Sendedatum: 18.11.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Autofahrer-Abzocke mit teuren Ersatzteilen

von Rainer Müller-Delin

Wenn das Auto in die Werkstatt muss, kommt oft mit der Rechnung das dicke Ende. Ein einziger neuer Scheinwerfer kostet schnell 200 Euro. Und viele Hersteller und Vertragswerkstätten kassieren mit teuren Original-Ersatzteilen ab, die es bei sogenannten freien Händlern deutlich günstiger gibt.

Auto-Ersatzteile: Bis zu 60 Prozent sparen

Immer häufiger müssen Autofahrer mit Kleinigkeiten in die Werkstatt, die man früher problemlos allein reparieren konnte. Dabei sollen sich zum Beispiel Glühlampen ohne fachmännische Hilfe austauschen lassen. So steht's in einer Richtlinie der Europäischen Union (Ergänzung 07 der Richtlinie ECE 48). Bereits seit August 2006 gilt: Kleine Reparaturen muss man allein mit Bordmitteln und der Bedienungsanleitung durchführen können. Hersteller müssen zum Beispiel die Scheinwerfertechnik so konstruieren, dass sich die Lampen ohne Spezialwerkzeug austauschen lassen. Aber sie halten sich nicht immer daran.

Hersteller erschweren einfache Reparaturen

Bei älteren Autos ist der Lampenwechsel in der Regel einfach und günstig. So dauert der Austausch einer Glühlampe bei einem Audi 100, Baujahr 1990, nur etwa drei Minuten, auch für Ungeübte. Die Lampe kostet 5,70 Euro. Bei einem Auto wie dem Renault Modus aus dem Jahr 2006 muss der Mechaniker ran. Der Lampenwechsel dauert sage und schreibe eine halbe Stunde. Kosten inklusive Lampe: 54,07 Euro. Der Grund: Beim Renault wird erst der Stoßfänger abgenommen, dann der komplette Scheinwerfer ausgebaut - ein enormer Aufwand.

Ein weiteres Beispiel: Früher konnte man eine leere Autobatterie selbst austauschen. Heute ist das eine Aufgabe für den Kfz-Spezialisten. Denn bei einigen Fahrzeugmodellen muss die Batterie erst codiert werden, damit die Bord-Elektronik sie wiedererkennt.

Kleine Defekte mit teurer Nebenwirkung

Auch wer ein hochpreisiges Auto kauft, ist vor Reparaturen nicht geschützt. Geht zum Beispiel bei einem Mercedes der A-Klasse der Luftmassemesser (ein Sensor aus dem Ansaugrohr) kaputt, muss gleich das ganze Steuergerät ausgetauscht werden. Der Luftmassemesser allein würde 200 Euro kosten, für den Komplett-Austausch des Steuergeräts verlangt die Werkstatt rund 1.150 Euro. Ähnliches Phänomen bei Mazda: Ist beim Mazda 6 die Höhenverstellung des Scheinwerfers defekt, kann der Mechaniker nicht einfach den Stellmotor für 30 Euro tauschen, sondern muss den ganzen Scheinwerfer wechseln. Preis: 700 Euro.

Warum Auto-Ersatzteile so teuer sind

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Hartmut Röhl vom Gesamtverband Autoteil-Handel fordert die freie Ersatzteilwahl für Autofahrer.

Die Hersteller haben eine Monopolstellung. Sie berufen sich auf den Designschutz, der den Nachbau von sichtbaren Originalteilen verbietet. Deshalb können sie Ersatzteile immer teurer machen. Hartmut Röhl vom Gesamtverband Autoteile-Handel fordert ein Gesetz zum Schutz der Autofahrer: "Sie müssen immer eine Wahl haben, wo sie ihr Fahrzeug mit welchen Ersatzteilen reparieren lassen."

Selbst wenn es Ersatzteile im freien Handel gibt, sind die identischen Produkte beim Vertragshändler bis zu 2,5-mal teurer. Das zeigt eine Stichprobe von Markt. Dabei müssen die günstigeren Ersatzteile nicht schlechter sein. Laut einer aktuellen ADAC-Studie bieten drei überprüfte Kotflügel für einen VW Golf VI die gleiche Qualität. Das Originalteil kostet 167 Euro, beim freien Händler 97 Euro und im Internet 59 Euro.

Gewährleistung auch für Autos ohne Original-Ersatzteile

Trotzdem nehmen viele Autofahrer lieber das teure Original. Denn viele Vertragshändler behaupten, dass die Gewährleistung mit fremden Ersatzteilen erlischt. "Das ist falsch", sagt Hartmut Röhl vom Gesamtverband Autoteile-Handel. Der Verbraucher habe auch dann einen Anspruch auf Gewährleistung, wenn das Fahrzeug in der Werkstatt mit Teilen seiner Wahl repariert werde.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 18.11.2013 | 20:15 Uhr