Das Stettiner Haff
Kleine Fischerorte und urwüchsige Natur bieten Erholung abseits vom Touristenrummel. mehr
Mehrmals tägllich können Usedom-Urlauber per Tragflächenboot die polnische Hafenstadt erreichen.
Die polnische Hansestadt Stettin blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Zerstörung und Wiederaufbau sind in der Metropole am Haff allgegenwärtig. Und viele historische Gebäude, die Kriegen und Bränden zum Opfer gefallen sind, wurden im 20. Jahrhundert mit viel Liebe zum Detail wiederaufgebaut. Besucher erleben Stettin heute als Großstadt, in der Geschichte vielerorts erlebbar ist. Für Usedom-Urlauber ist die Hansestadt noch näher gerückt. Seitdem ein Tragflächenboot dreimal täglich von Swinemünde durch die Kaiserfahrt Richtung Stettiner Haff jagt, ist die polnische Metropole von der Ostseeinsel in 75 Minuten erreichbar. Tagesausflüglern bleiben knapp drei Stunden um die Stadt zu erkunden, bevor das letzte Schnellboot des Tages mit einer Geschwindigkeit von rund 30 Knoten zur Rückfahrt startet. Der erste historische Ort zeigt sich bei der Annäherung noch vom Wasser aus: Die Kräne der Stettiner Werft sind weithin sichtbar. 1980, als der Kampf der Werftarbeiter und ihrer Gewerkschaft "Solidarnosc" in Stettin und Danzig begann, gingen die Bilder der Werftanlagen um die Welt. Wer mit dem privaten Segelboot nach Stettin kommt, findet in den vielen neu gebauten Marinas entlang der Oder und an den Ufern des Dammscher Sees einen Liegeplatz.
An einem Turm des Stettiner Schlosses befindet sich dieses farbenprächtige historische Uhr.
Wer die Hansestadt auf eigene Faust erkunden will und gut zu Fuß ist, kann einfach dem "roten Faden" folgen. Die rote Linie auf dem Pflaster führt auf einer Strecke von sieben Kilometern an vielen Sehenswürdigkeiten der Hansestadt vorbei. Auf der Route liegt natürlich auch das am Steilufer der Oder gelegenen Schloss der pommerschen Herzöge. Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Renaissance-Schloss wurde - wie der überwiegende Teil der Stettiner Altstadt - während des Zweiten Weltkrieges zerstört. Bis 1980 wurde das Schloss originalgetreu rekonstruiert. Heute ist die eindrucksvolle Anlage nicht nur Museum, sondern dient auch als Veranstaltungsort für Opern, Konzerte und Theateraufführungen.
Touristisches Aushängeschild Stettins ist neben dem Schloss die Hakenterrasse. Anfang des 20. Jahrhunderts unter dem Stettiner Bürgermeister Haken errichtet ist die rund 500 Meter lange Anlage insbesondere in den Sommermonaten ein Treffpunkt für Touristen und Einheimische. Den Mittelpunkt bietet das Museum, das in Einheit mit einer barocken Treppenanlage errichtet wurde und heute das Schifffahrtsmuseum beherbergt. Daneben finden sich etliche schmuckvolle Aussichtspavillons, weite Rasenflächen und breite Rampen. Nördlich befindet sich das im Stile niederdeutscher Renaissance errichtete Regierungsgebäude mit einem reich verzierten, 72 Meter hohen Turm.
Die älteste Kirche der Stadt ist die Peter-und-Paul-Kirche. Zunächst als schlichte Holzkirche errichtet, hat der Sakralbau eine bewegte Geschichte hinter sich. Das ursprüngliche Gebäude wurde erst durch eine gotische Steinkirche ersetzt und im 15. Jahrhundert schließlich zu einer Hallenkirche ausgebaut. Ein Jahrhundert später erhielt die Peter-und-Paul-Kirche einen Turm, der jedoch zu schwach war, die 650 Kilogramm schwere Glocke zu tragen. Die Glocke wurde schließlich verkauft. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche im Stile der Neogotik umgebaut. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Peter-und-Paul nur leicht beschädigt. Allerdings gingen Teile der wertvollen Einrichtung verloren.
Die Jakobikirche, die zweite der beiden erhaltenen alten Kirchen, ist heute Sitz des Stettiner Bischofs. Wie Peter-und-Paul wurde auch die Jakobikirche immer wieder umgebaut und erweitert. Zudem wurde das Gotteshaus während der Belagerung der Stadt 1677 schwer beschädigt. In direkter Nachbarschaft der Jakobikirche befindet sich der Roßmarkt. Ein Teil der angrenzenden Gebäude, zeigt die ehemalige Bedeutung des Platzes als Handelszentrum der Hansestadt. Im 15. Jahrhundert boten an dieser Stelle Handwerker, Krämer und Bauern ihre Erzeugnisse an. Zudem fand hier ein großer Jahrmarkt statt. Zu den herausragendsten noch erhaltenen Gebäuden am Roßmarkt zählt das Palais des Kanzlers Philipp Otto von Grumkow, das hier zwischen 1712 und 1724 unter der Federführung von Pierre von Montarques errichtet wurde.
Wie die Jakobikirche und das Schloss wurden viele im Krieg zerstörte oder beschädigte Gebäude in Stettin im Laufe des 20. Jahrhunderts mit viel Liebe zum Detail wiederhergestellt. Ein besonderes Beispiel dafür ist auch das alte Rathaus Stettins und die umliegenden Gassen. Das Rathaus brannte 1944 aus und wurde erst in den 70er Jahren des vergangene Jahrhunderts restauriert. Mit seiner stilisierten barocken Front und dem barocken Südgiebel dürfte es heute in etwa so aussehen wie vor 600 Jahren. Die benachbarten Häuser waren während des Zweiten Weltkrieges vollständig zerstört worden. Anstelle moderner Bauten entschloss sich die Stadtführung, die umliegenden Häuser ähnlich anzulegen wie in vergangenen Zeiten, so dass Besucher heute wie damals durch die engen Gassen schlendern können.