Große Ferien in Block V - Prora lebt

von Nicole Buchmann, NDR.de

Zwei Jugendliche unterhalten sich. © NDR Fotograf: Nicole Buchmann Detailansicht des Bildes Luise Ciesla und Niklas Reemann genießen vor allem die Ruhe in Prora. Trubel, sagen die Berliner, hätten sie zu Hause genug. Den Koloss von Rügen nennen sie ihn. Größenwahn. Unverwüstlich. Für die ehemalige "Kraft-durch-Freude"-Anlage in Prora auf Rügen gibt es viele Worte. Das neue klingt ungewohnt freundlich: Jugendherberge. Seit Anfang Juli übernachten Gäste in Block V. 400 Betten sind gemacht für Familien, Jugendliche und Einzelreisende. In Block V - 150 Meter lang, fünf Etagen hoch, Fenster und Türen angeordnet in militärischer Symmetrie.

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Häuser der nie fertiggstellten KdF-Erholungsanlage in Prora auf Rügen  Fotograf: Klaus Grabowski
 

Der "Koloss von Rügen"

Als "Seebad der 20.000" hatten die Nazis die 4,5 Kilometer lange Anlage in Prora auf der Insel Rügen geplant. Heute sind Teile des Gebäudekomplexes einsturzgefährdet. mehr

Was zählt, ist Ruhe

Kurz nach 10 Uhr am Morgen aber sind die langen Flure verwaist, ist der Speisesaal leer. Es ist Sommer an der Ostsee. Tageweise. Wenigstens. Vor der breiten Treppe hinauf zum Haupteingang wartet eine Gruppe Jugendlicher. Ein Mathematik-Leistungskurs aus Berlin. Bunte Badetücher um Hälse und Hüften geworfen. Die Gymnasiasten wollen lesen, abhängen und entspannen am Strand. Trubel, sagt Luise Ciesla, den habe sie genug in Berlin. Einfach mal erholen - dafür brauche sie keinen Club, keine Disco - nur das Meer. Und die Ruhe.

Geschichte schimmert durch die Decke

Die 18-Jährige hat sich beim Frühstück den Bauch vollgeschlagen. "Ein tolles Buffet - gesund und eine Riesenauswahl", sagt sie. Im Sechs-Bett-Zimmer der Mädchen ist auch Urlaub. T-Shirts, Handtücher und Rucksäcke liegen auf den Matratzen der Etagenbetten. Wasserflaschen und Kekse haben einen Fensterplatz. Von dort fällt der Blick auf die Ostsee - aus jedem einzelnen der Herbergszimmer. Luises Kurskamerad Niklas Reemann zeigt nach oben an die Betondecke. Dort schimmert die historische Verschalung durch den weißen Anstrich. "Toll, dass man noch sehen kann, dass es sich um ein altes Gebäude handelt", sagt der 19-Jährige. Und dass aus einem solchen Haus etwas für Jugendliche entstanden sei.

Prora - eine Vision

Das Deutsche Jugendherbergswerk hat sich für dieses Haus einen Visionär geholt. Einen, der nicht lange fackelt, wenn es darum geht, Probleme zu lösen. Und davon gab es viele beim Wandel von jahrzehntelanger Leere hin zu einem belebten Gästehaus. Der Mann für Prora heißt Dennis Brosseit. Er sitzt in seinem Büro unmittelbar neben der Rezeption. Bis auf einen Stuhl, den Schreibtisch und zwei Regale findet sich dort wenig. Ein E-Piano steht an der Wand direkt neben der Tür. Ablenkung - wenn's mal rund gehe, sagt der 36-Jährige.

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Gebäudereihe des Koloss von Prora  Fotograf: Bildagentur Huber/Lubenow
 
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Nur Teile der NS-Ferienanlage können heute noch genutzt werden.

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KdF-Heim in Prora auf Rügen. Zu DDR-Zeiten dienten Teile des Gebäudes als Kaserne der Nationalen Volksarmee (NVA). © ZB - Fotoreport
 
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