So vielseitig ist die Gartenschau
80 Gärten, sieben Themenwelten und eine Stelzenbahn bietet die Schau in Hamburg-Wilhelmsburg. mehr
Direkt am Westeingang zum Gartenschaugelände, beschaulich gelegen unter alten Bäumen, liegt die Welt der Religionen. Dort haben Vertreter der fünf Weltreligionen auf einem früheren Friedhofsgelände jeweils einen Garten gestaltet.
Es ist das erste Mal, dass sich die großen Weltreligionen Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus gemeinsam auf einer Gartenschau präsentieren. Die Parkanlage soll den friedlichen Dialog der verschiedenen Religionen und Kulturen symbolisieren. "Offizielle Religionsvertreter und Laien haben das Konzept auf Workshops gemeinsam entwickelt. Später haben sie auch tatkräftig mitgeholfen und die Gärten teilweise selbst gebaut", erzählt Gudrun Lang. Die Landschaftsarchitektin hat die Beteiligten bei dem Entstehungsprozess betreut und mit ihnen die Entwürfe für die Gärten entwickelt.
Der Brunnen im Zentrum der Gärten steht für das Wasser als verbindendes Element aller fünf Weltreligionen.
Als verbindendes Element der fünf Gärten einigten sich die Religionsgemeinschaften auf das Wasser - als Ursymbol des Lebens, das in allen Religionen eine wichtige Bedeutung hat. Eine flache, stählerne Brunnenschale bildet daher den Mittelpunkt, um den sich die Gärten gruppieren. Über fünf Wasserkaskaden fließt das Wasser herab, über fünf Fontänen gelangt es wieder zur Mitte des Brunnens.
Das leichte Plätschern des Wassers lädt die Besucher zum Durchatmen und Innehalten ein. Meditativ geht es auch im buddhistischen "Garten der Stille" zu: Ein geschwungener Pfad führt von einem Lotusteich zu einer steineren Buddhafigur. Zwischen den Bäumen hängen Segensfähnchen, die gute Wünsche ausdrücken. Im Hindu-Garten wartet auf die Besucher ein buntes Tor: Drei Wege in unterschiedlichen Farben führen hindurch. Sie stehen für die verschiedenen Lebenswege, die der Mensch beschreiten kann, um zu Wahrheit und Befreiung zu gelangen. Die Wege enden in einer Art heiligen Raum, den ein Künstler mit Mantra-Zeichen verziert hat.
Die Erschaffung der Wasser- und der Landtiere sind zwei Stationen im jüdischen Garten.
Der jüdische Garten beschäftigt sich mit der Schöpfungsgeschichte, wie sie in der Thora zu lesen ist. Den Weg zum christlichen Garten weist ein Kreuz. Dort beginnt der christliche Lebenspfad, der über sechs Stationen von der Geburt über den Tod bis zum ewigen Leben führt. Thema des islamischen Gartens ist das Paradies. Er ist der einzige Garten, der bisher nicht komplett fertig gestellt wurde. Der Gemeinde fehlte dafür wohl das Geld. Die meisten Gärten sind zumindest zeitweise "begleitet", das heißt ehrenamtliche Vertreter der Religionen stehen zum Dialog über ihren Glauben in den Gärten bereit.
Für Gudrun Lang war es wichtig, dass die fünf Gärten sowohl Gemeinsamkeiten als auch Trennendes zwischen den Religionen sichtbar machen. Die besondere Bedeutung dieses Parkteils liege aber in dem gemeinsamen Dialog: "Das große Verdienst der 'Welt der Religionen' ist, dass die einzelnen Religionsvertreter ihren Glauben den anderen erklären mussten. Dadurch hat sich ein Verständnis füreinander entwickelt".
In der Welt der Religionen präsentieren Friedhofsgärtner und Steinmetze Beispiele für Grabgestaltung.
Angrenzend an den christlichen Garten befindet sich eine kleine Backsteinkapelle aus dem 19. Jahrhundert. Das bereits seit den 60er-Jahren entwidmete Gotteshaus wurde eigens zur Gartenschau saniert. Seither finden dort verschiedene Veranstaltungen wie Ausstellungen oder private Feiern statt. Um die Kapelle herum präsentieren sich während der Gartenschau die Friedhofsgärtner und Steinmetze mit ausgewählten Beispielen der Grabgestaltung. Durch die Welt der Religionen führt ein breiter Boulevard. Er ist gesäumt von lang gestreckten Hochbeeten, die in ihrer Form an Schiffskörper erinnern. Von dort führt der Weg weiter in die Wasserwelten und in andere Parkteile.