Worpswede und das Teufelsmoor

Worpswede liegt nördlich von Bremen im Landkreis Osterholz und ist weit über seine Grenzen hinaus als Künstlerkolonie und "Weltdorf der Kunst" bekannt. Der 54,4 Meter hohe Weyerberg und das Naturschutzgebiet Teufelsmoor prägen die reizvolle Landschaft rund um den Ort. Sie machten das einst kleine Bauerndorf weltberühmt.

Vom Bauerndorf zur Künstlerkolonie

Ausschnitt aus der Zeichnung "Sommerabend" von Heinrich Vogeler (1905). Ganz links im Bild ist Paula Modersohn-Becker zu sehen, daneben Agnes Wulff, Otto Modersohn und Clara Rilke. © picture-alliance / akg-images Detailansicht des Bildes Paula Modersohn-Becker (l.) auf der Zeichnung "Sommerabend" von Heinrich Vogeler (1905). Ende des 18. Jahrhunderts ließen sich hier - angezogen durch die beeindruckenden Farben der Landschaft, das Licht und den hohen Himmel über dem Moor - die ersten Maler nieder. Ihre Bilder hatten großen Erfolg in der Kunstszene und machten Worpswede schlagartig bekannt. Zu den bekanntesten Künstlern, die in Worpswede gelebt und gearbeitet haben, zählen Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Hans am Ende, Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler und Paula Modersohn-Becker. Noch heute zieht es zahlreiche Künstler in das schöne Dorf und so ist die Kunstszene hier sehr lebendig. Es gibt eine Reihe von Ateliers, Galerien und Werkstätten und Stipendiaten aus der ganzen Welt, die hier arbeiten. Außerdem bieten viele Künstler Kurse und Seminare in verschiedenen Kunsttechniken und Kunsthandwerken an.

Interessante Architektur und viel Grün

Das "Kaffee Worpswede", Außenansicht © NDR Fotograf: Kathrin Weber Detailansicht des Bildes Ein expressionistischer Backsteinbau, der Kunst und Geselligkeit verbinden soll: das Kaffee Worpswede. Charakteristisch für Worpswede sind die historischen Bauernhöfe, die einst den Ortskern bildeten, die schmalen Kopfsteinpflaster-Straßen, die ungewöhnliche Architektur vieler Häuser sowie die zahlreichen alten Bäume und Grünflächen. Eines der bekanntesten Gebäude ist das Kaffee Worpswede, das der Architekt Bernhard Hoetger 1925 geschaffen hat. Es besticht durch seine außergewöhnliche Architektur aus Backstein, Holz und bunten Glasfenstern und gehört zusammen mit der angrenzenden Großen Kunstschau, die ebenfalls von Hoetger stammt, zu den wichtigsten Stationen eines Besuchs. Die Große Kunstschau, ein interessanter Rundbau im expressionistischen Stil, zeigt Werke der Worpsweder Künstler der ersten Generation, zeigenössische Exponate und Sonderausstellungen. Die "Käseglocke", ein ausgefallener Bau in Igluform des Architekten Bruno Taut, entstand 1926 und war viele Jahre lang das Wohnhaus des Schriftstellers Edwin Koenemann. Heute steht es unter Denkmalschutz und kann besichtigt werden.

Barkenhoff und Haus im Schluh

Blick in das Museum im Haus im Schluh in Worpswede © NDR Fotograf: Kathrin Weber Detailansicht des Bildes Das Haus im Schluh zeigt bäuerlichen Hausrat und Teile des Nachlasses des Künstlers Heinrich Vogeler. Sehenswert sind auch der Barkenhoff, in dem der bekannte Jugendstil-Künstler Heinrich Vogeler gelebt und gearbeitet hat, und das Gehöft "Im Schluh". Der Barkenhoff, 2004 aufwendig saniert, beherbergt ein Museum des Mitbegründers der Worpsweder Künstlerkolonie Heinrich Vogeler. Es zeigt zahlreiche Werke des Malers, Grafikers und Designers und vermittelt ein umfassendes Bild seines Lebens und seiner künstlerischen Entwicklung. "Im Schluh", einem Gehöft bestehend aus drei reetgedeckten Häusern, betrieb Martha Vogeler nach der Trennung von ihrem Mann eine Pension und eine Weberei, die es beide noch heute gibt. Außerdem beherbergt der Hof ein Museum mit Teilen aus dem Nachlass Heinrich Vogelers, Gegenständen aus bäuerlichem Hausrat und Kunsthandwerk. Die schöne Lage des Gehöfts und die authentische Sammlung machen das Haus im Schluh zu einem lohnenden Ausflusgziel.

Auf Entdeckungstour im Teufelsmoor

Torfkahn im Teufelsmoor © NDR Ein Torfkahn im Teufelsmoor. Mit diesen Boooten wurde der Torf einst nach Bremen und Brake gebracht. Worpswede und das Umland lassen sich ideal mit den Rad entdecken, denn es gibt ein sehr gut ausgebautes Radwegenetz. Fünf ausgeschilderte Routen führen rund um den Weyerberg - vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten durch schöne Natur. Lohnenswert ist auch ein Ausflug ins Teufelsmoor. Da der größte Teil des Moores unter Naturschutz steht, sollten Besucher am besten an einer Führung teilnehmen. Die Biologische Station Osterholz bietet regelmäßig Erkundungstouren zu Fuß oder per Fahrrad an.

Früher wurde im Teufelsmoor Torf gestochen und es gab dort einen Hafen. Ihn nutzten die Bauern für die Torfkähne, auf denen sie ihre Ware in mehrtägigen Fahrten nach Bremen und Brake brachten. Seit mehreren Jahren gibt es die Torfkähne wieder - nach altem Vorbild gebaut, aus Holz und mit Segel. Auf ihnen können Besucher auf den Spuren der Moorbauern eine Fahrt über das Flüsschen Hamme machen.

Künstlerdorf Fischerhude

Café in einem Fachwerkhaus in Fischerhude  Fotograf: Kathrin Weber Schöne Cafés in alten Fachwerkhäusern gibt es in Fischerhude. Südöstlich von Worpswede liegt ein weiteres interessantes Ausflugsziel: Fischerhude, ein schönes, kleines Dorf mit romantischen Kopfsteinpflaster-Gassen, Fachwerkhäusern und netten Garten-Cafés und Restaurants. Auch hier leben und arbeiten traditionell viele Künstler. Hinter altem Fachwerk verbergen sich Galerien, Ateliers oder Kunstwerkstätten Der Maler Wilhelm Heinrich Rohmeyer ließ sich bereits 1904 in Fischerhude nieder. Weitere Künstler folgten. Der wohl bekannteste ist Otto Modersohn, der 1908 aus Worpswede hierher kam. Ein nach ihm benanntes Museum in einer ehemaligen Scheune am Rande des Dorfes zeigt eine wechselnde Auswahl seiner Werke.

Porträt
Ausschnitt aus einem Selbstbildnis von Paula Modersohn-Becker (1897). © picture-alliance / P.Modersohn-Becker Mus. Bremen
 

Ausnahmekünstlerin Paula Modersohn-Becker

Porträt der expressionistischen Malerin, deren künstlerisches Werk hauptsächlich in Worpswede bei Bremen entstand. mehr

Adressen

Adressen

Tourist-Information im Philine-Vogeler-Haus
Bergstraße 13
27726 Worpswede
Tel. (04792) 93 58 20
geöffnet
Mai - Oktober
Mo bis Sa 10.00-17.00 Uhr
So 10.00-13.00 Uhr
November - April
Mo bis Fr 10.00-16.00 Uhr
Wochenende 10.00-13.00 Uhr

Große Kunstschau
Lindenallee 5
27726 Worpswede
Tel. (04792) 13 02
geöffnet täglich von 10.00-18.00 Uhr

Museum Käseglocke
Lindenallee
Tel. (04792) 12 77
geöffnet Di bis So 11.00-17.00 Uhr

Barkenhoff/Heinrich-Vogeler-Museum
Ostendorfer Str.10
27726 Worpswede
Tel.(04792) 39 68
geöffnet täglich von 10.00-18.00 Uhr

Haus im Schluh
Heinrich-Vogeler-Sammlung
Im Schluh 35-37
27726 Worpswede
Tel. (04792) 522 und 95 00 61
Mo bis Fr 14.00-18.00 Uhr
Sa + So.11.00-18.00 Uhr
(1. Nov.-15. März bis 17.00 Uhr, montags geschlossen)

Links

Informationen zu Ort, Kulturangeboten und Veranstaltungen.

Link in neuem Fenster öffnen

Informationen zu Geschichte, Kultur und Künstlern des Dorfes.

Link in neuem Fenster öffnen

Die Webseite des Museums in Fischerhude informiert unter anderem über Otto Modersohns Biografie.

Link in neuem Fenster öffnen
Buchtipp
Buchcover: Doris Hansmann, Künstlerkolonie Worpswede © http://www.randomhouse.de(Prestel Verlag)
 

Künstler Kolonie Worpswede

Doris Hansmann erzählt die Geschichte Worpswedes - ein BildSchönes Buch auf NDR Kultur. mehr