Sendedatum: 24.02.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Multivitaminsaft: Vitamine in hoher Dosis

von Martje Freese

Multivitaminsaft gilt als gesund. Das unterstreichen die Hersteller auf den Etiketten mit Abbildungen von reichlich Obst und Gemüse. Auch deshalb greifen viele Verbraucher gerne zu fruchtigen Durstlöschern. Aber wie viele Vitamine enthalten die vermeintlichen Vitaminbomben? Und wie gesund sind die Säfte wirklich? Markt hat vier Multivitaminsäfte untersucht:

  • von der Bio-Kelterei Voelkel für 4,70 Euro pro Liter
  • von Hohes C für 1,79 Euro pro Liter
  • von der Rewe-Eigenmarke für 1,29 Euro pro Liter
  • von der Aldi-Eigenmarke für 0,95 Euro pro Liter

Die Ergebnisse des Vitamin-Checks

Mogelpackung: Oft künstliche Vitamine zugesetzt

In drei der vier überprüften Säfte ist nur das Vitamin C natürlichen Ursprungs, also direkt aus der Frucht. Die übrigen Vitamine werden künstlich zugesetzt. Der Grund: B-Vitamine und Vitamin E sind in der Regel nicht in Früchten enthalten, sondern in Fleisch, Getreide, pflanzlichem Öl oder Hefe. Ernährungsmediziner Matthias Riedl sieht darin eine Mogelpackung: "Wer Fruchtsäften Vitamine künstlich zusetzt, führt die Verbraucher in die Irre." In der Stichprobe von Markt war nur der Fruchtsaft von Voelkel ohne künstlichen Vitamin-Zusatz. Als Bio-Produzent darf Voelkel keine Vitamine zusetzen, die nicht von Natur aus in den enthaltenen Früchten stecken.

Überhöhte Dosen bergen Risiken

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Zu große Mengen Vitamine können der Gesundheit schaden, sagt Dr. Matthias Riedl.

Der Zusatz künstlicher Vitamine kann zu einer Überdosis an Vitaminen führen. Zum Beispiel deckt schon ein Glas Hohes C (250 Milliliter) den Tagesbedarf an Vitamin C, E, Biotin und Folsäure. Damit gleicht der Multivitaminsaft einem Nahrungsergänzungsmittel. Mediziner Riedl sieht das kritisch: "Wir wissen, dass die doppelte und dreifache Menge zugeführter Vitamine gesundheitliche Risiken birgt und deshalb ist davon auf jeden Fall abzuraten." Zum Beispiel könne eine zu hohe B-Vitamin-Dosis bei Frauen mit Diabetes zu gesundheitlichen Problemen führen.

Deklaration: Höhere Dosis als angegeben

Einige Säfte enthalten sogar mehr Vitamine, als der Hersteller angibt. Zu diesem Ergebnis kommen Untersuchungen im Auftrag von Markt. "Vitamine bauen sich nach und nach ab. Daher geben Hersteller beim Abfüllen der Säfte eine sehr hohe Dosis in die Säfte", erklärt Simone Boroski vom Lebensmittellabor Chelab. Denn auch zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums müssen noch mindestens so viele Vitamine im Saft sein, wie der Hersteller deklariert hat.

Lebensmittelchemiker haben die Multivitaminsäfte von Rewe, Aldi und Hohes C rund ein halbes Jahr vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums untersucht. Sie enthielten 130 Prozent mehr Folsäure als auf der Verpackung angegeben. Im Multivitaminsaft von Rewe war 170 Prozent mehr Vitamin C als deklariert.

Möglicherweise erhöhtes Krebsrisiko

Darüber hinaus setzt Hersteller Eckes-Granini seinem Hohes C künstliches Beta-Carotin zu. Gegenüber Markt beruft sich das Unternehmen auf Angaben der Lebensmittelsicherheitsbehörde. Demnach sei "eine Menge von bis zu 15 Milligramm Beta-Carotin pro Tag für alle Verbraucher sicher". Experten sehen das kritisch. Denn mögliche Nebenwirkungen sind nicht abschließend erforscht. Studien lassen einen Zusammenhang zwischen einem gesteigerten Krebsrisiko und der Zufuhr künstlichen Beta-Carotins bei Rauchern und Alkoholkranken schließen, sagt Ernährungsmediziner Matthias Riedl.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 24.02.2014 | 20:15 Uhr