Das Wattenmeer: Ein einzigartiger Lebensraum

Das Wattenmeer bei Ebbe © LKN-SH/ Nationalparkverwaltung Fotograf: Martin Stock Rund alle sechs Stunden wird das Watt überflutet und fällt wieder trocken.

Bei Ebbe trocken und der Sonne ausgesetzt, bei Flut nass und salzig - so lässt sich der Lebensraum Wattenmeer kurz beschreiben. Mehrere Tausend Quadratkilometer Fläche werden rund alle sechs Stunden überflutet und fallen wieder trocken. Während der Ebbe bleiben vom Meer nur Wasserläufe, sogenannte Priele, in den weiten Watt-Ebenen übrig. Die Möglichkeit, dieses Gebiet zu Fuß zu durchwaten, hat dem Wattenmeer seinen Namen gegeben, das im Niederländischen "Waddenzee" genannt wird. Diese einmalige Landschaft erstreckt sich entlang der Nordseeküste von Den Helder in den Niederlanden bis nach Esbjerg in Dänemark. An manchen Stellen ist das Watt auch über 20 Kilometer vor der Küste zu finden. Als natürliche Wellenbrecher dienen die Inseln, die der Küste vorgelagert sind. Sie haben zur Entstehung des Wattenmeers beigetragen und bilden heute eine natürliche Barriere gegen das offene Meer.

Das Wattenmeer konnte nur entstehen, weil vor rund 10.000 Jahren die Gletscher der Weichseleiszeit abschmolzen und dadurch der Meeresspiegel langsam anstieg. Dadurch veränderte sich die Nordseeküste in den kommenden Jahrtausenden entscheidend. Das Festland wurde überschwemmt, neue Sedimente in die Region getragen. Sie lagerten sich über den damals typischen Mooren, Sümpfen und Bruchwäldern ab. An manchen Stellen riss das Meer jedoch auch Land mit sich. In dem flachabfallenden Gebiet der Nordseeküste führte dieser Wechsel von Abtragung und Ablagerung zum heutigen Wattenmeer. Bodenbohrungen haben gezeigt, dass sich das Watt in den vergangenen rund 7.000 Jahren gebildet haben muss.

Jahrhunderte des Deichbaus

Beim traditionellen Weideabtrieb im nordfriesischen Wattenmeer werden am 5.10.2003 fünf Kühe von der Hallig Nordstrandischmoor zum Festland getrieben. © dpa - Fotoreport Detailansicht des Bildes Quer durchs Wattenmeer werden Kühe beim Weideabtrieb von den Halligen zum Festland getrieben. Die Menschen entdeckten diese Region früh als Lebensraum und lebten hier zunächst vom Fischen und Jagen, bevor sie die Region auch landwirtschaftlich nutzten. Die Besiedlung hinterließ deutliche Spuren. Bereits vor 4.000 Jahren wurde zum Beispiel auf Sylt, Föhr und Amrum Landwirtschaft betrieben. In der Römerzeit begannen die Bauern zum Schutz ihrer Flächen vor Sturmfluten niedrige Erdwälle zu errichten, sogenannte Sommerdeiche. Systematisch betrieben die ansässigen Menschen erst ab dem zehnten Jahrhundert Deichbau. Damals sollte das besiedelte Land vom Einfluss des Meeres abgegrenzt werden. Diese Areale wurden in den folgenden Jahrhunderten immer wieder vergrößert. Dadurch gibt es dort heute kaum mehr Süßwassersümpfe und Moore. Doch an der Ausdehnung des Wattenmeers hat die Eindeichung der Gebiete kaum etwas verändert. Das Meer trägt Sedimente ab, führt sie mit sich und lagert sie irgendwo ab - nur an anderen Stellen.

Salzwiesen sind eine weitere Besonderheit des Wattenmeers. Sie befinden sich am Übergang des Watts zum Land und werden bei höheren Fluten überschwemmt. Aber sie unterliegen nicht den Gezeiten. Die Pflanzen, die sich hier angesiedelt haben, sind perfekt an das salzhaltige Wasser angepasst. Manche scheiden das Salz über Poren wieder aus, andere speichern es in unteren Blättern, die nach einiger Zeit absterben und abfallen.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/reise/urlaubsregionen/wattenmeer/wattenmeer16.html
Überblick
Das Holstentor in Lübeck, ein Wahrzeichen der Stadt © Tourismusamt Lübeck Fotograf: Torsten Krüger
 

Alle UNESCO-Welterbestätten im Norden

Vom Wattenmeer bis zum Harz: die zehn Stätten im Porträt. mehr

Nationalparks
Wattlandschaft in Schleswig-Holstein von oben. © LKN-SH-Nationalparkverwaltung Fotograf: Martin Stock
 

Im Takt der Gezeiten: Welterbe Wattenmeer

Eine einzigartige, geschützte Landschaft und ein beliebtes Ausflugsziel zugleich. mehr

Links

Informationen über den Lebensraum Wattenmeer und die drei deutschen Parks an der Nordseeküste.

Link in neuem Fenster öffnen

Was bedeutet Weltnaturerbe? Wo liegt das Wattenmeer? Was kann man dort tun?

Link in neuem Fenster öffnen