IBA Hamburg: Bauen für die neue Stadt
Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? Die Internationale Bauausstellung zeigt mögliche Lösungen. mehr
Drei Meter hoch, stacheldrahtbewehrt und gut zwei Kilometer lang war der Zaun, der die Bewohner Wilhelmsburgs und der Veddel vom Ufer der Elbe im Spreehafen trennte. Seit 1903 versperrte er den direkten Weg zwischen den Wohnquartieren und dem Hafenbecken und riegelte das Gebiet des Hamburger Freihafens ab. Nun ist der Zollzaun Vergangenheit.
Jahrzehntelang führte für die Bewohner kein Weg an diesem Zaun vorbei zum Ufer des Spreehafens. Künftig sollen die Grün- und Freiflächen am Wasser neuen Erholungsraum bieten.
Für die Bewohner der angrenzenden Quartiere hat die Öffnung des Spreehafens einen ganz besonderen Stellenwert. Sie können den Stadtteil endlich als das erleben, was er ist: eine Insel in der Elbe. Vor ihren Haustüren ist ein neuer grüner Freiraum direkt am Wasser entstanden. Abriss und Neugestaltung sind ein Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Hamburg. "Wenn man hier steht und guckt über den Hafen, über Hamburg und über Wilhelmsburg, ist das einfach großartig. Ich hoffe, dass viele Hamburger jetzt hierher kommen und das genießen", sagte IBA-Geschäftsführer Uli Hellweg beim symbolischen Abriss des Zauns im Januar 2013.
Neue Rad- und Spazierwege am Wasser sollen den Freizeitwert des Areals am Spreehafen verbessern.
Schon 2010 wurden im Zollzaun zwei Pforten geschaffen, durch die die Anwohner leichter zum Wasser gelangen konnten. Seither entwickelt sich das Ufer des Hafenbeckens mit seinen Hausbooten, den sogenannten Hafenliegern, zu einer Freiraum- und Erholungszone. Ein neuer Fuß- und Radweg verbindet seit 2011 das Wilhelmsburger Reiherstiegviertel mit dem östlichen Ende der Hafencity. Ein weiterer Radweg führt seit 2012 durch den Allten Elbtunnel zum westlichen Ende des Spreehafens und ebenfalls hinein ins Reiherstiegviertel. Spaziergänger und Radfahrer können den Spreehafen jetzt außerdem auf einem etwa 4,5 Kilometer langen Rad- und Spazierweg umrunden. Die authentische Hafenkulisse mit Lagerhallen, Polderwänden und Containern verleiht dieser Route ein ganz eigenes Flair.
Die Deichkrone an der Harburger Chaussee - auch verschneit bietet sie interessante Perspektiven auf Spreehafen und Innenstadt.
Neue Deichübergänge an der Harburger Chaussee machen das Areal für Fußgänger und Radfahrer besser zugänglich. Drei breite Freitreppen führen auf den Deich und laden zum Sitzen mit Blick auf das Wasser ein. Von dort eröffnet sich eine ungewohnte Perspektive auf den Hafen und die Innenstadt. Zwei neue Ampeln schaffen zudem eine kurze Verbindung zwischen dem Hafenbecken und dem Stübenplatz im Reiherstiegviertel.
Beim Bau der Freitreppen kamen sogenannte Deckwerksteine zum Einsatz, die sich untereinander verzahnen. Sie verhindern, dass die Treppen bei Sturmfluten unterspült werden. Der Spreehafendeich ist entscheidend für den Hochwasserschutz der Elbinsel. Als er bei der großen Sturmflut 1962 brach, ergossen sich die Wassermassen vom Spreehafen in den Stadtteil. Mehr als 200 Wilhelmsburger kamen bei der Katastrophe ums Leben.
Neue Verkehrsanbindung für Wilhelmsburg: Seit Dezember 2012 verkehrt eine HADAG-Fähre zwischen Spreehafen und Landungsbrücken.
Zum IBA-Projekt der Öffnung des Spreehafens zählt auch die neue Fährverbindung zwischen Wilhelmsburg und dem nördlichen Elbufer. Von der Ernst-August-Schleuse am Spreehafen können Radfahrer und Fußgänger mit der HADAG-Linie 73 bis zu den Landungsbrücken fahren. Die Fahrt zum Tarif des Hamburger Verkehrsverbunds dauert etwa 15 Minuten.