Als die Killer auf den Kiez kamen
Ein skrupelloser Killer lehrt die Zuhältergangs auf St. Pauli das Fürchten. mehr
Zwei bekannte Häuser an der Reeperbahn: die Davidwache und das St.Pauli-Theater.
Die "Geile Meile", wie Udo Lindenberg die Reeperbahn besungen hat, führt durch Hamburgs Rotlicht- und Vergnügungsviertel St. Pauli. Sehenswürdigkeiten auf der Reeperbahn sind neben vielen Bars und Nachtclubs vor allem die bunte Seitenstraße Große Freiheit, der Hans-Albers-Platz und das Polizeikommissariat Davidwache. Auf dem Spielbudenplatz befindet sich das Panoptikum. Es ist das älteste Wachsfigurenkabinett in Deutschland. Seit 1879 präsentiert es - oft lebensecht aussehende - Nachbildungen berühmter Persönlichkeiten aus Geschichte, Kultur, Politik, Showbusiness und Sport. Zur Ausstellung gehören außerdem eine Gruselecke sowie ein Medizinisch-Historisches-Kabinett.
Parallel zur Reeperbahn verläuft die Herbertstraße. Dort warten seit dem 19. Jahrhundert Frauen auf ihre Freier. Zwei Sichtblenden schützen die Prostituierten, die sich in Schaufenstern präsentieren, vor den Blicken Neugieriger. Nur Männern über 18 Jahren ist der Zutritt erlaubt.
Der Film "Große Freiheit Nr. 7" mit Hans Albers machte die Seitenstraße der Reeperbahn berühmt.
Der Stadtteil St. Pauli wurde Anfang des 17. Jahrhunderts als Vorstadt gegründet. Damals hieß er noch Hamburger Berg. Über Jahrhunderte war er ein Ort für Menschen, die in der Stadt nicht erwünscht waren. Industriegebäude sowie Pest-, Kranken- und Armenhäuser wurden dorthin verbannt. Ihren Namen erhielt die Reeperbahn von Taumachern und Seilern. Denn auch die sogenannten Reepschläger, die für das Trocknen ihrer Seile in der Innenstadt zu wenig Platz hatten, mussten auf die Vorstadt ausweichen. Die ersten Amüsierbetriebe entstanden im 17. Jahrhundert. 200 Jahre später wurden die Bretterbuden auf dem Spielbudenplatz durch feste Bauten ersetzt. Theater, Trinkhallen und Bordelle öffneten ihre Türen. Wegen der Nähe zum Hafen trafen in St. Pauli viele Kulturen und Nationen aufeinander. Noch heute gibt es auf dem Kiez ein spanisches und portugiesisches Viertel.
In einem Hinterhof der Großen Freiheit erinnert eine Gedenktafel an den legendären Star-Club. Dort spielten einst Rockstars wie Jimi Hendrix, Little Richard und Chubby Checker. Auch die Beatles haben in Hamburg ihre Karriere begonnen und gaben auf dem Kiez Konzerte.
Die Touren heißen "Matrosenmütze und Netzstrumpf" (immer dienstags), "Hopfen, Huren und Halunken" (mittwochs) oder "Zur Kur auf den Kiez" (sonnabends). Eingefleischte Paulianer von der "Kurverwaltung St. Pauli" führen Touristen in Ecken, die sie alleine mit Sicherheit übersehen hätten. Dabei erfahren sie allerlei über Prostitution und Seeleute, Rot- und Blaulicht, Tingeltangel und Tabledance, weltberühmte Filmkulissen, Musikgeschichte und noch vieles mehr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Touren beginnen jeweils um 20 Uhr an der U-Bahnstation St. Pauli.
Das Schmidts Tivoli ist eines von mehreren Theatern am Spielbudenplatz.
Insgesamt sieben Theaterbühnen rund um den Kiez locken jährlich über eine Million Besucher an. Das Schmidts Tivoli zählt zu den schönsten Theatersälen in Hamburg. Die Form des Zuschauerraums ähnelt einer Zirkusarena. Die Bühne reicht in den Saal hinein. Zu sehen und hören sind deutschsprachige Musicals, nostalgische Revues oder Kabarett. Von 1925 bis 1990 war das Gebäude ein Amüsier-Tempel und trug den Namen "Zillertal". 1991 wurden die alten, goldenen Säulen, große Rundspiegel und Wandmalereien aus dem letzten Jahrhundert freigelegt. Künstler wie Ingo Appelt, Karl Dall oder Kay Ray treten hier auf.
Legendär und bei Touristen beliebt: die Kneipe "Ritze".
Früher flimmerten hier freizügige Filme über den Bildschirm, Leute aus dem Milieu trafen sich auf ein Bier. Heute ist die "Ritze" fast ein nostalgisches Touristenlokal. Zahlreiche Promi-Bilder aus Sport und Kultur kleben an den Wänden neben der Theke. Eine schmale Treppe führt hinab zum legendären Boxring, in dem sich neben Kiezgrößen auch Boxweltmeister wie René Weller, Henry Maske und Dariusz Michalczewski für ihre Zweikämpfe fit gemacht haben. Heute trainieren hier täglich junge Nachwuchssportler für ihre ersten Profikämpfe.