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Wer zum ersten Mal nach Binz kommt, fühlt sich in eine fremde, beinahe unwirkliche Welt versetzt: Fast zerbrechlich wirkende, strahlend weiße Holzhäuser mit verzierten Balkonen, Veranden und Erkern stehen dicht an dicht. Eine Kunstwelt, wie es sie wohl nur hier an der Ostseeküste auf der Insel Rügen geben kann.
Typisch für die Villen in Binz sind die verspielte Jugendstilelemente, Schnitzwerk und Balkone aus Holz oder Metall.
Als größtes Seebad der Insel ist Binz schon lange kein Geheimtipp mehr: Im Sommer quälen sich die Autos der Touristen aus Deutschland, Polen oder Dänemark durch die zuweilen engen Straßen. Ins Auge springen Cafés, Restaurants und Mode-Boutiquen. Am fast sechs Kilometer langen Sandstrand vergnügen sich Familien mit Ball- und Wasserspielen, während ihnen die anderen auf der parallel verlaufenden drei Kilometer langen Strandpromenade flanierend dabei zuschauen. Von hier führt eine Seebrücke direkt ins Meer und bietet einen beeindruckenden Rundum-Blick auf das imposante Kurhaus und die malerische Bucht "Prorer Wiek".
Die Villa Haiderose (links) gehört zu den beeindruckendsten Bauten in Binz.
Über Mundpropaganda wurde Binz im ausgehenden 19. Jahrhundert bekannt. Das Baden im Meer erfreute sich zunehmender Beliebtheit. So wurde kräftig Hand angelegt und schon bald wurde aus dem ehemaligen Dorf ein offizieller Badeort. Neue Verbindungsstraßen- und schienen lockten immer mehr Besucher hierher, die Promenade wurde errichtet und neben dem Kurhaus zahlreiche weitere Villen. Die von zahlungskräftigen deutschen Bankiers beauftragten Architekten bedienten sich fast willkürlich der unterschiedlichsten Stile aus verschiedenen Zeitepochen. Man nahm sich einfach, was gefiel. So entstand die sogenannte Bäderarchitektur. In vielen der prachtvollen Häuser sind inzwischen Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen untergebracht.
Die Seebrücke bietet einen imposanten Blick auf die Kurpromenade.
Aber auch dieses strahlend-weiße, vielleicht etwas protzig geratene Idyll auf der größten Insel Deutschlands hat in seiner Geschichte schwarze Flecken: Ein Feuer vernichtete das Kurhaus im Jahr 1906. Nur ein Jahr zuvor hatte ein Sturm die Seebrücke zerstört. Die wiederaufgebaute Brücke wurde 17 Menschen zum Verhängnis. Einige Brückenpfeiler stürzten im Jahr 1912 ein und rissen die Menschen in den Tod. Die Erfahrungen aus dieser Katastrophe führten schließlich zur Einführung der DLRG. Später zu DDR-Zeiten wurden zahllose Villenbesitzer im Rahmen der "Aktion Rose" vertrieben und enteignet. Nach der Wende erhielten sie ihr Eigentum zurück.
Die Insel Rügen lädt zu Wanderungen durch eine malerische Landschaft ein.
Die schönste Jahreszeit für einen Besuch von Binz ist vielleicht der Herbst. Nach dem Ende der Hauptsaison offenbart die weiße Perle der Ostsee ihre eigentümliche Schönheit am besten. Und auf Wanderungen in der Nähe geben die knall-orangen leuchtenden Beeren des Sanddorns der steil abfallenden Küste einen ganz besonderen Reiz.