Der Sonntagsspaziergang durch Schleswig-Holstein
Neben vielen Informationen und einer Wegbeschreibung, können Sie den Spaziergang hier auch akustisch begleiten. mehr
Tönning erblühte einst in üppigem Wohlstand.
Der historische Tönninger Hafen gilt als der schönste Hafen an der Westküste. Er wurde 1613 gebaut und ist seitdem weitgehend unverändert geblieben. Wer die sogenannte Stöpe passiert, die früher den Stadtkern vor den Sturmfluten geschützt hat, dem bietet sich eine Vielzahl von Eindrücken. Direkt daneben findet der Spaziergänger einen massiven Holzpfahl. An ihm zeigt Stadtführer Peter Krüger seinen Gästen die Höchstmarken der schwersten Sturmfluten, die dort mit Messingschildern markiert sind. Auch die Häuser erzählen alle ihre Geschichten: von der Blüte der Stadt zu einer Zeit, in der die Eider noch für die Handelsschifffahrt interessant war und Tönning als Hafenstadt zu großem Wohlstand gelangte.
Damals entstanden auch viele Gebäude wie das Skipperhuus aus dem Jahre 1624 mit seinem auffälligen Turm und der alten Uhr. Dort war ganz früher eine Fischerkneipe und später unter anderem eine Lotsenschule untergebracht. Auf der gegenüber liegenden Seite erstrahlt das berühmte Tönninger Packhaus in der Vorweihnachtszeit als überdimensionaler Adventskalender. Wer in dieser stürmischen Jahreszeit einen Spaziergang bis zur Hafenspitze wagt, um sich den Wind kräftig um die Ohren wehen zu lassen, der wird sich über einen wärmenden Schluck im festlich geschmückten Packhaus freuen. Denn an jedem Adventswochenende findet hier ein heimeliger Weihnachtsmarkt statt, unter anderem mit Livemusik der "Vier swingenden Nikoläuse".
Wer im Packhaus auf einen waschechten Tönninger trifft, der kann sich die Geschichten erzählen lassen, die sich früher zwischen Dithmarschern und Eiderstedtern zugetragen haben sollen. Da sollen die einen den anderen die Frauen ausgespannt und an das andere Ufer gebracht haben. Dem folgten körperliche Auseinandersetzungen - sogar eine Kirche soll in Flammen aufgegangen sein. Seitdem die Eiderbrücke beide Seiten verbindet, hat sich das Verhältnis deutlich beruhigt. Trotzdem blicken viele Tönninger immer noch mit einem gewissen Argwohn rüber nach Dithmarschen, wenn sie an der Hafenspitze ihre Nase in den Westwind halten...