Zurück in der Nordsee: Die Heuler sind los
Zum ersten Mal in diesem Jahr hat die Seehundstation in Norddeich Jungtiere in die Freiheit entlassen. Sechs Seehunde wurden am Strand der Insel Juist ausgewildert. mehr
In der Betreuungsstation werden jährlich zwischen 30 und 80 verwaiste Seehunde, aber auch Kegelrobben aufgezogen.
Jedes Jahr ab Juni füllt sich die Seehundstation in Norddeich mit dutzenden Heulern. Viele der jungen Seehunde haben in freier Wildbahn den Anschluss an ihre Mutter verloren. Oft ist dafür der Mensch verantwortlich: Sportboote, die zu schnell und zu nah an die Seehundbänke heranfahren, nicht geführte Wattwanderungen oder besorgte Tierfreunde, die voreilig vermeintlich mutterlose Seehunde von den Sandbänken "retten", reißen die Seehund-Familien auseinander. Natürliche Katastrophen für einen jungen Seehund sind zum Beispiel der Tod der Mutter, starke Stürme und heftige Sommergewitter.
Durch solche äußerlichen Einflüsse verwaiste Heuler sind dringend auf die Hilfe des Menschen angewiesen. In Norddeich werden die Jungen dann im Schnitt neun bis zehn Wochen sorgsam aufgepäppelt, bis sie genug Fett und Muskulatur angesetzt haben, um in die Freiheit entlassen zu werden.
In der Station werden die Seehunde aufgepäppelt und fühlen sich im Becken sichtlich wohl.
1971 begann die Arbeit mit einer kleinen Station am Schwanenteich. Sie ist - neben der Einrichtung in Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen - die einzige offizielle Aufnahmestation an der deutschen Nordseeküste. Jährlich besuchen rund 200.000 Menschen die Seehundstation in Norddeich. Die Seehundbabys bekommen anfangs täglich rund ein halbes Dutzend Mahlzeiten in Form einer Spezialmilch. Nach einer Woche wird die Nahrung nach und nach auf Fisch umgestellt, bis ein Jungtier täglich 2,5 bis drei Kilogramm Hering erhält. Bei den zweimal täglich stattfindenden Fütterungen informieren die Tierpfleger die Besucher über die Heuler der Station. Da die Tiere wieder ausgewildert werden sollen, ist es wichtig, dass sie sich nicht zu stark an Menschen gewöhnen. Deshalb dürfen nur die Pfleger in die Außenanlage. Manchmal befinden sich in den Schau- und Aufzuchtbecken auch Kegelrobben unter den tierischen Gästen. Zu den Aufgaben der Station gehört neben der Aufzucht und Auswilderung der Tiere auch die Kontrolle der Seehundbestände im gesamten niedersächsischen Wattenmeer. Darüber hinaus sammeln die Mitarbeiter der Station wichtige Informationen zur Seehundforschung.
Weitere Einblicke in die Meereswelten bietet das der Station angegliederte Waloseum. Zu sehen ist unter anderem das 15 Meter lange Skelett eines vor der Insel Norderney verendeten Pottwals, das an Stahltrossen befestigt in einem Ausstellungsraum schwebt. Die Entwicklungsgeschichte der Wale wird anhand einer Evolutionslinie vom Dinosaurier bis in die Gegenwart veranschaulicht.
Im Waloseum geht aber nicht nur um Wale: Bereits in der Eingangshalle des Museums erwartet die Besucher ein Modell des niedersächsischen Wattenmeeres. Im 15-Minuten-Takt werden dort Ebbe und Flut simuliert. Ein Meerwasseraquarium und ein Spielbereich für Kinder mit der nachempfundenen Brücke eines Forschungsschiffes sind ebenfalls vorhanden. Im Obergeschoss des Gebäudes ist zudem eine Schau über die Vogelwelt der niedersächsischen Nordseeküste in Arbeit. Zum Waloseum gehört auch eine Quarantänestation für junge Robben. Darin werden von ihren Müttern getrennte Jungtiere betreut, bis sie zu ihren Artgenossen in die Seehundstation kommen.