So vielseitig ist die Gartenschau
80 Gärten, sieben Themenwelten und eine Stelzenbahn bietet die Schau in Hamburg-Wilhelmsburg. mehr
Die erste Gartenausstellung findet 1869 in Hamburg statt - damals bereits mit 420 Ausstellern.
420 Aussteller aus neun europäischen Ländern und den USA, 14 Hektar Ausstellungsfläche auf dem Gelände des heutigen Alten Elbparks - die allererste Internationale Gartenschau 1869 in Hamburg ist für damalige Verhältnisse ein Großereignis. Anders als heute üblich, dauert die Schau allerdings nicht einen ganzen Sommer, sondern nur elf Tage. Mit ihr beginnt eine lange Tradition der Gartenschauen in Hamburg. 1897 findet die zweite Internationale Gartenausstellung in Hamburg statt, 1914 folgt eine Schau in Altona, das damals allerdings noch nicht zu Hamburg gehört.
Zum Parkensemble von Planten un Blomen gehören 1935 auch Bärenskulpturen, die zum Teil heute im Stadtpark stehen.
Schon bei den allerersten Gartenschauen geht es nicht allein darum, schöne Pflanzen zu präsentieren. Ziel ist es auch, die Stadt neu zu gestalten. Ein Aspekt, der auch bei der "Niederdeutschen Gartenschau" 1935 von großer Bedeutung ist. Anlässlich der Schau lässt der nationalsozialistische Senat die Parkanlagen Planten un Blomen herrichten. Das in den 30er-Jahren recht moderne gartenbauliche Konzept ist heute noch stellenweise sichtbar, etwa bei den bekannten Wasserkaskaden.
Die Wasserkaskaden aus dem Jahr 1935 haben bis heute alle IGA-Umbauten des Parks Planten un Blomen überdauert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzt Hamburgs Erster Bürgermeister Max Brauer durch, dass in der Hansestadt erstmals wieder eine Internationale Gartenausstellung stattfindet. "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein", mahnt er und lässt für die IGA 1953 den Park Planten un Blomen, in dem mehrere Gebäude im Krieg zerstört worden sind, wieder herrichten. Die künstlerische Gesamtleitung der IGA 1953 hat der Gartenarchitekt Karl Plomin, der gemeinsam mit Baurat Hans Medin bereits die Gartenschau von 1935 geplant hatte. Plomin sorgt dafür, dass große Teile der ursprünglichen Gestaltung erhalten bleiben. Neu hinzu kommt der Philippsturm, ein 36 Meter hoher gläserner Aussichtsturm, der 1971 wieder abgebaut wird.
Bundesgartenschau (BUGA):
Gartenschau auf Bundesebene, findet alle zwei Jahre statt
Internationale Gartenausstellung (IGA):
Gartenschau mit internationalen Ausstellern; Turnus: alle zehn Jahre, ersetzt im Ausstellungsjahr die BUGA
Internationale Gartenschau (igs):
Eigens für die Ausstellung in Hamburg 2013 geschaffene Bezeichnung
Landesgartenschauen (LGS oder LaGa) sind das kleinere Pendant zur BUGA auf der Ebene der Bundesländer. Nicht alle Bundesländer richten diese Schauen aus. Sie finden meist in unregelmäßigem Abständen statt.
Rund fünf Millionen Menschen besuchen die Gartenschau. Besondere Attraktion sind die allabendlichen Wasserorgelkonzerte, die noch heute im Sommer stattfinden.
Die nächste Internationale Gartenschau findet 1963 wieder in Hamburg statt. Dieses Mal stellen die IGA-Planer die Wallanlagen als Grünanlage neu her. Zudem wird der Botanische Garten nach Klein Flottbek verlegt. An seinem ehemaligen Standort entstehen unter anderem die Mittelmeerterrassen und die großen Schaugewächshäuser. Auch die IGA 1963 verläuft sehr erfolgreich: Mit 5,4 Millionen Besuchern kommen sogar noch mehr Menschen als 1953.
Anders als 1953 und 1963 gehen mit der IGA 1973 erhebliche Umgestaltungen der Grünflächen einher. Planten un Blomen, Alter Botanischer Garten und Wallanlagen werden zu einem einheitlichen Ausstellungsgelände zusammengefasst. Hierfür wird die Marseiller Straße, die Planten un Blomen von den Flächen des Alten Botanischen Gartens trennt, tiefer gelegt und erhält einen breiten Fußgängerübergang. Zugleich verändert der Neubau des Congress Centrums Hamburg (CCH) und des SAS-Hotelhochhauses das Gelände stark. Die Hamburger verfolgen die IGA 1973 daher mit großer Skepsis - statt "Planten un Blomen" heißt der Park bei vielen Bürgern nur noch "Platten und Beton".
Die "Bullerberge" entwarf der Bildhauer Wido Buller eigens für die IGA 1973.
Ein sichtbares Relikt der 70er-Jahre-Ästhetik der IGA 1973 sind die "Bullerberge", ein gelb-braunes Kunststoffgebirge zum Rutschen und Klettern, das bis heute bei Kindern sehr beliebt ist. Finanziell ist die IGA 1973 kein Erfolg - ein Grund, warum sie die vorerst letzte Internationale Gartenausstellung in Hamburg bleibt. Erst mit der igs 2013 lebt die alte Tradition in Hamburg wieder auf - zum ersten Mal auf einem Gelände südlich der Elbe in Wilhelmsburg.
Nach der Gartenschau soll das igs-Gelände ein Naherholungsgebiet für die Bewohner des Stadtteils werden.
Bei der igs spielt das Thema Stadtentwicklung wieder eine zentrale Rolle. Mit dem Sprung über die Elbe rückt der lang vernachlässigte, aber attraktiv gelegene Stadtteil wieder in den Fokus der Stadtplaner. Nach dem Ende der Gartenschau am 13. Oktober 2013 soll das Gelände als Wilhelmsburger Inselpark zu einem wichtigen Naherholungsgebiet werden.