Alle UNESCO-Welterbestätten im Norden
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Vom Wasser aus ist der Blick auf die berühmten Kreidefelsen - hier zwischen Sassnitz und Stubbenkammer - am schönsten.
Weiße Klippen, dichte Rotbuchenwälder und frische Meeresluft - Rügen, die größte Insel Deutschlands, hat schon herausragende Künstler wie Caspar David Friedrich begeistert. Mit etwa 70.000 Einwohnern auf einer Fläche von 976 Quadratkilometer zählt die Region zu den eher dünn besiedelten ländlichen Räumen.
Auf der Halbinsel Jasmund mit dem kleinsten Nationalpark Deutschlands steht das Wahrzeichen der Insel Rügen: der 118 Meter hohe Königsstuhl. Er ist der berühmteste Kreidefelsvorsprung der Stubbenkammer, wie die höchstgelegenen Kreidefelsen auf Rügen genannt werden. Die naturnahen Buchenwälder des Nationalparks Jasmund gehören seit Ende Juni 2011 zum Weltnaturerbe. Die UNESCO zeichnete sie gemeinsam mit fünf anderen Waldgebieten in Deutschland aus, darunter einem Wald bei Serrahn im Nationalpark Müritz.
Die Buche ist prägend für den Nationalpark Jasmund. Auf dem kreidigen Untergrund wächst diese Baumart hier besonders gut. Gleich neben dem berühmten Kreidefelsen befindet sich das Nationalparkzentrum Königsstuhl. Eine 2.000 Quadratmeter große Ausstellung enthüllt bei einer Zeitreise viele Naturgeheimnisse. Dazu dienen zahlreiche Exponate zum Anfassen und Ausprobieren. Im sogenannten Spiegelwald läuft man durch die Nachbildung eines Buchenwalds mit Vogelexponaten und den dazugehörigen Vogelstimmen. Beklemmend aber auch beeindruckend sind die detailgetreuen Nachbauten zum Thema "Unter der Erde". Es riecht nach frischem Boden, echte Mäuse leben hier und wer mag, kann in einen Dachsbau kriechen.
Im Nordosten der Halbinsel Jasmund erstreckt sich auf rund fünfzehn Kilometer Länge die Kreidefelsenküste. Die Felsen sind vor mehr als 50 Millionen Jahren aus kalkhaltigen Schalen, Skeletten und Panzern von Kleinlebewesen entstanden. Der Reinheitsgehalt der Jasmunder Kreide ist besonders hoch. Wer von Sassnitz aus die Kreidefelsenküste bis zum rund elf Kilometer entfernten Königsstuhl erkunden möchte, spaziert auf dem Hochuferweg oberhalb der Abhänge. Wer nicht zu Fuss gehen möchte, kann in Sassnitz oder Hagen (Ortsteil von Lohme) den Bus nehmen. Eine Fahrt mit dem eigenen Auto in den Nationalpark ist nicht erlaubt. Der Besuch des rund 200 Quadratmeter großen Plateaus des Königsstuhls ist kostenpflichtig. Den besten Blick auf den weißen Felsvorsprung haben Urlauber von der südlich gelegenen Victoria-Sicht oder von einem Ausflugsschiff. Bereits im 16. Jahrhundert wurde der Name "Konigsstuel" in einem Reisebericht des Pfarrherren Rhenan gebraucht. Einer Sage nach wurde derjenige zum König gewählt, dem es gelang, den Kreidefelsen von der Seeseite aus zu erklimmen und sich auf den oben aufgestellten Stuhl zu setzen.
Auch am Abend reizvoll: der Hafen von Sassnitz.
Der Stadthafen des kleinen Ostseebads Sassnitz auf der Halbinsel Jasmund ist ein Anziehungspunkt für viele Besucher. Er liegt direkt vor der Steilküste. Von hier aus starten Kutter und Ausflugsschiffe zur Kreideküste und zum Kap Arkona. Auch Fahrten zu den Ostseebädern Binz, Sellin und Göhren werden angeboten. Neben dem Hafen ist die Altstadt sehenswert. Viele verwinkelte Gassen und die Bäderarchitektur erinnern an Zeiten um 1850, als Sassnitz noch das bekannteste Seebad auf Rügen war.
Das Schloss Spyker gehört zu den beliebtesten Fotomotiven auf der Halbinsel Jasmund. Im 14. Jahrhundert war es im Besitz einer Stralsunder Patrizierfamilie. 1649 ging der Sitz als Geschenk der Königin Christine von Schweden an den Generalfeldmarschall Karl-Gustav von Wrangel als Dank für seine Verdienste im Dreißigjährigen Krieg über. Er baute die Burg zum heutigen Schloss um und versah es mit dem für Rügen untypischen roten Putz. Seit 1990 wird die Anlage als Hotel genutzt.
In dem kleinen Ort Bobbin nahe dem Schloss Spyker reisen Touristen mehr als 400 Millionen Jahre zurück in die Vergangenheit. Lebensecht aussehende Saurier bevölkern den etwa zehn Hektar großen Park. Die Reise führt durch das Karbon bis zum Untergang der Dinosaurier vor rund 65 Millionen Jahren. Zu den 106 ausgestellten Tiermodellen zählen unter anderem ein Tyrannosaurus Rex, der Ichtyostega (eines der ersten Tiere an Land), ein 27 Meter langer Diplodocus und ein fleischfressender Allosaurus. Ausgestorbene Säugetiere wie der Säbelzahntiger und ein Mammut ergänzen die Ausstellung.