Stand: 22.12.2016 12:26 Uhr

Heilwasser und Kultur in Bad Pyrmont

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Prunkvoll: Brunnentempel über der Quelle "Hylliger Born" im Zentrum der Stadt.

Das niedersächsische Staatsbad Bad Pyrmont lebt von und mit dem Kurbetrieb: Sieben Heilquellen mit zwei unterschiedlich zusammengesetzten Wässern sprudeln dort aus dem Boden und werden für Bäder und Trinkkuren genutzt. Das 20.000-Einwohner-Städtchen im Weserbergland verzeichnet jährlich fast 700.000 Übernachtungen. Kurgästen und Urlaubern stehen sieben Fach- und Rehakliniken sowie rund 100 Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen zur Verfügung.

Eine alte Aufnahme von Heinz Erhardt.

Heinz Erhardt: Menschenfreund und Arbeitstier

Nordtour -

Heinz Erhardt hat 1971 in Bad Pyrmont seinen beliebten Spielfilm "Willi wird das Kind schon schaukeln" gedreht. Eine Ausstellung im Schloss ist dem Volksschauspieler gewidmet.

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Kurpark mit Palmengarten

Mittelpunkt und Schmuckstück der Stadt ist der Kurpark. Die 17 Hektar große Anlage gilt als einer der attraktivsten Parks Europas und erhielt bereits mehrere Auszeichnungen. Das Gelände ist eine Mischung aus streng barocken Alleen und englischem Landschaftsgarten. Die Ursprünge des Parks gehen auf das Jahr 1767 zurück, als zunächst das Netz aus Hauptallee, Springbrunnenallee, Klosterallee und Hylligen Born Allee angelegt wurde. Ab 1903 folgte der Landschaftspark.

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Blumenmeer und Palmengarten: Der Kurpark.

Wenig später entstand der für Norddeutschland ungewöhnliche Palmengarten östlich des Schlosses. Heute stehen dort rund 300 Großpalmen - die älteste ist etwa 430 Jahre alt - und viele kleinere Kübelpflanzen. Damit gilt der Garten als größte Palmensammlung Nordeuropas unter freiem Himmel. Im Winter können die Pflanzen in einem Gewächshaus besichtigt werden. Vom Frühjahr an präsentiert sich der Kurpark als Blütenmeer: Jedes Jahr setzen Gärtner auf Blumenbeeten rund 250.000 Pflanzen. Gebäude wie der Erdbeertempel, die Arkaden mit Lesesaal und Konzerthaus oder das frühere Kurhotel sorgen für historischen Charme. Parkbesucher ohne Kurkarte zahlen von April bis Oktober vier Euro Eintritt, von November bis März ist der Besuch gratis.

Museum im Schloss

Am Südrand des Kurparks steht das Schloss, umgeben von einem Wassergraben. Eine Brücke führt zu dem Renaissancebau aus dem frühen 18. Jahrhundert. Fürst Anton Ulrich zu Waldeck-Pyrmont ließ es als Sommerresidenz im Stil des barocken Klassizismus dort bauen, wo bereits seit 1526 ein Schloss gestanden hatte. In dem Gebäude zeigt heute ein Museum eine Dauerausstellung zur Stadt- und Badegeschichte. Dabei wird auch Heinz Erhardt erwähnt, der 1971 seinen letzten Film "Willi wird das Kind schon schaukeln" in Bad Pyrmont drehte. Die beiden Innenhöfe stehen für Feste, Theater- und Musikveranstaltungen zur Verfügung.

Kuren mit Kultur

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Eine Brücke führt zum Schloss, das von einem Wasergraben umgeben ist.

Bad Pyrmont, das sich auch Kulturbad nennt, legt Wert auf ein breites ganzjähriges Kulturprogramm, im Sommer stehen besondere Festivals auf dem Programm. So lädt am ersten August-Wochenende das Kleinkunst-Festival "Kleines Fest" zu Comedy, Zauberei und Artistik in den Park ein. Höhepunkt der Kursaison ist am ersten Wochenende im September der "Goldene Sonntag": Dann illuminieren 15.000 Lampions, Kerzen und Lichtschalen den Kurpark und bilden den Rahmen für Open-Air-Konzerte und ein Feuerwerk. In besondere Farben wird der Park auch bei der Licht- und Klanginszenierung "Illumina" Ende September getaucht.

Leben mit dem Wasser

Der Lauf des Lebens: Wasser und Skulpturen in der Hauptallee.

Jugendstilfasaden und klassizistische Pavillons prägen das Zentrum Bad Pyrmonts mit dem Brunnenplatz und der prunkvollen Quelle "Hylliger Born". Dort beginnt die Hauptallee, die als älteste Kurparkanlage der Welt gilt und noch heute als Flaniermeile geschätzt wird. Sie ist Teil des EXPO-Projektes "Aqua Bad Pyrmont", das Wasser in seiner ganzen Vielfalt zeigt. Unter anderem hören Spaziergänger Wasserklänge aus Lautsprechern in den Baumkronen. Im unteren Bereich der Hauptallee folgt die Wasser-Erlebnisroute: Skulpturen und fließendes Wasser, das dem natürlichen Gefälle folgt, symbolisieren das menschliche Leben von der Geburt bis ins hohe Alter. Mittelpunkt ist der Platz der vier Jahreszeiten, mit vier Pylonen als Symbole für Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Aus ihnen erklingt Kurmusik von Georg Philipp Telemann. Am Ende erreicht das Wasser das Tor des Alters. Die gesamte Inszenierung ist jedoch nur in der warmen Jahreszeit zu besichtigen.

Naturphänomen Dunsthöhle

Experiment: Eine Seifenblase macht deutlich, dass sich in der Dunsthöhle Kohlendioxid sammelt.

Ein seltenes Naturphänomen können Kurgäste in der Dunsthöhle am Helvetiushügel erleben. Auf dem Gelände eines früheren Steinbruchs strömt Kohlendioxid (CO2) aus dem Gestein. Da das Gas schwerer ist als Luft, sammelt es sich in einem Becken der Dunsthöhle. Besuchern werden in dem Pavillon Experimente gezeigt, die die unsichtbare Grenze zwischen Gas und Luft verdeutlicht: Kerzen erlöschen und Seifenblasen hüpfen auf dem Gas, das für Menschen lebensgefährlich werden kann. Therapeutisch wird das CO2 im Königin-Luise-Bad eingesetzt, um Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck oder Hautprobleme zu kurieren.

Therapie und Wellness kombiniert die moderne Hufeland Therme. Neben einem breiten Spektrum medizinischer Anwendungen bietet sie Innen- und Außenbecken mit warmer Sole sowie eine Saunalandschaft mit Garten. Damit lockt sie auch zahlreiche Tagesbesucher an, die keine Kur in Bad Pyrmont absolvieren.

Vom Fürstenbad zum Staatsbad

Die Geschichte der Quellen im Pyrmonter Tal ist lang. Germanen und Römer schätzten bereits ihre Heilkraft, wie Funde von Münzen und bronzenen Gewandnadeln, sogenannten Fibeln, belegen. Im 12. Jahrhundert tauchte im Zusammenhang mit einer Burg erstmals eine frühe Form des Namens Pyrmont auf. Aus dieser Zeit stammt auch das Ankerkreuz, das heute Wahrzeichen der Stadt ist. Mit einer kleinen Krone kombiniert ist es außerdem das Symbol des Staatsbades. Mitte des 16. Jahrhunderts verbreitete sich in Europa der gute Ruf des Pyrmonter Heilwassers und sorgte 1556 dafür, dass rund 10.000 Menschen in das Tal strömten.

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Heilende Quellen: Trinkgläser im Kurhaus.

Einen Ort gab es damals noch nicht, nur zwei kleine Dörfer. Erst gut 100 Jahre später entstand ein Brunnentempel über dem "Hylligen Born", der "heiligen" und ältesten Heilquelle der Stadt. Im 18. Jahrhundert genoss Pyrmont den Ruf eines "Fürstenbades": Adlige aus Nordeuropa trafen sich dort zur Kur, zum Politisieren oder um Heiratskandidaten zu finden. Seit dieser Zeit bewahrt der Ort seinen guten Namen als herausragender Kurort und wurde 1947 eines von vier Niedersächsischen Staatsbädern. Noch heute verwaltet das Land über eine Betriebsgesellschaft den Kurbetrieb mit Quellen, Kurpark, Hotels, Gesundheitszentrum und vielem mehr.

Ausflugsziele in der Umgebung

Bad Pyrmont liegt am südwestlichen Rand des Naturparks Weserbergland Schaumburg-Hameln, dessen hüglige Wälder gute Wandermöglichkeiten bieten. Das Weser-Städtchen Hameln ist gut 20 Kilometer entfernt, Hannover mit der S-Bahn in einer Stunde zu erreichen.

Karte: Sehenswürdigkeiten in Bad Pyrmont
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Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 25.12.2016 | 18:00 Uhr

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