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Welterbe - so dürfen die Stralsunder ihre Stadt seit 2002 nennen. Damals hat die UNESCO die historischen Altstädte von Stralsund und Wismar gemeinsam in die Welterbeliste aufgenommen. Der Titel lässt auf eine spannende Stadt schließen - und genau das ist Stralsund. Wer all die liebevoll restaurierten und imposanten Gebäude sieht, fühlt sich ins 14. und 15. Jahrhundert versetzt, als Stralsund eine der mächtigsten Hansestädte war.
In dieser Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs entstanden zahlreiche Sakralbauten und Bürgerhäuser im Stil der Backsteingotik. Eine beschilderte Route "Wege zur Backsteingotik" führt Besucher zu den bedeutendsten Bauwerken. Dazu gehört auch das Rathaus mit seiner beeindruckenden Fassade.
Backsteingotik der besonderen Art: Die Fenster in der Schmuckfassade des Rathauses geben den Blick in den Himmel frei.
"Dat Strolsunner Rothus is as sine Kinner: hoch hinaus un nix dorhinner!" So urteilten angeblich die Lübecker abfällig über das Stralsunder Rathaus. Warum? Weil das Stralsunder Rathaus zum Teil aus einer Schmuckfassade besteht. Durch die prachtvollen Fenster und Rosetten im oberen Teil schaut man direkt in den Himmel - und nicht etwa in dahinterliegende Räume. Das Gebäude, das zu den schönsten Bauten der norddeutschen Backsteingotik zählt, wurde nicht von Anfang an nur als Rathaus genutzt. Im Mittelalter diente das Erdgeschoss als Einkaufszentrum der Stadt: Es war gefüllt mit kleinen Läden und fliegenden Händlern.
Seit seiner Entstehung im 13. Jahrhundert hat das Rathaus zahlreiche bauliche Veränderungen und Ergänzungen erfahren. Eine der interessantesten ist das Barockportal mit Wappenbekrönung aus dem Jahr 1743. 2011 endete eine 20-jährige Sanierung, die auch den Keller und damit die Basis des Gebäudes umfasste.
Auch aus der Schwedenzeit (1648 - 1815) sind noch sehenswerte Bauten und Denkmäler erhalten, darunter das Commandantenhus am Alten Markt, das Regierungspalais in der Badenstraße sowie mehrere barocke Adelshäuser. 812 Gebäude stehen in Stralsund insgesamt unter Denkmalschutz, die meisten davon in der Altstadt. Viele sind bereits restauriert, erste Aktivitäten gab es bereits zu DDR-Zeiten. Nach dem Mauerfall begann in den 90er-Jahren eine umfassende Sanierung, die noch andauert.
Bekannt ist Stralsund auch für seine monumentalen Kirchen. Die Kirche St. Nikolai ist die älteste der drei mittelalterlichen Pfarrkirchen und versetzt den Besucher schon beim Betreten ins Staunen - ein riesiges, kunstvoll geschnitztes Portal führt in die dreischiffige Basilika. Das Innere ist farbenprächtig bemalt und reich ausgestattet.
Backsteingotik bezeichnet einen mittelalterlichen Baustil (12. bis 16. Jh.), der typisch für die Architektur der nordischen Hansestädte im Ostseeraum vom dänischen Ribe bis ins estische Tartu ist. In Norddeutschland gibt es zahlreiche Orte wie Lübeck, Wismar oder Stralsund, deren Altstädte durch Profan- und Sakralbauten der Backsteingotik geprägt sind.
Charakteristisch für diese Gebäude ist der gebrannte rote Backstein, der zum Teil auch in Kombination mit dunkel glasierten Steinen verbaut wurde, sodass eine schöne Oberflächenstruktur entstand. Ferner kennzeichnen gemauerte Ornamente, Stufengiebel, Schaufassaden sowie Netz- und Sterngewölbe die Backsteingotik.
Da Nikolai der Schutzpatron aller Seefahrer ist, zeugen viele Kunstwerke von den Menschen, die vom Meer leben. Außerdem beherbergt St. Nikolai verschiedene Altäre, eine monumentale astronomische Uhr sowie eine Kanzel aus dem Jahr 1611. Die Marienkirche am Neuen Markt fällt besonders wegen ihrer Dimensionen ins Auge - sie ist nach der Danziger Marienkirche die größte im Hanseraum. Von ihrem 104 Meter hohen Turm haben Besucher einen tollen Blick über die Stadt und die Ostsee bis zur Insel Rügen. Zu den sehenswerten sakralen Bauten in Stralsund gehört auch die Jakobikirche, die durch reiche Ornamente und glasierte Formsteine besticht. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, ist aber inzwischen weitgehend restauriert und verfügt über einen schönen Barockaltar.