Stand: 10.12.2015 13:41 Uhr

Echte Pelzkapuzen als Imitat ausgegeben

von Ralf Schmidberger

Wo man hinschaut - etwa in der Fußgängerzone: Mann trägt sie und Frau auch, die Mäntel und Mützen mit Pelzbesatz. Doch nicht immer wissen sie, womit sie sich schmücken. Denn Kunst- und Echtpelz lassen sich nur schwer voneinander unterscheiden.

Bei lebendigem Leibe gehäutet

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Viele Verbraucher greifen aus Tierschutzgründen bewusst zum Imitat. Doch oft werden sie getäuscht.

Der Handel mit Pelzen erreicht Rekordumsätze. Nach jüngsten Zahlen der Branche wird pro Jahr von fast 90 Millionen gezüchteten Tieren das Fell abgezogen - und das teilweise bei lebendigem Leibe, wie die ARD-Filmerin Antonia Coenen erzählt, die in China Pelzfarmen gesehen hat, wo Marderhunde gehalten werden: "Natürlich wollen sie sie töten, aber die meisten sind nicht tot. Dann wird von oben nach unten das Fell abgezogen. Dann werden sie auf einen Haufen geschmissen und verenden dort."

Verbraucher werden im Unklaren gelassen

Für wenige Euro wird das Fell dann an die Kleidungshersteller geliefert und auf Mützen und Mäntel genäht. Die Kunden werden aber oft im Unklaren gelassen, dass die Verzierung an ihrem Kleidungsstück von einem Tier stammt, erzählt Ingmar Streese vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Und das, obwohl ein Hinweis gesetzlich vorgeschrieben ist: "In manchen Kleidungsstücken machen Hersteller überhaupt gar keine Angaben. Manchmal ist es falsch deklariert. Dann steht Kunstpelz im Etikett und bei Labortests wird festgestellt, es ist doch echter Pelz."

Hartmut Spiesecke vom Bekleidungsverband meint dagegen, dass zumindest deutsche Hersteller immer angeben, wenn sie echtes Tierfell verwenden: "Da es zulässig ist, Echtpelz zu verwenden, kann ich gar keinen Grund erkennen, warum einige Hersteller bei der Angabe nicht korrekt sein sollten. Denn es steht ihnen ja völlig frei echten oder Kunstpelz zu nehmen."

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Echtes Fell günstiger als Kunstpelz

Verbraucherschützer Ingmar Streese kennt einen Grund, warum manche Anbieter dennoch schummeln: "Echtpelz ist in der großen und teilweise grausamen Massenproduktion von Tieren - zum Beispiel der Marderhund in China - tatsächlich günstiger als ein guter Kunstpelz, der in Europa hergestellt wird."

Wie unterscheidet man Kunstfell von Echtpelz?

Ob ein flauschiger Puschel von einem Tier stammt oder nicht, ist für den Kunden gar nicht so leicht festzustellen. Manchmal kann man es fühlen und sehen, aber oft auch nicht. In diesem Fall hat Ingmar Streese ein paar Tipps: "Bei echtem Pelz ist unter den Haaren eine gekräuselte Unterwolle zu erkennen. Man kann auch mal reinpusten, wenn sich die Haare trotzdem bewegen, wenn man es nur ganz sanft macht, ist es sehr wahrscheinlich ein echter Pelz. Und man könnte gucken, was ist unter den Haaren. Denn Echtpelz wird zusammen mit Leder verarbeitet. Wenn man die Haare dann vorsichtig auseinanderzieht, kann man das erkennen. Wenn es sich um Stoff handelt, ist es ein künstlich gewebter Pelz. Wenn die Haare auf Leder haften, ist es Echtpelz."

Im Zweifel auf den Pelzbesatz verzichten

Ein ziemlich sicherer Test ist auch, ein Haar nehmen und es mit dem Feuerzeug anzünden. Riecht es dann nicht nach Kunststoff, sondern ähnlich wie ein verbranntes menschliches Haar, so stammt es von einem Tier. Dieser Test empfiehlt sich aber keinesfalls im Laden. Wer also kein totes Tier um den Hals haben will und Zweifel hat bzw. den Angaben von Etikett und Verkäufern nicht vertraut, sollte vielleicht lieber auf einen Pelzbesatz am Mantel verzichten.

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NDR Info | 11.12.2015 | 10:41 Uhr