WETTER
NDR Verkehrsstudio
Blick von einer Autobahnbrücke auf den fließenden Verkehr © picture-alliance/ dpa / Ronald Wittek Fotograf: Ronald Wittek
 

Verkehrsmeldungen für Niedersachsen

Staus, Baustellen, Gefahrenhinweise - die aktuelle Verkehrslage mehr

 

Ostfriesland - Weite zwischen Watt und Moor

von Sven Glagow

Von Rhauderfehn bis zu den niedersächsischen Nordseeinseln reicht die nordwestlichste Region Deutschlands. Wattenmeer, Windmühlen und Wallhecken sind typische Kennzeichen Ostfrieslands und locken jedes Jahr zahlreiche Besucher in diesen äußersten Winkel Niedersachsens. Die dünn besiedelte Landschaft ist an der Küste geprägt vom fruchtbaren  Marschland. Häufig geht das Watt dort in Salzwiesen über. Weiter im Landesinneren findet sich eine Moorlandschaft, die von kargen Geestrücken durchzogen wird. Dem Besucher hat Ostfriesland mehr zu bieten als plattes Land und weite Blicke. Burgen, Schlösser und Kirchen zeugen von einer langen Kulturgeschichte und laden zu ausgedehnten Entdeckungstouren ein.

"Eala frya Fresena"

Die Beningaburg in Dornum © NDR Die Beninga-Burg in Dornum: Hier residierten einst die Ostfriesenhäuptlinge. Ihre Freiheit mussten sich die Friesen im Lauf der Jahrhunderte hart erkämpfen. Die Angriffe der Normannen haben sie ebenso abgewehrt wie die Begehrlichkeiten sächsischer und westfälischer Grafen. "Eala frya Fresena" hieß der spätmittelalterliche Gruß in Friesland - "Seid gegrüßt, freie Friesen", und so ist es auch heute noch im Wappen Ostfrieslands zu lesen. Von den harten Kämpfen um die Freiheit zeugen die zahlreichen Befestigungsanlagen der Region. Eine von ihnen ist die Beningaburg in Dornum. Wo noch vor 500 Jahren Ostfriesenhäuptlinge residierten, gastieren heute Hotelgäste. Die Beningaburg ist nicht das einzige historische Bauwerk in Dornum. Wahrzeichen des Ortes ist das Wasserschloss, ein ehemals hochherrschaftliches Feriendomizil, das ausschließlich für repräsentative Zwecke errichtet wurde. Heute ist hier die Dornumer Realschule untergebracht. Auch die barocke Kirche ist einen Besuch wert. Besonders beachtlich ist die Orgel mit ihren mehr als 1.700 Pfeifen. Sie wurde von einem Schüler Arp Schnitgers - dem berühmtesten Orgelbauer Norddeutschlands - gebaut.

Die meisten Orgeln der Welt

Tastatur der Schnitger-Orgel in der Weener Kirche © NDR Tastatur der Schnitger-Orgel in der Weener Kirche. Wer noch mehr über die Vielzahl ostfriesischer Kirchenorgeln erfahren möchte, sollte einen Abstecher nach Weener unternehmen. In der Weener Kirche gibt es eine original Schnitger-Oregl. Die Geschichte und Funktionsweise der Kircheninstrumente erklärt das Organeum in Weener, das halb Museum, halb Bildungseinrichtung ist. Immerhin gilt Ostfriesland als orgelreichste Gegend der Welt. 150 wertvolle Instrumente verteilen sich auf die Kirchen der Region. Neben zahlreichen Orgeln gibt es im Organeum aber auch etliche andere Instrumente zu sehen. Ein Dutzend Tasteninstrumente aus sieben Jahrhunderten sind hier zusammengetragen, darunter zum Beispiel auch ein wertvolles Cembalo aus dem Jahr 1741. Seine Heimat hat das Organeum in einer prächtigen Villa aus dem späten 19. Jahrhundert gefunden - nur 75 Meter von der Weener Kirche entfernt.

Die schiefen Türme von Ostfriesland

Der schiefe Kirchturm in Suurhusen (Landkreis Aurich). © dpa Detailansicht des Bildes In Suurhusen steht der schiefste Turm der Welt. Weniger durch ihre Orgel, sondern vor allem durch ihren Glockenturm ist die Kirche von Suurhusen weit über die Grenzen Ostfrieslands hinaus bekannt. Denn mit 2,34 Metern Überhang bei einer Höhe von 27,37 Metern gilt er als schiefster Turm der Welt, bestätigt vom Guinness-Buch der Rekorde. Besonders aus östlicher Richtung ist die Neigung deutlich sichtbar. Der Suurhusener Glockenturm ist aber nicht der einzige schiefe Turm der Region. Auch der 800 Jahre alte Kirchturm in Midlum ist rekordverdächtig schief. Immerhin muss er durch einen großen, gemauerten Backsteinkeil gestützt werden. Und auch in Groothusen verhindert ein Keil, dass der Kirchturm umstürzt. In Uttum war es dafür zu spät. Um den Reichtum der Häuptlinge zu zeigen, wurde an die Kirche aus der Mitte des 13. Jahrhunderts im 16. Jahrhundert ein mächtiger Turm angebaut. Ein Sturm zerstörte 1930 den oberen Teil des Turmes, der daraufhin gestutzt wurde.

Unter einem Dach

Vorderhaus eines Gulfhofes in Ostfriesland © NDR Vorderhaus eines typischen ostfriesischen Gulfhofes. Genau wie die mächtigen Backsteinkirchen sind auch die großen Gulfhöfe typisch für Ostfriesland. Seit dem 16. Jahrhundert wurden in der ganzen Region die Häuser mit den großen Dachflächen gebaut. Nachdem es gelungen war, die Marschen zu entwässern und für den Getreideanbau zu nutzen, brauchten die Bauern Räumlichkeiten, um die Ernte zu lagern. Im typischen Gulfhaus sind das Vorderhaus mit dem Wohnbereich sowie der Stall und Scheunenbereich unter einem großen Dach angelegt. Im Zentrum des Scheunentraktes liegt zwischen den vier Ständern des Hauses der quadratische Gulf. Dort wurden in der Vergangenheit Ernte, Heu und landwirtschaftliche Gerätschaften gelagert. Noch immer werden in Ostfriesland zahlreiche Gulfhöfe bewirtschaftet, andere wurden zu Hotels oder großzügigen Wohnhäusern umgebaut. Viele Gulfhäuser stehen heute unter Denkmalschutz. Bei einem gemütlichen Spaziergang durch ein traditionelles Warftendorf lassen sich die schönen Fronten der großen Häuser in Ruhe betrachten.

Das Wattenmeer: Ein einzigartiger Lebensraum

Kutter im Watt © NDR Leben im Watt: Zweimal am Tag fällt der Meeresboden trocken. Von Den Helder in den Niederlanden bis Esbjerg in Dänemark reicht das Wattenmeer der Nordsee und ist damit die größte zusammenhängende Wattenlandschaft der Welt. Mittendrin liegt das Niedersächsische Wattenmeer mit den Ostfriesischen Inseln. Im Wechsel der Gezeiten zieht sich zweimal am Tag das Wasser zurück, so dass der Meeresboden trocken fällt. Dabei offenbart sich ein einzigartiger Lebensraum, der außerordentlich reich an Lebewesen ist. Die meisten von ihnen, wie Wattwürmer, Krebse oder Schnecken, leben im Boden und bieten je nach Wasserstand ein reiches Angebot für Vögel und Plattfische. Auch zahlreiche Pflanzen gedeihen im Watt. Allein 250 Arten wachsen ausschließlich hier. Kundige Wattführer begleiten Besucher sicher über das Watt und verraten dabei eine Menge über den einzigartigen Lebensraum und seine Bewohner. Als Nationalpark und UNESCO-Welterbe steht das Wattenmeer unter einem besonderen Schutz.

Land für Radfahrer und Spaziergänger

Radfahrer auf einem Deich in Ostfriesland © NDR Detailansicht des Bildes Mit dem Rad lässt sich Ostfriesland besonders gut erkunden. Der weite Blick, den das platte Land im Nordwesten zu bieten hat, lädt zum ausgedehnten Naturgenuss ein. Ob mit dem Fahrrad oder zu Fuß - die weite Ostfrieslands lässt sich besonders gut auf die langsame Art erfahren. Einige Fernradwege wie die Internationale Dollartroute, die Deutsche Fehnroute oder der Nordseeküsten-Radweg führen durch Ostfriesland. Darüber hinaus gibt es zahlreiche ausgeschilderte Routen, die sich für Tages- oder Mehrtagestouren anbieten. Noch gemächlicher lassen sich die weite Landschaft und die typischen, auf künstlichen Hügeln errichteten Warftendörfer bei ausgedehnten Spaziergängen erleben. Wer dabei noch einen typischen Friesensport kennenlernen möchte, kann sein Geschick beim Boßeln versuchen. Dabei wird eine etwa handgroße Holz- oder Gummikugel die Straße entlang geworfen. Die Mannschaften, die gegeneinander antreten, legen bei Wettkämpfen bis zu zehn Kilometer zurück.

Kulinarisches Ostfriesland

Snirrtjebraa, Smoortaal und natürlich kräftiger Schwarztee sind einige der typischen Köstlichkeiten aus Ostfriesland. Die Ostfriesenmischung besteht meist aus mehr als zehn unterschiedlichen Teesorten. Kräftige Assams sorgen für den würzigen Geschmack. Echter Ostfriesentee wird sehr stark gekocht und meist mit Milch oder Sahne und Kluntjes (Kandiszucker) genossen. Snirrtjebraa ist ein frischer Schweinebraten, der - in kleine Stücke geschnitten - kurz angebraten und dann zum Beispiel mit Zwiebeln, Wacholder, Lorbeer und Nelken geschmort wird. Eine andere Spezialität stammt aus dem Ammerland: der Smoortaal - ein Räucheraal, der früher aus dem Zwischenahner Meer stammte und nach traditioneller Art mit den Fingern gegessen wird. Dazu wird der "Löffeltrunk" gereicht. Dieser Schnaps wird begleitet von Trinksprüchen aus einem Löffel getrunken. Seine erste Erwähnung findet der Smoortaal im Jahre 1108, als das Kloster Iburg regelmäßig mit der Spezialität beliefert wurden.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/reise/urlaubsregionen/ostfriesland/ostfriesland2.html
Videos
Strandkorb mit Umziehkabine auf einer Düne der Insel Borkum. © NDR Fotograf: Schulte
 
Video

Land im Gezeitenstrom

NDR Fernsehen

Westlich der Jade erstreckt sich Ostfriesland bis hin zur niederländischen Grenze - eine einzigartige Region.

Video starten (58:58 min)
Natur
Wattlandschaft in Schleswig-Holstein von oben. © LKN-SH-Nationalparkverwaltung Fotograf: Martin Stock
 

Im Takt der Gezeiten: Welterbe Wattenmeer

Eine einzigartige, geschützte Landschaft und ein beliebtes Ausflugsziel zugleich. mehr

Ausflugstipp
Strandkörbe auf der Insel Norderney. © Jörn Rollfinke
 

Ostfriesische Inseln - die sieben Schönheiten

Weite, eine frische Brise und herrliche Strände machen den Reiz der Inseln aus. mehr

Radtouren
Fachwerkäuser säumen den alten Hafen von Stade. © picture-alliance / Bildagentur Huber
 

Nordseeküsten-Radweg: Niedersachsen und Abstecher nach Hamburg

553 Kilometer schlängelt sich der Nordseeküsten-Radweg durch Niedersachsen - von Nieuweschans bis nach Hamburg. mehr