Stand: 04.01.2016 12:15 Uhr  | Archiv

Hat der klassische Wohnungsmakler ausgedient?

von Katja Scherer, NDR Info Wirtschaftsredaktion
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Nicht wenige Wohnungssuchende mussten sich jahrelang über hohe Maklerkosten ärgern, für die es kaum eine Gegenleistung gab.

Bis vor wenigen Monaten haben Makler ein recht geruhsames Leben geführt. Florian Quandt ist seit mehr als 15 Jahren als Wohnungsvermittler in Hamburg tätig und sagt: "Vorher war es relativ leicht verdientes Geld, das muss man ganz klar sagen." Vorher, das war bevor das sogenannte Bestellerprinzip in Kraft getreten ist. Für jede Wohnung, die sie vermittelten, bekamen Makler damals eine Gebühr von zwei Nettokaltmieten plus Mehrwertsteuer - in der Regel vom zukünftigen Mieter. Seit die Vermieter die Provisionen von bis zu mehreren Tausend Euro aber selber bezahlen müssen, finden sie das nicht mehr angemessen. Laut Alexander Wiech vom Eigentümerverband Haus & Grund versuchen viele Vermieter nun, ohne Makler aktiv zu werden.

Vermittlung zum Fixpreis

Dabei helfen ihnen Start-ups wie RentKit oder faceyourbase. Auf diesen Internetplattformen können Bewerber ihre Traumwohnung aussuchen und ein Profil von sich erstellen. Mithilfe eines Algorithmus werden sie dann vorsortiert. Thomas Furch von RentKit nennt einige Kriterien: "Will ich alleine einziehen oder mit Partner? In welcher Branche arbeite ich? Und noch zwei, drei andere Fragen, die darauf abzielen, den richtigen Interessenten für eine Wohnung zu finden." Der Vermieter kann entweder absagen oder eine Besichtigung vereinbaren - ganz ohne Makler. Falls er dafür keine Zeit hat, übernimmt das Start-up diese Arbeit. Allerdings zu einem deutlich günstigeren Preis als ein klassischer Makler, so Furch: "Wir nehmen dafür einen Fixpreis von 499 Euro." Ein Teil der klassischen Makler kann da nicht mithalten. Laut Andreas Hubert vom Immobilienverband Deutschland gilt das vor allem für schlecht ausgebildete Makler. Eine Entwicklung, die er gut findet: "Eine Wohnung zu besichtigen und dafür zwei Kaltmieten zu nehmen, das ist keine Maklerei."

Gleiche Leistung deutlich günstiger

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Die Wohnungsvermittler Angela Bellon und Florian Quast haben sich auf die neue Situation eingestellt.

Florian Quast und seine Kollegin Angela Bellon sehen das ähnlich und haben sich an die neue Situation angepasst. Pünktlich zum Start des Bestellerprinzips haben sie das Unternehmen vermietster.de gegründet. Ein klassischer Maklerdienst, aber ebenfalls deutlich günstiger. Die Provisionen sind nach Miethöhe gestaffelt und reichen von 500 bis 1.500 Euro. Dafür hat das Team eine neue Software installiert, Prozesse standardisiert und eine Assistentin eingestellt. "Wir können wesentlich schneller arbeiten als vorher. Und können dadurch den Vermietern die gleichen Leistungen anbieten wie vorher, ohne dass wir einen Qualitätsverlust erzielen", erklärt Quandt seine Geschäftsidee. Statt auf Algorithmen setzt sein Unternehmen auf Erfahrung und gute Kontakte. Bisher scheint die Strategie aufzugehen: Bereits im kommenden Frühjahr will vermietster.de in weitere Städte expandieren.

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NDR Info | 04.01.2016 | 10:41 Uhr

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