Die Hanse beherrscht den Norden
Der Städtebund entwickelt sich um 1280 unter Führung der Lübecker Kaufleute. mehr
Bremen ist vor allem wegen seiner Mischung aus kulturhistorisch interessanten Architektur und modernem Großstadtleben eine Reise wert. Der Bremer Marktplatz mit seinen historischen Bauten gehört zu den schönsten Europas. Das 600 Jahre alte Rathaus wurde im 17. Jahrhundert mit einer prächtigen Fassade im Stil der Weser-Renaissance versehen. Vor dem Rathaus steht die mehr als zehn Meter hohe und über 600 Jahre alte Roland-Statue, eine Symbolfigur für städtische Freiheit und Marktrecht. Seit 2004 zählt das Ensemble von Rathaus und Roland zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Übrigens lohnt auch der unter dem Rathaus gelegene Ratskeller einen Besuch: Er ist seit Jahrhunderten eine Gaststätte und rühmt sich, die größte Weinkarte Deutschlands zu haben: Mehr als 600 Sorten und Lagen finden sich darauf - traditionell ausschließlich aus Deutschland.
Die Hansestadt blickt auf eine mehr als 1.200-jährige Geschichte zurück, die heute noch überall präsent ist. Wie ein mittelalterliches Stadtquartier ausgesehen hat, vermittelt ein Besuch in Bremens ältestem Stadtteil, dem Schnoor. Das frühere Fischer- und Handwerkerviertel mit seinen kleinen bunten Häusern hat sich zu einem lebendigen Quartier mit Kneipen, Restaurants und edlen Geschäften gewandelt. Lohnend ist ein Besuch im Geschichtenhaus: Schauspieler in historischen Kostümen spielen dort Szenen aus drei Jahrhunderten Bremer Vergangenheit nach. Es empfiehlt sich, sich vorher anzumelden, da immer nur eine begrenzte Anzahl von Besuchern durch die einzelnen Räume geführt werden kann.
Ein beliebter Ort zum Flanieren und Feiern in den vielen Lokalen und Biergärten ist auch die Schlachte am Weserufer. Nur wenige Schritte vom Marktplatz entfernt beginnt dort das maritime Bremen. Ausflugsschiffe laden zu Touren auf der Weser ein und Frachtschiffe ziehen vorbei. Obwohl die großen Containerschiffe heute in Bremerhaven festmachen, verfügt auch Bremen über stattliche Hafenanlagen.
Wer vom Marktplatz zur Schlachte bummelt, kommt durch die Böttcherstraße, die heimliche Hauptstraße Bremens. Sie bietet eine Mischung aus edler Gastronomie, kleinen Geschäften sowie Kultur und Kunst. Das Museum im Roselius-Haus stellt dort eine Sammlung niederdeutscher Wohnkultur aus und im Paula Modersohn-Becker-Museum werden zahlreiche Werke der Künstlerin gezeigt.
Eine modernes Erlebnismuseum ist das Universum Science Center Bremer. Dort werden wissenschaftliche Zusammenhänge spielerisch erklärt. So können Besucher etwa auf einem Sofa Platz nehmen und hautnah erleben, wie sich ein Erdbeben anfühlt. Oder sie begeben sich in einer Raumkapsel auf eine virtuelle Reise zur Geburt des Weltalls. Das Museum, das vor allem für Familien mit Kindern interessant ist, befindet sich etwas außerhalb des Stadtzentrums im Universitätsviertel.
Esel, Hund, Katze und Hahn sind die berühmtesten Bremer, ihre Skulptur am Marktplatz lässt sich kein Tourist entgehen.
Die bekanntesten Bremer sind die Stadtmusikanten. Die Geschichte von den altersschwachen Tieren - Esel, Hund, Katze und Hahn -, die gemeinsam nach Bremen flüchten, wurde in mehrere Sprachen übersetzt. An der Westseite des Rathauses erinnert eine Skulptur an das Märchen der Gebrüder Grimm. Von Mai bis September ist das Stück jeden Sonntag um 12 Uhr als Bühnenspiel auf dem Domhof zu sehen.
Im Oktober beginnt in Bremen die "fünfte Jahreszeit": Dann tauen selbst kühle Hanseaten auf und feiern dem Festplatz Bürgerweide ihren Freimarkt - das größte Volksfest im Norden. Den Freimarkt gibt es bereits seit den Mittelalter. 1025 bekam Bremen vom Kasier das Recht verliehen, in der Stadt einen Markt abzuhalten - ein Privileg von großer wirtschaftlicher Bedeutung, aber auch ein Anreiz für Gaukler, Wahrsager und Spielleute, in die Stadt zu kommen. Und so blickt der Bremer Freimarkt auf eine Jahrhunderte lange Tradition als Vergüngungsmeile zurück.