Stand: 28.09.2015 06:00 Uhr  | Archiv

Was Restaurants statt Scampi auftischen

von Benjamin Cordes

Einige Restaurants täuschen ihre Gäste, indem sie statt der auf der Speisekarte angegebenen edlen Scampi die in der Regel wesentlich günstigeren Garnelen für Gerichte verwenden. Bei einer Stichprobe in fünf Lokalen in Hamburg bekamen Testesser von Markt in allen Fällen statt der auf der Speisekarte angebotenen und ausdrücklich bestellten Scampi lediglich Garnelen serviert. Getestet wurde in drei italienischen Restaurants in St. Pauli, im Portugiesenviertel und an der Reeperbahn - außerdem bei Gosch im Hauptbahnhof und bei Vapiano an der Rothenbaumchaussee.

So unterscheiden sich Scampi und Garnelen

DNA-Analyse bestätigt Scampi-Schwindel

Eine DNA-Analyse durch ein akkreditiertes Labor bestätigte:

  • In den drei italienischen Restaurants  landeten Garnelen der Gattung Penaeus monodon auf dem Teller, auch bekannt als Riesengarnelen. Zweimal war es Litopenaeus vannamei, der unter anderem als Black Tiger angeboten wird.
  • Vapiano und Gosch haben Garnelen der Gattung Litopenaeus vannamei verwendet, im Deutschen auch bekannt als White Tiger Garnelen. Vapiano erklärte, die Garnelen stammten aus "intensiver Zucht" in Vietnam.

Garnelen dürfen nicht als Scampi verkauft werden

Laut dem verbindlichen "Verzeichnis der Handelsbezeichnungen für Erzeugnisse der Fischerei und Aquakultur" dürfen in Deutschland nur Tiere der Gattungen Metanephrops spp. und Nephrops norvegicus als Scampi verkauft werden. Im Deutschen sind sie auch als Kaisergranat bekannt.

Wettbewerbszentrale will Gosch abmahnen

Die Hamburger Wettbewerbszentrale kündigte an, aufgrund der Recherchen von Markt wettbewerbsrechtlich gegen diese Praxis vorgehen zu wollen. "Wenn Scampi versprochen werden, müssen auch Scampi auf dem Teller sein", sagt Peter Brammen von der Hamburger Wettbewerbszentrale. Da stattdessen Garnelen serviert wurden, sieht Brammen eine unlautere Geschäftshandlung als gegeben. Im Interview mit Markt kündigte er an, Gosch aus diesem Grund abmahnen zu wollen.

Vapiano räumte auf Anfrage von Markt einen "Fehler" ein: Man habe die Bezeichnung "Scampi" bei allen Gerichten auf der Speisekarte in "Gamberetti" geändert. Gosch will keine Stellungnahme abgeben.

So unterscheiden sich Scampi und Garnelen

Scampi sehen aus wie kleine Hummer mit großen Scheren und einer breiten Schwanzflosse. Garnelen haben Fühler und sind leicht gebogen. Ihre gräuliche Farbe verändert sich erst beim Garen zu Rosa. Scampi gibt es nur aus Wildfang. Sie sind deutlich teurer als Garnelen, die auch aus der Zucht stammen können. Scampi sind zart im Biss und haben einen nussig-süßen Geschmack. Garnelen sind fest und knackig.

Echte Scampi im Restaurant erkennen

Wer ganz sicher gehen will, lässt sich im Restaurant am besten die ganzen Tiere zeigen oder alternativ die Verpackung der Scampi. Sie sind dann entweder eindeutig an ihren Scheren zu erkennen oder auf der Verpackung an der lateinischen Bezeichnung Metanephrops spp. und Nephrops norvegicus.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 28.09.2015 | 20:15 Uhr