Sendedatum: 02.09.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Öko-Schwindel mit Chemie-Kosmetik

von Melanie Stinn

Blüten, Blätter, Pflanzenextrakte: Glaubt man Kosmetikherstellern, kommt alles, was man zur Körperpflege braucht, aus der Natur. Sie werben auf den Verpackungen von Gels, Cremes und Lotionen mit einem Hinweis auf "natürliche Inhaltsstoffe". Doch häufig kommt trotzdem Chemie zum Einsatz.

Einige Duschgel-Hersteller werben auf der Verpackung zum Beispiel mit Olivenöl, Milch oder Granatapfel, obwohl nur Spuren davon enthalten sind. Darauf weist Jürgen Stellpflug von der Zeitschrift "Ökotest" hin: "Diese Produkte haben mit richtiger Naturkosmetik nichts zu tun. Da ist auch Chemie drin." Ein Grund für die leeren Versprechen: Anders als bei ökologisch erzeugten Lebensmitteln gibt es keine Standards für Naturkosmetik. Der Begriff ist nicht geschützt. Jeder darf damit werben, unabhängig davon, wie hoch der Anteil natürlicher Stoffe ist.

Schmu mit Siegeln

Einige Hersteller tricksen sogar mit eigenen selbst gemachten Siegeln. "Jeder definiert eigene Standards, um den Eindruck zu erwecken, es handele sich um Naturkosmetik. Sie stellen die Produkte dadurch besser dar, als sie sind", kritisiert Kosmetik-Experte Stellpflug. Ein einheitliches Siegel ist in weiter Ferne. Auf die Frage nach einem Standard für Naturkosmetik antwortet die EU-Kommission: Man wolle 2015 entscheiden, ob es in Zukunft Mindeststandards für Natur- oder Bio-Kosmetik gegen solle.

Trick mit Konservierungsstoffen

Ein anderer Trick in Sachen Natürlichkeit: die "ohne"-Masche. Immer mehr Hersteller schreiben auf, was alles nicht enthalten ist, zum Beispiel "ohne Parabene", "ohne Mineralöle" und "ohne Konservierungsstoffe". Allerdings kommen die wenigsten Produkte tatsächlich ohne Chemie aus. Denn Kosmetik muss 30 Monate in einer normalen Dose haltbar sein. Das ist ohne Konservierungsmittel nicht zu schaffen, erklärt Dermatologe Werner Voss.

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Ersatzstoffe für Konservierungsmittel lösen möglicherweise Allergien aus, befürchtet der Dermatologe Werner Voss.

Statt herkömmlicher Konservierungsstoffe werden oft Ersatzstoffe wie Caprylyl Glycol und Ethyhexylglycerin verwendet. Sie wirken konservierend, müssen aber nicht als Konservierungsstoff deklariert werden. Das Problem: Sie sind häufig weniger erforscht. Experten wie der Dermatologe Werner Voss befürchten, dass die Stoffe Allergien auslösen könnten. Sein Urteil: "Als Hautarzt bin ich der Meinung, dass man sich nicht auf die Wirkung dieser konservierenden Ersatzstoffe verlassen sollte."

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Markt | 02.09.2013 | 20:15 Uhr