Stand: 01.07.2015 11:39 Uhr

Alufolie: Gefahr für die Gesundheit?

von Benjamin Cordes

Alufolie aus dem Supermarkt und vom Discounter kann Aluminium in bedenklicher Menge an darin eingewickelte und zubereitete Lebensmittel abgeben. Das hat eine Laboruntersuchung im Auftrag von Markt ergeben. Wer solche Lebensmittel verzehrt, nimmt unter Umständen eine Aluminium-Menge auf, die zum Teil weit über der Dosis liegt, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als tolerabel eingestuft wird. Untersucht wurde Alufolie des Markenherstellers Toppits sowie die Eigenmarken von Aldi und Edeka.

Alufolien im Vergleich

Lebensmittel in Alufolie gewickelt und gegart

Markt hat Lebensmittel in Alufolie eingewickelt und drei Tage lang im Kühlschrank aufbewahrt. Die Grapefruit wurde geschält, Tomate, Ananas und Apfel wurden jeweils geviertelt. Das Aufteilen der Früchte sollte ausschließen, dass unterschiedliche Werte des natürlichen Aluminiumgehalts in den Früchten das Ergebnis verfälschen. Vom Schwarzwälder Schinken und Käse wurde jeweils eine Scheibe eingewickelt. Spargel und Lachs wurden nach gängigen Rezepten in Alufolie mit Salz, Zitronenscheiben und Zitronensaft im Ofen gegart.

Höchste Menge Aluminium aus Marken-Alufolie

Bei fast allen untersuchten Lebensmitteln stellte das Labor einen erhöhten Aluminiumgehalt fest:

  • Die Ananas hat in der Alufolie von Aldi deutlich Aluminium aufgenommen - von 0,1 auf 2,9 Milligramm pro Kilogramm.
  • Die Gewürzgurken hatten mit 2,7 Milligramm Aluminium pro Kilogramm schon vor dem Einwickeln in Alufolie einen hohen Wert. In der Edeka-Alufolie war der gemessene Wert mit 13,1 Milligramm pro Kilogramm am höchsten.
  • Beim Schinken stieg der Aluminiumgehalt von 0,28 Milligramm pro Kilogramm auf fast das Hundertfache: 27,3 Milligramm pro Kilogramm in der Aldi-Alufolie, 22,1 Milligramm pro Kilogramm in der Toppits-Alufolie und 20 Milligramm pro Kilogramm in der Edeka-Alufolie. Ein möglicher Grund sei der recht hohe Salzgehalt des Schinkens, erklärt der Toxikologe Prof. Edmund Maser von der Universität Kiel.
  • Auch bei Lachs und Spargel aus dem Ofen ermittelte das Labor einen hohen Anstieg des Aluminiumgehalts, vor allem beim Spargel aus der Toppits-Alufolie mit 27 Milligramm pro Kilogramm.
  • Nur bei der Grapefruit blieb der gemessene Aluminiumgehalt konstant. Eine Erklärung dafür hat Experte Maser nicht.

Eine Erklärung für den unterschiedlich hohen Anstieg des Aluminiumgehalts liegt in der Zusammensetzung der Alufolien. Sie bestehen oft nicht ausschließlich aus Aluminium, sondern sind Legierungen aus Aluminium und anderen Bestandteilen, um etwa die Reißfestigkeit zu erhöhen.

Bundesinstitut: "Aufnahme als hoch anzusehen"

Konfrontiert mit unseren Laborergebnissen verweisen Aldi und Edeka  auf einen Leitfaden des Europarates. Das Papier sehe vor, dass 5 Milligramm pro Kilogramm Aluminium aus der Folie auf ein Kilogramm Lebensmittel übergehen dürften. In eigenen Untersuchungen sei dieser Wert "eingehalten" worden. Auf Nachfrage von Markt warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): "Bei Berücksichtigung anderer Expositionsquellen von Aluminium ist eine solche Aufnahme allein über Aluminiumfolie als hoch anzusehen."

Tolerierbare Tageshöchstdosis zum Teil überschritten

Die EFSA hat eine tolerierbare Aufnahmemenge von einem Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht pro Woche festgelegt. Daraus abgeleitet ergibt sich für einen 60 Kilogramm schweren Erwachsenen eine tolerierbare Tageshöchstdosis von 8,6 Milligramm Aluminium. Somit wäre zum Beispiel mit einem halben Kilo des untersuchten Spargels in der Edeka-Alufolie die abgeleitete tolerierbare Tageshöchstdosis bereits überschritten.

Toxikologe: Aluminium-Aufnahme minimieren

Experten wie der Toxikologe Prof. Edmund Maser von der Universität Kiel raten dazu, die Aluminium-Aufnahme zu minimieren: "Der Mensch nimmt Aluminium aus verschiedenen Quellen auf, allen voran Nahrungsmittel und Antitranspirantien." Laut Bundesinstitut für Risikobewertung stehen bei der Betrachtung des Gefährdungspotenzials von Aluminium "Wirkungen auf das Nervensystem und reproduktionstoxische Wirkungen (auf Fruchtbarkeit und ungeborenes Leben) sowie Effekte auf die Knochenentwicklung im Vordergrund".

Weitere Informationen

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Aluminium reagiert mit Salz und Säure

Alufolie sollte nicht mit Salz und Säure in Berührung kommen. Durch sie lösen sich sogenannte Aluminiumionen aus der Folie und können auf Lebensmittel übergehen. In einigen Fällen kann sich die Folie sogar auflösen. Verstärkt wird der Effekt, wenn Lebensmittel auf Edelstahlplatten aufbewahrt werden. Dann kann die Folie schon über Nacht Löcher bekommen, die mit der Zeit immer größer werden.

Kritik an "missverständlichem Warnhinweis"

Die Hersteller der untersuchten Aluminiumfolien warnen auf den Produkt-Verpackungen ausdrücklich vor der Verwendung mit salz- und säurehaltigen Lebensmitteln. Doch gleichzeitig betonen sie, dass an Lebensmittel abgegebene Aluminiumbestandteile nicht gesundheitsschädlich seien. Dazu sagt Prof. Maser: "Dieser Warnhinweis ist missverständlich und so nicht korrekt. Er sollte gestrichen werden."

Die Hersteller der untersuchten Alufolien äußerten gegenüber Markt, ihre Produkte entsprächen geltenden Verordnungen und seien nicht gesundheitsschädlich.

Hersteller nehmen Rezepte von der Internetseite

Ungeachtet der Warnhinweise auf den Produkt-Verpackungen fanden sich auf den Internetseiten aller drei Unternehmen Kochrezepte, die eine Zubereitung salz- oder säurehaltiger Lebensmittel in Alufolie vorsehen. Die Hersteller der untersuchen Alufolien haben nach der Anfrage von Markt inzwischen einen Teil der Rezepte mit Alufolie von den Internetseiten entfernt beziehungsweise überarbeitet.

Wie gefährlich sind andere Aluminiumprodukte?

  • Grillschalen aus Aluminium verhindern, dass Rauch und Ruß direkt ans Fleisch gelangen. Am besten das Fleisch nur kurz grillen und erst danach salzen und würzen, damit weder Salz noch Säure an das Aluminium gelangen.
  • Kaffeekapseln, Joghurtbecher-Deckel und Getränkedosen aus Aluminium gelten als unbedenklich. Sie sind extra beschichtet, damit das Aluminium mit den Lebensmitteln nicht in Berührung kommt.
  • Über Alufolie in Schokoladentafeln liegen der Redaktion keine Informationen vor.

Wie kann ich Alufolie vermeiden?

Wenn Sie auf Einmal-Verpackungen wie Alufolie, Backpapier oder Klarsichtfolie verzichten möchten, machen Sie es doch wie unsere Großmütter: Decken Sie Lebensmittel in Schüsseln zum Beispiel mit einem Porzellanteller ab. Halbe Zitronen, Zwiebeln oder Tomaten können Sie einfach mit der Schnittfläche auf einen Teller legen. So bleiben die Lebensmittel ebenfalls lange frisch.

Das sagen die Hersteller

  • Aldi zu den erhöhten Aluminiumwerten

    Man vermöge nicht, "zu beurteilen, inwieweit die (…) Versuchsanordnung realen Haushaltsbedingungen entspricht“ und könne daher "nicht einschätzen, wie die (…) Aluminiumwerte (…) zu bewerten sind".

  • Aldi zu Internet-Rezepten mit Alufolie

    Es sei "davon auszugehen, dass keine größeren Mengen an Aluminium an das Lebensmittel übergehen".

  • Edeka zu den erhöhten Aluminiumwerten

    Man gehe davon aus, dass "die Aluminiumfolie bei normalem oder vorhersehbarem Gebrauch als nicht gesundheitsschädlich einzustufen ist." Speisen sollten erst "am Ende des Zubereitungsvorganges (…) gesalzen und gewürzt werden".

  • Edeka zu Internet-Rezepten mit Alufolie

    Man sei "aktuell in der Überprüfung der Rezepte" und werde "ggf. bei den Zubereitungshinweisen entsprechende Anpassungen vornehmen".

  • Toppits zu den erhöhten Aluminiumwerten

    "Die Einnahme von Speisen, die in Aluminiumfolie aufbewahrt bzw. zubereitet wurden, ist nicht der tägliche Regelfall. (…) Die akute Toxizität bei Aufnahme von Aluminium über die Nahrung (wird) als gering eingestuft."

  • Toppits zu den Internet-Rezepten mit Alufolie

    "Hinsichtlich der von Ihnen angesprochen Rezepte unserer Homepage gebe ich Ihnen uneingeschränkt Recht. Wir werden betroffene Rezepte umgehend ersetzen."

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Drei Packungen Alufolie von verschiedenen Herstellern.

Alufolie: Gefahr für die Gesundheit?

Markt -

Aluminium aus Folien kann in bedenklicher Menge in Lebensmittel übergehen und beim Essen in den Körper gelangen. Das zeigt eine Laboruntersuchung von Markt.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 29.06.2015 | 20:15 Uhr