Alle UNESCO-Welterbestätten im Norden
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Prächtige Fachwerkhäuser und Kirchen, die zum UNESCO-Welterbe zählen: Hildesheim gehört zu den kulturhistorisch interessantesten Städten Norddeutschlands. Die Rosenroute weist Besuchern - in Form gemalter weißer Rosenblüten auf den Straßen - den Weg zu den Sehenswürdigkeiten. Berühmt ist die Stadt vor allem für seine romanischen Kirchen St. Michaelis und den Dom St. Mariä Himmelfahrt. Sehenswert sind aber auch Fachwerkhäuser wie das Knochenhauer-Amtshaus. Das ehemalige Gildehaus der Fleischer (Knochenhauer) entstand 1529 im Stil der Gotik und Renaissance. Durch die reichhaltigen Schnitzereien gilt es als einer der schönsten Fachwerkbauten weltweit. Wie viele historische Gebäude lag es nach dem Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche. 1989 wurde es originalgetreu wiederaufgebaut, schmückt seitdem den Marktplatz, den Mittelpunkt der Stadt, und beherbergt das Stadtmuseum.
Eines der wenigen Häuser am Marktplatz, das den Bombenangriff am 22. März 1945 fast unbeschadet überstand, ist das Tempelhaus. Das frühgotische Patrizierhaus wurde um 1350 erbaut. Die beiden Renaissance-Erker entstanden erst gut 200 Jahre später. Heute befindet sich in dem Haus die Touristinformation und eine Bücherei. Es ist im Besitz der Familie Gerstenberg, Herausgeber der "Hildesheimer Allgemeinen Zeitung". Sie erscheint seit 1705 und ist damit die älteste deutsche Tageszeitung.
Der Dom gehört vor allem wegen seiner Kunstschätze wie dem Heziloleuchter und der Christussäule zum Weltkulturerbe.
In Hildesheim stehen außerdem zwei herausragende Bauwerke religiöser Kunst, die seit 1985 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören: die Basilika St. Michaelis und der Mariendom. Im Zuge der Christianisierung gründete Kaiser Ludwig der Fromme im Jahr 815 das Bistum Hildesheim. Um 860 ließ Bischof Altfrid eine kleine Kirche zu einem Dom erweitern. Bei einem Stadtbrand wurde das Gotteshaus zerstört und 1046 unter Bischof Hezilo wieder aufgebaut. Nach ihm ist auch der Heziloleuchter benannt, mit sechs Metern Durchmesser der größte Radleuchter Deutschlands und außerdem eine der wertvollsten Goldarbeiten aus dem 11. Jahrhundert. In dieser Epoche entwickelte sich die Domschule des Bistums Hildesheim zur einer bedeutenden Ausbildungsstätte im deutschen Sprachraum. Aus ihr gingen zahlreiche Gelehrte wie Kaiser Heinrich II. hervor. 1945 wurde der Mariendom bei der Bombardierung Hildesheims zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte zwischen 1950 und 1960. Seit 1985 gehört der Dom zum Weltkulturerbe der UNESCO. Wegen einer umfassenden Sanierung bleibt der Dom noch bis Mitte 2014 für Besucher geschlossen.
Typisch für den romanischen Kirchenbau sind die massiven Außenmauern und die Treppentürme mit Kegeldächern.
Eine aufwendige Sanierung hat die Michaeliskirche bereits hinter sich. Am 15. Januar 2010 feierte die Stadt ihren 1.000 Geburtstag mit einem großen Festgottesdienst. Im Jahr 1010 legte Bischof Bernward den Grundstein für St. Michaelis. Die frühromanische Kirche gilt als bedeutendes architektonisches Meisterwerk nördlich der Alpen. Typisch für den Kirchenbau, der wie eine Burg auf einem Stadthügel thront, sind die klaren geometrischen Formen, die sich auch im Inneren fortsetzen. Als besonderes Kunstwerk gilt die um 1225 entstandene Holzdecke. Sie besteht aus 1.300 bunt bemalten Eichenbrettern und zeigt den sogenannten Jessebaum, den Stammbaum Christi. Die Bilderdecke ist in ihrer Art nahezu einzigartig in Europa.
Von der Aussichtsplattform in 75 Meter Höhe bietet sich ein herrlicher Blick über die Stadt.
Weit über die Dächer der Stadt erhebt sich der höchste Kirchturm Niedersachsens: der Andreaskirchturm. Das Wahrzeichen misst 114,5 Meter und bietet einen Rundblick über ganz Hildesheim. Dafür müssen Besucher aber erst die 364 Stufen bis zur höchsten Aussichtsplattform hinaufsteigen. Der Weg nach oben führt am Glockenstuhl und dem alten mechanischen Uhrwerk vorbei. Der charakteristische Turmbau entstand erst im 19. Jahrhundert und damit später als die anderen historischen Bauwerke Hildesheims. Damals war der Aufstieg nur bis zu einer Höhe von 56 Metern möglich.
Der Sarg der Mumie Penju gehört zu den altägyptischen Schätzen des Roemer- und Pelizaeusmuseums.
Hinter dem Doppelnamen des Roemer- und Pelizaeusmuseums stehen die Familiennamen der Begründer: Hermann Roemer und Wilhelm Pelizaeus. Die beiden Hildesheimer stifteten ihre Sammlungen der Stadt und schufen so die Grundlage für das Museum. Das 1844 gegründete Haus ist berühmt für seine Altägypten-Sammlung, die zu den bedeutendsten in Europa gehört. Zu sehen sind unter anderem Ausgrabungsstücke vom Plateau der Gizeh-Pyramiden, Stelen aus der Ramses-Stadt und die lebensgroße Figur des Wesirs Hemiunu. Darüber hinaus beherbergt es Schätze aus dem alten Peru und eine umfangreiche paläontologische Sammlung. Sie zeigt unter anderem Fossilien aus der Jura-Zeit und Skelette von Fisch- und Flugsauriern.
Zu den ältesten Parkanlagen Niedersachsens gehört der barocke Magdalenengarten im Stadtzentrum. 2003 wurde er nach alten Plänen neu gestaltet. Der Hauptteil des Parks besteht aus acht Quadraten, von denen vier ein Rosarium bilden. Rund 1.800 Rosensträucher sind im Herzstück des Klostergartens zu bewundern. Neben den edlen Blumen wachsen dort 100 verschiedene Baum- und Straucharten. Im angeschlossenen Museum können sich Besucher über die Kulturgeschichte der Rose informieren.