Stand: 12.10.2017 18:09 Uhr

Rechtliche Betreuung kann echte Lebenshilfe sein

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Manche Betreuer nehmen sich viel Zeit für ihre Klienten.

Es kann jeden treffen: ein Unfall, Alterserscheinungen oder unvorhergesehene Erkrankungen und plötzlich benötigt man die Hilfe eines anderen Menschen nicht nur in pflegerischer Hinsicht. In einem solchen Fall kann ein Berufsbetreuer eingestellt werden, um die rechtlichen Belange des Betroffenen zu regeln. Er wird zu dessen gesetzlichem Vertreter.

Die individuellen Bedürfnisse bestimmen, welche Aufgaben und rechtliche Vertretungen der Berufsbetreuer übernehmen soll. Das können Behördengänge, die Verwaltung der Finanzen oder die Regelung der Gesundheitsversorgung sein.

Wer bekommt rechtliche Hilfe?

Da sich Berufsbetreuer um die rechtlichen Belange der Betroffenen kümmern, nennen sie sie nicht Patienten, wie ein Pflegebetreuer, sondern Klienten. Die Unterstützung eines Betreuers kann jeder volljährige Mensch bekommen, der wegen einer psychischen, körperlichen, geistigen oder seelischen Erkrankung rechtliche Hilfe braucht. Zu den Klienten eines Betreuers gehören etwa ältere Menschen, die an Demenz erkrankt sind, aber auch junge Menschen, die nach einem Verkehrsunfall im Koma liegen oder unter schweren Depressionen leiden.

Für beide müssen unter Umständen Leistungen wie Krankengeld oder den entsprechenden Pflegrad beantragt werden. Der rechtliche Betreuer kann dann für seinen Klienten die notwendigen Erklärungen an dessen Stelle abgeben. Jeder Mensch hat auch das Recht, selbst beim zuständigen Betreuungsgericht einen Antrag auf rechtliche Betreuung zu stellen.

Kennzeichen eines guten rechtlichen Betreuers

  • Der Berufsbetreuer arbeitet zum Beispiel in einem Betreuungsverein oder mit anderen Betreuern in einer Bürogemeinschaft zusammen, sodass sie sich gegenseitig im Urlaubs- und Krankheitsfall vertreten können. Ist der Betreuer nämlich nicht erreichbar, können nur von ihm beauftragte/bevollmächtigte Personen handeln, es sei denn, das Gericht bestellt einen Vertretungsbetreuer.
  • Die Qualifikation des Betreuers: Er hat einen Hochschulabschluss, der für diesen Bereich geeignet ist, wie etwa Sozialpädagogik, Rechtswissenschaften oder Psychologie.
  • Der Berufsbetreuer berät sich mit Kollegen über seine Klienten, nimmt an einer externen Beratung (Supervision) teil und/oder bildet sich regelmäßig fort.
  • Er arbeitet nach erklärten ethischen Richtlinien, die er beispielsweise auf seiner Homepage veröffentlicht hat.
  • Er arbeitet nach einem bestimmten Handlungskonzept, etwa dem sogenannten Betreuungsmanagement. Ein guter Betreuer wird, wenn möglich, bestimmte Ziele zusammen mit seinem Klienten vereinbaren. Wenn es möglich ist und dem Klienten hilft, wird auch das soziale Umfeld eingebunden.
  • Der Betreuer hat feste Sprechzeiten im Büro, sodass ihn seine Klienten auch ohne Termin aufsuchen können.

Wer glaubt, seine Rechte nicht mehr selbst vertreten zu können oder zur Regelung von Finanzdingen nicht mehr in der Lage ist, kann sich auch selbst an das für seinen Wohnsitz zuständige Betreuungsgericht wenden. Ob Bedarf für eine Unterstützung besteht, stellt ein Arzt fest. Oft ist es auch der behandelnde Arzt, der zuerst feststellt, dass ein Mensch rechtliche Betreuung braucht. Dies geschieht jedoch nicht, wenn der Betroffene eine sogenannte Vorsorgevollmacht vorlegen kann, in der er eine Person seines Vertrauens damit beauftragt, seine Angelegenheiten in seinem Sinne zu regeln.

Wie geht der Betreuerwechsel?

Wer mit seinem Betreuer nicht klarkommt, kann dies dem Betreuungsgericht mitteilen, indem er dies entweder mündlich zu Protokoll gibt oder ein formloses Schreiben aufsetzt. Dann kann ein anderer Betreuer bestellt werden. Der Betroffene kann aber auch selbst einen Vorschlag unterbreiten, wenn er einen guten Berater kennt. Richtet sich das Gericht nicht danach, obwohl der Betreuer seine Pflichten nicht erfüllt oder gegen den Willen seines Klienten handelt, kann dieser einen Anwalt einschalten, muss ihn aber selbst bezahlen. Eine kostenlose rechtliche Beratung gibt es bei der öffentlichen Rechtsauskunft.

Keine Angst vor Entmündigung - die gibt es nicht mehr

Bis 1992 konnten Menschen, die nicht oder nicht mehr fähig waren, Entscheidungen eigenverantwortlich zu treffen, auf der Grundlage des Vormundschafts- und Pflegerechts für Erwachsene auf einen Schlag entmündigt werden. Erwachsene hatten dann nur noch so viel Selbstbestimmungsrecht wie ein Kind. Seit 1992 wird kein Volljähriger mehr entmündigt.

Das Betreuungsrecht sieht eine Mitbestimmung der durch Krankheit oder Krisen beeinträchtigten Menschen vor. Deswegen ist die Einrichtung einer Teilbetreuung erlaubt, bei der der Berufsbetreuer zum Beispiel nur die Finanz- und Rechtsgeschäfte übernimmt. Die Betroffenen bleiben durch ihren gesetzlichen Vertreter "voll geschäftsfähig", wie es korrekt heißt. Sehr selten wird ein "Einwilligungsvorbehalt" eingerichtet: Geschäfte, die Betreute abschließen, werden erst wirksam, wenn der Betreuer zustimmt. Das gilt beispielsweise für den Kauf eines Autos.

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Dieses Thema im Programm:

45 Min | 16.10.2017 | 22:00 Uhr

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