Stand: 19.06.2017 16:10 Uhr

Pfusch am Bau: So retten Sie Ihr Eigenheim

Wer ein Haus baut, braucht Ausdauer und gute Nerven. Oft fallen schon während der Bauarbeiten so viele Mängel auf, dass ein Einzug nicht möglich ist. Pfusch am Bau gehört in Deutschland zum Alltag. Der Schaden, der jedes Jahr durch mangelhafte Planung und schlampige Arbeit an Neubauten entsteht, geht nach Experten-Schätzungen in die Milliarden.

Dorf von Oben

Baupfusch: Anwohner werden hängengelassen

Markt -

Wer ein Haus baut, ist auf einen Unternehmer angewiesen und auf Behörden, die bei Problemen helfen. In Klein Trebbow bei Schwerin fühlen sich Anwohner von beiden im Stich gelassen.

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Schutz vor unseriösen Unternehmen

Wer ein Haus baut, sollte schon bei der Auswahl des Bauunternehmens auf Qualität achten. "Lassen Sie sich Referenzkunden nennen. Die sollten Sie nach ihren Erfahrungen mit dem Bauunternehmer fragen", sagt dazu der vereidigte Sachverständige Rolf Nachtigal aus Braunschweig. Ein weiterer Anhaltspunkt: Bauunternehmen, die nach der Norm DIN ISO 9001 zertifiziert wurden, erfüllen klar definierte Anforderungen. Die Zertifizierung schütze zwar nicht hundertprozentig vor einem Reinfall, biete aber eine gewisse Sicherheit. Ratsam ist zudem, Baufirmen zu beauftragen, die schon viele Jahre am Markt sind.

Planungsmängel bei Neubauten

Die meisten Fehler passieren nach Ansicht von Bauexperten bereits bei der Planung. Oft erweist sich Baugrund als nicht tragfähig, weil er falsch aufgefüllt wurde. In vielen Fällen reicht der Wärmeschutz nicht aus. Bei Flachdächern kann Regen durchdringen. Auch fehlende Dehnungsfugen und ein zu kleiner Dachüberstand können langfristig Probleme bereiten - bis hin zur vorzeitigen Verwitterung der Fassade.

Schäden durch Feuchtigkeit

"Der größte Feind eines Hauses ist Wasser", sagt Experte Nachtigal. Oft dringe schon während der Bauarbeiten Feuchtigkeit ins Mauerwerk, weil die nötigen Dichtungen am Fundament und im Keller fehlen. Viele Bauten werden bei schlechtem Wetter nicht ausreichend geschützt und haben später zu wenig Zeit zum Austrocknen. Der Schaden wird erst nach dem Einzug sichtbar, etwa durch Wasserflecken unter den Fenstern. Eine mögliche Folge ist Schimmelpilzbefall. Nachtigal nennt weitere typische Mängel, die Laien bei der Abnahme in der Regel nicht auffallen: So können die Räume zu niedrig sein, weil der Fußboden falsch beschichtet wurde. Fenster sind falsch eingebaut, oder zwischen Reihenhäusern ist der Schallschutz unzureichend, weil Trennwände nicht richtig eingebaut wurden.

Baumängel rechtzeitig erkennen

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Eine professionelle Baubegleitung kostet rund ein Prozent der Bausumme - eine Investition, die sich lohnt.

Bauherren sollten einen unabhängigen Architekten oder Bausachverständigen engagieren, der jeden Bauabschnitt abnimmt und Mängel sofort reklamiert. Eine professionelle Baubegleitung kostet rund ein Prozent der Bausumme - eine Investition, die sich lohnt, wenn Mängel erkannt werden, die später nur aufwendig zu beheben sind.

Alle Details im Vertrag regeln

Um Ärger mit dem Bauunternehmen zu vermeiden, sollten Bauherren bereits im Vertrag alle wichtigen Punkte detailliert festhalten. Klären Sie bis ins letzte Detail, welche Leistungen zu erbringen sind, und halten Sie das Ergebnis schriftlich fest, zum Beispiel Anzahl und Größe, Platzierung und Material von Ausstattungsgegenständen.

Salami-Taktik bei der Bezahlung

In den Vertrag gehören auch die Baukosten und die Zahlungsweise. Empfehlenswert sind Abschlagszahlungen, die nach der erfolgreichen Abnahme eines Bauabschnitts fällig werden. So zahlen Bauherren die Summe in Raten und können Geld zurückbehalten, wenn Mängel auftreten. Sinnvoll sind auch Vertragsstrafen für den Fall, dass der Bauunternehmer nicht rechtzeitig fertig wird. Vor der Unterschrift sollte man einen Bauvertrag unbedingt von einem Fachanwalt überprüfen lassen.

Baumängel richtig reklamieren

Für Baumängel am Gebäude sieht das Gesetz fünf Jahre Gewährleistung vor. Die Frist beginnt mit dem Tag der Abnahme. Für Einrichtungsgegenstände wie Küchen, die nicht fest eingebaut sind, gilt die übliche gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren.

Einen Baumangel sollte man dem Bauunternehmen sofort schriftlich mitteilen. Hilfreich ist es, eine Frist zu setzen, bis wann der Mangel behoben sein muss. Der Bauunternehmer darf in der Regel zweimal nachbessern. Beseitigt er den Mangel nicht, darf der Bauherr einen Handwerker beauftragen und dem Bauherren die Rechnung schicken. Wegen der oft hohen Kosten für die Mangelbeseitigung an Gebäuden sollte man diesen Schritt vorher mit einem Rechtsanwalt besprechen.

Gebäude-Check vor Ablauf der Gewährleistung

Um hohe Kosten für Reparaturen zu vermeiden, sollten Bauherren das Gebäude einige Monate vor Ablauf der Gewährleistung gründlich auf Mängel untersuchen - am besten mit der Unterstützung eines unabhängigen Sachverständigen oder Architekten. So bleibt genügend Zeit, alle Mängel innerhalb der Fünf-Jahres-Frist zu melden.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 19.06.2017 | 20:15 Uhr

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