Stand: 10.06.2009 11:00 Uhr
Naturpark Nossentiner-Schwinzer Heide
Der Krakower Obersee ist einer von rund 60 Seen des Naturparks.
Mitten in Mecklenburg-Vorpommern liegt der Naturpark Nossentiner-Schwinzer Heide. Reizvoll ist das dünn besiedelte Revier zu jeder Jahreszeit. Nur neun Menschen leben hier auf einem Quadratkilometer - im Bundesdurchschnitt sind es 230. Und wo wenige Menschen leben, leben meist viele Tiere. So auch in der Nossentiner-Schwinzer Heide. Über knapp 37.000 Hektar erstreckt sich der Naturpark, der zur Mecklenburgischen Seenplatte gehört und selbst mit 60 Seen aufwarten kann. Bei ausgedehnten Spaziergängen durch die unberührte Natur lassen sich mit etwas Glück Seeadler, Rohrdommel, fleischfressender Sonnentau und viele andere seltene Tier- und Pflanzenarten beobachten. Einen Überblick bietet der "Moorochse". So heißt der größte Aussichtsturm des Naturparks am Nordufer des Plauer Sees. Der Weg dorthin führt über einen Holzsteg durch mooriges Gebiet.
Informationszentrum lädt zum Mitmachen ein
Im Informationszentrum können Kinder die Natur spielerisch erleben und kreativ werden.
Einen Überblick über Tier- und Pflanzenwelt der Nossentiner-Schwinzer Heide bekommen Besucher im Karower Meiler, dem Kultur- und Informationszentrum des Naturparks am Nordwestufer des Plauer Sees. Spielerisch können Kinder, aber auch Erwachsene hier die Tiere und Pflanzen des Naturparks kennenlernen. Ein Computer etwa kennt die Stimmen der einheimischen Vögel und spielt sie auf Knopfdruck ab. Doch nicht nur im Karower Meiler selbst gibt es eine Menge zu erfahren. Der Naturpark bietet ein umfangreiches Programm mit Wanderungen und Radtouren an. Außerdem gibt es ein ausgedehntes Informationssystem mit mehr als 600 Schautafeln im gesamten Gelände. Die Tafeln informieren über die Natur und die Dörfer der Region, geben Auskunft zu einzelnen Baumarten oder führen auf Lehrpfade.
Wilde Rinder am Jabelschen See
Für Besucher des Naturparks ein besonderes Highlight: die Wisentfütterung im Damerower Werder.
Im Osten des Naturparks, am Jabelschen See, treffen Besucher auf eine Tierart, die heute in freier Wildbahn nicht mehr anzutreffen ist: das Wisent. Rund 20 Wildrinder leben hier in einem Gehege. Für Besucher gehört die Fütterung der imposanten Vierbeiner zu einem der Höhepunkte im Naturpark. Zweimal täglich bekommen die Wisente ihre Mahlzeit. Im Herbst stehen Rüben und Kastanien auf dem Speiseplan. Wer dem Gehege hingegen im Frühjahr einen Besuch abstattet, kann mit etwas Glück sogar die Geburt eines jungen Wisents miterleben. Die Tiere sind nicht besonders scheu und lassen sich gut beobachten. Als die Wisentzucht auf dem Damerower Werder vor rund 50 Jahren begann, waren die Tiere fast ausgestorben. Seitdem wurden dort 260 Kälber geboren.
Blick in die Geschichte
Nicht nur die Natur, sondern auch die Kulturgeschichte der Region lässt sich in der Nossentiner-Schwinzer Heide erkunden. Viele Dörfer der Gegend gibt es seit dem 13. Jahrhundert. Noch heute finden sich viele Bauwerke aus dieser Siedlungsphase. Dazu gehört auch das Dobbertiner Kloster, das um 1220 errichtet wurde. Im 17. Jahrhundert änderte sich die Lebenssituation vieler Menschen in der Region. Aus ehemals freien Bauern wurden Tagelöhner, die sich für ihre Gutsherren verdingten.
Neben den Guts- und Bauerndörfern gibt es heute auch noch Siedlungen, die von der Zeit der Glasverhüttung und Teerschwelerei zeugen. In der waldreichen Gegend wurden unzählige Bäume gerodet, um Boden für den Ackerbau zu gewinnen. Das Holz wurde in sogenannten Teerschwelern zu Holzteer, etwa für den Schiffbau und die Fischerei, und zu Holzkohle verarbeitet. Sie kam in den Glashütten und zum Heizen der Wohnhäuser zum Einsatz. Im 20. Jahrhundert verlor der Holzteer durch günstigere, industriell gewonnene Teerprodukte seine Absatzmärkte, 1952 wurde der letzte Teerofen geschlossen. Trotzdem können sich Besucher noch heute ein Bild von der Funktionsweise machen. In Sparow wurde in den 90er-Jahren basierend auf alten Plänen ein neuer Ofen gebaut - er ist der größte aktive Teerofen in Europa.