Stand: 12.05.2015 16:56 Uhr

Ein Fluss wie das Land: Die Weser

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Der Anfang: Werra (unten) und Fulda vereinen sich in Hann. Münden zur Weser (oben rechts).

Wo Werra sich und Fulda küssen - beginnt die Weser. Kaum ein anderer Fluss entsteht auf so romantische Art wie die Weser im Fachwerkstädtchen Hann. Münden. Von Süd nach Nord durchzieht sie Niedersachsen auf rund 450 Kilometern. Die beiden Quellflüsse sorgen dafür, dass die Weser bereits als stattliches Gewässer startet. Diese Breite behält sie bis zur Einmündung der Aller kurz vor Bremen nahezu bei, denn die übrigen kleinen Nebenflüsse bringen nur wenig Wasser mit.

Die Weser im Sonnenschein

Die Weser

Für viele Menschen ist die Weser ihr Zuhause und gleichzeitig der Arbeitsplatz. Ob Binnenschiffer, Wildhüter oder Zeltplatzwartin - das Leben am Fluss kann sehr spannend sein.

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Traditionsreicher Transportweg

Schon vor Jahrhunderten entdecken Menschen den Wert des Flusses als Transportweg von und zur Nordsee. Viele Weserstädte wie Höxter, Hameln oder Bremen und die gesamte Region verdanken ihm ihren einstigen Wohlstand zu Zeiten der Weserrenaissance. Allerdings litt die Schifffahrt immer wieder unter den Launen der Natur. Im Winter und Frühjahr stieg der Wasserstand kräftig an, im Sommer fiel er häufig so weit, dass Kiesbänke selbst flache Boote stoppten. Immer wieder wurde und wird daher versucht, den Pegel zu regulieren und gleichmäßig zu halten. Neben Staustufen und Schleusen gehört auch ein Großprojekt weit vor dem Start der Weser zu diesen Maßnahmen: der Bau der Edertalsperre in Nordhessen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Seit 1914 sammelt sie einen gewaltigen Wasservorrat, der bei Trockenheit über Eder und Fulda in die Weser abgelassen werden kann.

Oberweser lockt Touristen an

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Beliebter Ausflug: Schiffstour im Weserbergland.

Eine Tour entlang der Weser spiegelt die landschaftliche Vielfalt Niedersachsens wider. Zunächst fließt sie durch den bergigen Süden, zwängt sich stellenweise zwischen den hoch aufragenden Felsen hindurch. Dort an der Oberweser, wie der Abschnitt bis Minden genannt wird, überwiegt heute die touristische Bedeutung des Flusses. Lastkähne haben Seltenheitswert. Fahrgastschiffe pendeln im Sommer zwischen den beschaulichen Örtchen, Kanuten und Ruderer gleiten - von der Strömung unterstützt - die Weser hinab. Kleine Fähren dienen in diesem Abschnitt als Ergänzung für die wenigen Brücken. Mit ihnen können auch Radler auf dem beliebten Weser-Radweg von Ufer zu Ufer wechseln.

Auf dem Weg zur Tiefebene

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Der Durchbruch: Bei Porta Westfalica erreicht die Weser die Norddeutsche Tiefebene.

Ab Hameln ändert sich das Landschaftsbild allmählich. Das Wesertal wird breiter, Wiesen und Felder an beiden Ufern zeigen die Bedeutung für die Landwirtschaft. Auch Dutzende Kiesteiche dokumentieren, wie das Wesertal dort seit langem wirtschaftlich genutzt wird. Teils wurden die Abbaugebiete inzwischen zu attraktiven Naherholungsgebieten umgestaltet. Die Weser sucht sich in zahllosen Windungen den günstigsten Weg und überquert bei Rinteln die Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen. Das Wesergebirge versperrt ihr den Weg nach Norden, lenkt sie zunächst in westliche Richtung. Erst bei Porta Westfalica kann sie wieder Kurs auf die Nordsee nehmen: Zwischen Wesergebirge und Wiehengebirge öffnet sich eine schmale Lücke für das Weser-Durchbruchstal.

Kreuzung mit dem Mittellandkanal

Nun hat der Fluss die Norddeutsche Tiefebene erreicht und kreuzt wenig später bei Minden den Mittellandkanal, der in einem Brückentrog über die Weser führt. Eine Schleuse verbindet beide Gewässer und die Weser gibt Wasser in die künstliche Wasserstraße ab. Die Zahl der Lastkähne nimmt jetzt auf der sogenannten Mittelweser sprunghaft zu. Sieben Staustufen sorgen dafür, dass der Wasserstand für Binnenschiffe bis zu 85 Metern Länge und fast zwölf Metern Breite stets ausreicht. Als Nebeneffekt produzieren Wasserkraftwerke in den Wehren umweltfreundlichen Strom. Der wirtschaftliche Nutzen des Flusses wird dort noch deutlicher als an der Oberweser.

Mit den Gezeiten zum Meer

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In Bremen wurde die Weser zur stattlichen Wasserstraße ausgebaut.

Südlich von Nienburg kommt die Weser nach Niedersachsen zurück und windet sich weiter nach Bremen. Der Fluss teilt die Stadt in zwei Hälften, fließt unmittelbar an der Altstadt vorbei und ändert erneut sein Profil. Ein Wehr markiert die Stelle, ab der die Weser in den Einfluss der Gezeiten gerät. Zwischen Bremen und Bremerhaven schützen fünf Meter hohe Deiche die Marschgebiete an der Unterweser vor Überflutungen. Nun steht die Schifffahrt klar im Vordergrund. Immer breiter werdend wälzt sich der Fluss in Richtung Jadebusen und mündet kurz hinter Bremerhaven mit seinen gewaltigen Hafenanlagen in die Nordsee.

Alles nur Legende?

Übrigens glaubt nicht jeder an den Kuss als Beginn der Weser. Manche vertreten die These, die Werra bekomme in Hann. Münden lediglich einen anderen - ähnlichen - Namen. Sie sehen die etwas größere Fulda nur als Zufluss an.

Karte: Markante Punkte an der Weser
Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Die Weser / 03.04.2016 / 20:15 Uhr