Ökologisch bauen mit Holz - Wie geht das?
Mit dem "Woodcube" entsteht als Projekt der IBA Hamburg ein klimaneutrales Holzwohnhaus. Im Interview spricht Bauherr Matthias Korff über die Vorteile des Baustoffs Holz. mehr
Einer der ältesten Baustoffe der Welt feiert bei der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Hamburg-Wilhelmsburg sein Comeback: Nach nur wenigen Monaten Bauzeit ziehen jetzt die ersten Bewohner in den Woodcube ein. Das fünfgeschossige Mehrfamilienhaus ist ganz aus naturbelassenen Hölzern erbaut - ohne Holzschutzmittel oder Dämmung aus Fremdstoffen und Plastikfolien.
"Für mich ist der Woodcube das einzige wirklich ökologische Gebäude der Bauausstellung", sagt Jan Holler, der gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan in zwei Wochen in das Holzhaus einzieht. "Bei anderen Häusern wurde einfach nur eine Holzfassade davorgeklebt. Hier im Woodcube ist dagegen alles aus Holz und komplett recycelbar".
Ein Prototyp für das Bauen von morgen? Der Woodcube ist ganz aus Holz, schadstofffrei und komplett recycelbar.
Da weder Schadstoffe wie Öle noch chemischer Abfall anfallen, kann das Gebäude eines Tages zur thermischen Energiegewinnung genutzt werden. Doch bis dahin kann es noch dauern. Auf die Fassade haben die Eigentümer 50 Jahre Garantie bekommen. Seine eigene Wärmeenergie bezieht das Holzhaus CO2-neutral aus regenerativen Quellen wie Sonne und Erdwärme, so dass es keinerlei Treibhausgase produziert. "Energetisch ist der Woodcube vorbildlich. Er ist sowohl in der Erstellung als auch im Betrieb CO2-neutral", betont Matthias Korff, Investor des Woodcube.
Acht Wohnungen sind im Woodcube entstanden, vier davon sind noch frei.
Der Verzicht auf chemische Stoffe und Holzschutzmittel hat auch für die Bewohner große Vorteile: Die schadstofffreien Baumaterialien wirken sich positiv auf die Gesundheit aus, zudem hat Holz eine beruhigende Wirkung und senkt nachweislich die Herzfrequenz. Das war auch für Andreas Gagneur und Kathrin Kindler eine wichtiges Kaufargument: "Der Woodcube war das IBA-Projekt, das uns von Anfang an 'geflasht' hat", so Gagneur. Um das Wohnen inmitten von Holz vorab einmal zu testen, fuhren sie in ein Hotel im Allgäu, das in der gleichen Holzbauweise errichtet wurde. "Es war sehr leise und sehr angenehm, ein wirklich schönes Raumklima", so das Paar, das mit seinem kleinen Sohn in den nächsten Wochen einziehen wird. Insgesamt sind im Woodcube acht Eigentumswohnungen entstanden, vier davon sind noch frei. Die Preise liegen zwischen 299.000 Euro für 80 Quadratmeter und 850.000 Euro für das 180 Quadratmeter große Penthouse.
Investor Matthias Korff zeigt anhand eines Modells, wie die Außenwände aus vielen verschiedenen Holzschichten aufgebaut sind.
Innerhalb von nur fünf Wochen wurde das moderne Holzhochhaus in seiner Grundstruktur errichtet, der Innenausbau dauerte dann noch einmal etwa vier Monate. Die Außenwände des "Woodcube" bestehen aus 34 Zentimeter dicken Holzpaneelen, die aus mehreren Holzschichten zusammengesetzt wurden. Sie werden durch Buchenholzdübel zusammengehalten, die mit einer fermentierten Masse aus Kalk, Soda und Quark im Holz fixiert wurden.
Auch das Wälderhaus ist ein Massivholzbau. Seine Fassade besteht aus Lärchenholz.
Im Rahmen der Bauausstellung zählt der Woodcube zu den sogenannten Smart Material Houses. Dabei handelt es sich um IBA-Projekte, die vor allem in der Fassade umweltschonende oder energetisch innovative Baustoffe verwenden. Weitere Smart Material Houses sind das Soft House mit einer dynamischen Textilfassade, das "Smart ist grün"-Haus mit einer dreischichtigen Fassade, die Sonnenenergie speichern kann, sowie das Algenhaus mit einer Fassade aus Wärme produzierenden Algen.
Nach dem Wälderhaus ist der Woodcube der zweite Massivholzbau, der in der neuen Wilhelmsburger Mitte entstanden ist. Bereits im Herbst 2012 eröffnete das Wälderhaus, in dem neben Ausstellungs- und Seminarräumen ein Restaurant und ein Hotel untergebracht sind.