausenden von Pelzfarmen Marderhunde und andere Tiere gezüchtet werden, um sie für ihr Fell zu töten. Für ihre Doku ist Autorin Antonia Coenen in eine der drei größten Zuchtregionen Chinas gereist, in die Provinz Lianoning. Die Farmer dort werden von der Regierung subventioniert. So sichert ihnen die Pelzzucht ein gutes Einkommen.

Das NDR Team konnte auf einer der Farmen filmen. Mit 500 Marderhunden ist es eher ein kleiner Betrieb. Zu sehen, wie die Tiere behandelt und vor allem wie sie getötet und gehäutet werden, sei schwer zu ertragen gewesen, berichtet die Autorin. Die Marderhunde leben in kleinen Käfigen und haben keinen festen Boden unter den Pfoten, sondern nur den Draht der Käfige.

Wo kommen die Felle für die Pelz-Mode her?

Schwer zu ertragene Grausamkeit bei der Tötung der Tiere

Preissteigerung von Marderhundfell in China

  • 70 Cent erhält ein Arbeiter für jedes abgezogene Fell.
  • Für 70 Euro kann ein Händler ein Fell auf dem Markt verkaufen.
  • Vier bis fünf Euro bekommt ein Fabrikant für einen Mützenbommel, elf bis dreizehn Euro für einen Fellkragen.
  • Zwischen 40 und 70 Euro kostet eine Stickmütze mit echtem Pelzbommel.

Die Hunde sind etwa fünf Monate alt, wenn im November die sogenannte Ernte ansteht. Um diese Zeit im Jahr stellen die Farmen Arbeiter ein, die die Tiere töten und ihnen das Fell abziehen sollen. Die Männer bekommen pro Tier umgerechnet 70 Cent. Damit sich die Arbeit lohnt, arbeiten die Männer möglichst schnell. Deshalb wird offenbar nicht darauf geachtet, ob die Tiere wirklich tot sind.

Mit Stangen wird den Hunden auf den Schädel geschlagen. Doch die Schläge sind nicht immer tödlich. Kontrolliert wird das nicht. Die Tiere werden in jedem Fall gehäutet. Das Filmteam beobachtet mehrere Hunde, die noch atmen, obwohl ihnen schon das Fell abzogen wurde. So sehe die gängige Fellernte in weiten Teilen Chinas aus, berichtet unsere Autorin. Gesetzliche Schutzregelungen für Pelztiere gibt es in China nicht. Die Kadaver werden als Tierfutter verwertet oder verbrannt.

Dänemark ist weltweit größter Produzent von Nerz

Sehen die Zucht und das Töten von Pelztieren in Europa anders aus? Deutsche Farmen wollten dem Filmteam keine Dreharbeiten gestatten. Und so haben Antonia Coenen und ihr Team eine dänische Farm besucht. Dänemark ist der weltweit größte Lieferant von Nerzfellen. In dem Betrieb bei Kopenhagen werden 21.000 Amerikanische Nerze gezüchtet, auch Mink genannt.

Nerze in enge Käfige gepfercht

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Nerze leben in freier Wildbahn in gewaltigen Revieren und sind Einzelgänger.

Der Mink ist ein dämmerungs- und nachtaktives Tier, das in der Nähe von Gewässern lebt und ein gewaltiges Revier bewohnt. Auf der Farm stehen die Nerze auf Drahtgittern, ohne Wasserbecken, isoliert von Artgenossen. Die Käfige sind so breit wie DIN-A4-Blätter lang. Das Futter, bestehend aus Fleisch und Fisch in Form einer Paste, wird auf den Käfig gelegt.

Die Tötung beschreibt der Farmbetreiber selbst: "Wir fahren eine Tötungsmaschine zu den Käfigen. Dort nehmen wir den Mink heraus und werfen ihn in eine Box, die mit den Abgasen des Benzinmotors gefüllt ist. Nach zehn bis 15 Sekunden sind die Tiere bewusstlos. Sie legen sich hin und sind in ein bis zwei Minuten tot." Auch das Häuten geschieht hier maschinell.

Informationen zur Sendung

Die Wahrheit über Pelz

02.11.2015 22:00 Uhr
45 Min

Fell-Bommel, Fell-Kragen, Fell-Futter - Pelz sieht man wieder überall. Der Modetrend wird gern verharmlost. Doch welche Folgen hat er für Pelztiere, Umwelt und die Kunden? mehr

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 02.11.2015 | 22:00 Uhr

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