Nolde Museum zeigt Farben des Glücks

Emil-Nolde Haus Seebüll, Foto: Helmut Kunde  Fotograf: Helmut Kunde Detailansicht des Bildes Die Pläne für sein modernes Wohnhaus mit Atelier entwarf Nolde 1927 selbst. 1927 zieht der expressionistische Maler Emil Nolde (1867 - 1956) mit seiner Frau Ada nach Seebüll, einem kleinen Ort nahe der dänischen Grenze im heutigen Nordfriesland. Er erwirbt dort eine Warft und lässt darauf - im bewussten Kontrast zur traditionellen Architektur der Region - ein modernes Wohnhaus mit Atelier nach eigenen Entwürfen errichten. Dort entstehen in den Folgejahren zahlreiche seiner Werke, unter anderem die sogenannten ungemalten Bilder, die der Künstler während des durch die Nationalsozialisten verhängten Verbots, sich "auf den Gebieten der bildenden Künste" zu betätigen, malt. Nach Noldes Tod 1956 wird Seebüll gemäß seinem Wunsch Teil einer Stiftung und steht seitdem Besuchern als Museum offen.

Farben im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung

Zur Saisoneröffnung am 1. März präsentiert die Nolde-Stiftung jährlich eine neue Ausstellung mit Werken des Künstlers. Das Thema 2013: "Emil Nolde: Farben waren mir ein Glück". Die 57. Jahresausstellung zeigt einen Querschnitt durch das Werk des Künstlers. Zu den Exponaten gehören 47 Gemälde sowie 53 Aquarelle und Zeichnungen. Die Ausdruckskraft vieler Bilder liegt in wenigen starken Farbkontrasten. Die Ausstellung zeigt auch 16 der "Ungemalten Bilder". Sie entstanden während Noldes Ächtung als "entarteter Künstler" in den Jahren 1938 bis 1945. "Die Farben", heißt es in einer Notiz Noldes in seinen 'Worten am Rande', "waren mir ein Glück. Es war, als ob sie meine Hände liebten". Sechs der insgesamt 136 Werke, die in diesem Jahr zu sehen sind, werden erstmals in Seebüll gezeigt.

Biografie und Werk unter einem Dach

Ausschnitt aus dem Aquarell "Meer im Abendlicht" von Emil Nolde, 1938-1945 © Nolde Stiftung Seebüll Detailansicht des Bildes Das Aquarell "Meer im Abendlicht" gehört zu der Reihe der "Ungemalten Bilder" Noldes. Das Museum besteht aus mehreren Teilen: dem historischen Noldehaus, dem Staudengarten sowie einem modernen Gebäude, das eine biografische Ausstellung zu Noldes Leben zeigt. Im ehemaligen Wohnhaus des Künstlers gibt es drei verschiedene Bereiche. Im Erdgeschoss, wo früher Noldes Atelier lag, finden Besucher heute die religiösen Bilder des Künstlers. Außerdem blieben Wohnräume mit den Möbeln des Paares erhalten. Der Bildersaal im ersten Stock mit etwa 30 Gemälden wird für die aktuelle, jährlich wechselnde Ausstellung genutzt. In den früheren Wohnräumen der Noldes in dieser Etage entstanden Kabinette für grafische Arbeiten.

Da viele Werke Noldes in Berlin entstanden, zeigt eine Dependance des Museums in der Hauptstadt regelmäßig Ausstellungen mit seinen Bildern.

Blütenpracht und satte Farben im Staudengarten

Blick aus dem historischen Garten auf das ehemalige Nolde-Wohnhaus, heute Teil des Museums. © picture-alliance / HB-Verlag Fotograf: K.-H. Raach Detailansicht des Bildes Vom Garten fällt der Blick auf das ehemalige Wohnhaus des Künstlers. Nolde liebte die Farben von Blumen Zeit seines Lebens und legte überall, wo er sich niederließ, einen Garten an. Blütenpracht und Grün inspirierten den Künstler und dienten ihm als Motiv für seine zahlreichen Garten- und Blumenbilder. In Seebüll legten Nolde und seine Frau Ada einen besonders prächtigen Staudengarten an, noch heute ist die Gestaltung der Wege in Form der Buchstaben A und E (für Ada und Emil) erhalten. Neben Rasenflächen und einzelnen Gehölzen blühen dort von April bis Oktober zahlreiche Stauden wie Schwertlilie, Rittersporn, Sonnenbraut, Lupine und Storchschnabel.

Kurzbiographie

7.8.1867 Emil Nolde kommt als vierter Sohn eines Bauern im Dorf Nolde an der dänischen Grenze zur Welt.
bis 1888 Lehre als Holzbildhauer und Zeichner
bis 1891 Wanderjahre als Schnitzer und Zeichner
bis 1897 Lehrer für Zeichnen und Modellieren in der Schweiz
bis 1900 Besuch von Schulen und Akademien
1902 Hochzeit mit dänischer Schauspielerin Ada Vilstrup
bis 1907 Mitglieder der Künstlergruppe "Brücke"
1909 erste religiöse Bilder
bis 1912 Ausstellungen, Mitglieder der "Neuen Sezession"
bis 1914 Reise durch Sibirien in die Südsee
1920 Nolde wird dänischer Staatsbürger
bis 1932 Bau des Hauses in Seebüll, Ehrendoktorwürde der Uni Kiel
1937 Die Nazis beschlagnahmen 1.052 Werke Noldes, einige werden später in der für Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt.
1941 Ausschluss aus Reichskunstkammer und Malverbot
1944 Bomben zerstören Noldes Berliner Wohnung, 3.000 Werke vernichtet
1946 seine Frau Ada stirbt, zwei Jahre später Hochzeit mit Jolanthe Erdmann
13.4.1956 Emil Nolde stirbt im Alter von 88 Jahren in Seebüll.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Schleswig-Holstein Magazin / 27.02.2013 / 19:30 Uhr

Service

Nolde Museum Seebüll

Seebüll 31
25927 Neukirchen
Tel. (04664) 364

Öffnungszeiten
1. März bis 1. Dezember
täglich 10 - 18 Uhr

Eintritt
Erwachsene: 8 Euro
Schüler, Studenten: 3 Euro

Links

Wissenswertes über den Maler, das Museum und den Garten in Seebüll.

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