Stand: 16.01.2015 11:01 Uhr  | Archiv

Giftiges Blei im Trinkwasser: Was tun?

von Britta Kunft
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Giftiges Blei in Wasserrohren ist eine Gefahr für die Gesundheit.

Längst dürfen Bleirohre nicht mehr in Wohnhäusern installiert werden.Seit mehr als einem Jahr gilt außerdem ein besonders strenger Grenzwert. Trotzdem fließt in vielen Häusern immer noch Trinkwasser durch alte Bleileitungen. Eine von Markt in Auftrag gegebene Stichprobe hat ergeben: Leitungswasser in Hamburg ist teilweise zu stark mit dem giftigen Schwermetall belastet. Von 15 Proben liegen sechs über dem Grenzwert - zum Teil sechsmal höher als erlaubt.

Warum ist Blei im Trinkwasser gefährlich?

Blei ist ein schleichendes Gift. Die täglich über das Trinkwasser aufgenommenen Mengen lagern sich in den Knochen ab. Bei einer schweren Krankheit oder einer Schwangerschaft löst sich das Schwermetall aus den Knochen und gelangt in den Organismus. Dort kann es unter anderem Nervenschäden hervorrufen.

Besonders gefährlich ist Blei für Kinder bis sechs Jahre. Schon im Mutterleib nehmen sie über die Plazenta Blei auf, das sich in den Knochen der Mutter angesammelt hat. Trinken Kinder zusätzlich mit Blei belastetes Trinkwasser, können Schäden am Gehirn und am Nervensystem die Folge sein.

Tipps: Was tun bei Blei im Trinkwasser?

  • Mineralwasser als Ersatz

    In Gebäuden mit Bleileitungen sollten Schwangere und Kleinkinder kein Leitungswasser trinken und keine Speisen essen, die mit Leitungswasser zubereitet wurden. Als Ersatz Mineralwasser verwenden, am besten mit dem Aufdruck "geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung".

  • Kein abgestandenes Wasser verwenden

    Kein Wasser verwenden, das länger als vier Stunden in der Leitung gestanden hat. Kurz ablaufen lassen, bis kühleres Wasser aus der Leitung kommt.

  • Bleifilter sind keine Dauerlösung

    Bleifilter am Wasserhahn sind nach Ansicht des niedersächsischen Landesgesundheitsamts keine sinnvolle Dauerlösung. Sie können nur für eine bestimmte Zeit Blei aus dem Wasser holen. Wenn der Filtereinsatz zu voll ist, könne er "durchbrechen" und Blei schlagartig in hoher Konzentration ans Wasser abgeben.

  • Bleirohre im ganzen Haus austauschen

    Es reicht nicht, nur die Bleirohre in der Küche auszutauschen. Auch die Leitungen im Bad müssen bei zu hohem Bleigehalt saniert werden, weil das Wasser zum Waschen und Zähneputzen ebenfalls Trinkwasserqualität haben muss.

  • Sanierung durch zugelassene Fachbetriebe

    Eine Sanierung der Bleirohre dürfen nur zugelassene Fachbetriebe vornehmen, die beim örtlichen Wasserversorger als Vertragsunternehmen eingetragen sind.

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Wie erkenne ich Wasserrohre aus Blei?

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Oft sind Beirohre dunkelgrau. Kratzt man an einer Stelle, glänzt es dort silbern.

Der Verdacht besteht bei Altbauten, die vor 1973 errichtet wurden. Zu erkennen sind Bleirohre an ihrer dunkelgrauen Farbe. Die Verbindung zu abzweigenden Leitungen sind nicht gelötet, sondern sehen aus wie aufgestülpt. Bei angestrichenen Rohren bringt ein Kratztest Gewissheit: Glänzt es nach dem Abschaben mit einem Messer oder einer Münze silbern, ist das Rohr meist aus Blei.

Wie finde ich die Bleibelastung des Wassers heraus?

Einen Wassertest führen die örtlichen Wasserversorger und private Umweltlabore durch. Das Labor stellt ein Probenfläschchen zur Verfügung. Es sollte morgens direkt nach dem Aufstehen befüllt werden, wenn das Wasser eine Nacht lang in den Rohren gestanden hat. Die erste sogenannte Z-Probe kostet rund 20 bis 25 Euro. Beim örtlichen Wasserversorger ist sie für Familien mit Kleinkind kostenlos.

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Gewissheit über den Bleigehalt gibt nur eine Wasserprobe im Labor.

Ist in der Z-Probe der Grenzwert von zehn Mikrogramm Blei pro Liter Wasser überschritten, steht eine gestaffelte Stagnationsprobe (170 – 200 Euro) an. Nach vorgeschriebenen Ablauf- und Wartezeiten werden drei Probenfläschchen befüllt und separat untersucht. Die 0-Probe ist das Wasser des örtlichen Wasserversorgers. Die S2-Probe ist das Wasser aus der Steigleitung und die S1-Probe das Wasser aus den Rohren in der Wohnung. Damit lässt sich herausfinden, wo genau ein Bleirohr sitzt.

Was muss ich tun, wenn der Bleigehalt zu hoch ist?

Seit dem 1. Dezember 2013 sind Hauseigentümer und Hausverwaltungen verpflichtet, den Bewohnern Wasser unter dem bundesweit einheitlichen Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Liter zur Verfügung zu stellen. Liegt die Wasserprobe über dem Grenzwert, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit des Vermieters. In diesem Fall sollten Mieter ihren Vermieter schriftlich auffordern, die Bleirohre zu ersetzen. Stellt sich der Vermieter stur, können Mieter das Gesundheitsamt einschalten und eine Sanierungsklage einreichen. Das Amt schreibt den Vermieter an, setzt Fristen und kann ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro verhängen.

Wer bezahlt die Sanierung?

Wie teuer die Sanierung ist, hängt von der Anzahl der verbauten Bleirohre ab und an welcher Stelle sie sich befinden. Die Kosten muss der Hausbesitzer bezahlen. Sie dürfen nicht auf die Miete umgelegt werden.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 19.01.2015 | 20:15 Uhr

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