Stand: 17.02.2016 20:15 Uhr

Neues H-Gas kommt - Umrüstung beginnt in Hilter

von Kora Blanken
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Das neue Gas kommt unter anderem aus Russland und soll hochwertiger sein. (Themenbild)

Auf die Verbraucher, die mit Gas heizen und kochen, kommt demnächst eine Umrüstung zu. Denn zukünftig soll vielerorts in Niedersachsen ein anderes Erdgas aus dem Gashahn strömen als bislang. In Hilter a.T.W. im Landkreis Osnabrück haben die Vorbereitungen für die Umrüstung jetzt begonnen. Und schon bald kommen andere Orte in der Region hinzu.

Warum wird das Erdgas umgestellt?

Der gesamte Nordwesten Deutschlands ändert bis 2030 seine Erdgas-Sorte. Bislang strömt noch das sogenannte L-Gas durch viele Leitungen deutscher Haushalte. Doch die Vorkommen dieser Gas-Sorte sind in den Niederlanden und Deutschland rückläufig. Deshalb soll das L-Gas in den kommenden Jahren durch das sogenannte H-Gas ersetzt werden. "Da rund 25 Prozent des Bundesgebietes aufgrund der räumlichen Nähe zu den Niederlanden mit L-Gas versorgt werden, ist die Umstellung zwingend erforderlich", so Manfred Hülsmann von den Stadtwerken Osnabrück.

Was ist der Unterschied zwischen L- und H-Gas?

H-Gas (High Calorific Gas) hat einen höheren Brennwert als das niederkalorische L-Gas (Low Calorific Gas). Grund dafür ist ein höherer Methangehalt. "Wenn man H-Gas in das Erdgasnetz einspeist, werden die Flammen in Gasherden und Thermen heißer", so Frank Behrendt vom Verteilnetzbetreiber Westnetz.

Wie erfolgt die Umstellung?

Bis tatsächlich H-Gas durch die Leitungen der Region strömt, wird es noch etwas dauern. Denn zunächst müssen alle Gasgeräte an die Nutzung des höherkalorischen Brennstoffes angepasst werden - vom Gasherd in der privaten Küche bis hin zur gasbetriebenen Industrieanlage. Dafür sind bei Gaskunden in der Regel zwei Besuche nötig. Wenn die Monteure zum ersten Mal vorbeischauen, werden die Geräte erfasst. Beim zweiten Besuch kommen die Dienstleister, um Therme beziehungsweise Herd mit Düsen, Brennern oder anderen Einbauteilen umzurüsten. Laut einer Sprecherin von Westnetz könnte es bei einigen Kunden auch noch ein drittes Mal klingeln. Denn die Erfassung der Gasgeräte sowie ihre anschließende Anpassung würden für die Qualitätssicherung stichprobenartig überprüft. 

Welche Kosten fallen für die Gaskunden an?

Für die Umstellung von L- auf H-Gas ist der zuständige Netzbetreiber verantwortlich. Alle anfallenden Kosten würden zunächst vom jeweiligen Netzbetreiber übernommen, gesammelt und anschließend über die Netzentgelte auf alle Verbraucher umgelegt, sagt Manfred Hülsmann von den Stadtwerken Osnabrück. Auch Westnetz will so vorgehen. "Sicherlich werden die Kosten irgendwann auf die Netzentgelte umgelegt", so eine Sprecherin des Unternehmens. Doch die Erhöhung würde so gering ausfallen, dass der Kunde es kaum bemerken dürfte. Die Netzbetreiber rechnen aber auch damit, dass ein geringer Prozentsatz der erfassten Geräte nicht umgestellt werden kann. Dann muss zunächst der Kunde bezahlen. "Allerdings sollen die betroffenen Personen bei der Finanzierung unterstützt werden", so ein Sprecher der Stadtwerke Osnabrück.

Ist das neue Gas teurer?

Laut Bundesnetzagentur werden sich die Kosten für den Verbraucher nicht ändern. H-Gas sei zwar teurer als L-Gas, jedoch werde für denselben Heizeffekt weniger H-Gas benötigt.

Wann startet die Umstellung?

In Hilter a.T.W. hat die Erfassung der Gasgeräte jetzt begonnen. Hier wird voraussichtlich im April 2017 tatsächlich H-Gas durch die Leitungen strömen. In Bohmte, Ostercappeln und Osnabrück sollen die Umstellungen im nächsten Jahr vorbereitet werden. Bis 2029 sollen noch weitere Kommunen im Landkreis Osnabrück, dem Emsland und der Grafschaft Bentheim hinzukommen. Gaskunden können sich bei ihrem Netzbetreiber informieren, ob auch ihre Geräte an das neue Gas angepasst werden müssen.