Energiebunker: Neues Leben für ein Mahnmal

Ein Bauwerk aus der NS-Zeit steht im Mittelpunkt eines der spektakulärsten Projekte der Internationalen Bauausstellung IBA in Hamburg-Wilhelmsburg. Ein ehemaliger Flakbunker, rund 30 Meter hoch, mit bis zu drei Meter dicken Wänden und vier Meter dicken Decken, soll künftig als Energiebunker Wärme und Strom für ein ganzes Viertel erzeugen. Nach dem Umbau wird die ehemalige Kriegsruine als Öko-Kraftwerk bis zu 3.000 Haushalte mit Wärme und 1.000 Haushalte mit Strom versorgen.

Herz des Energiebunkers: Ein riesiger Wärmespeicher

"Im Inneren des Energiebunkers wird eine Vielzahl verschiedener technischer Energieerzeuger und Energiequellen gebündelt", erklärt Karsten Wessel, der für die IBA das Projekt koordiniert. Hierzu ließen die Planer in dem seit Kriegsende ungenutzten Bauwerk einen riesigen Pufferspeicher mit einem Fassungsvermögen von 2.000 Kubikmetern Wasser einbauen - das sind zwei Millionen Liter. Die dort gespeicherte Wärme wird zu einem bedeutenden Teil aus der Abwärme eines benachbarten Industriebetriebs stammen, der sie bislang ungenutzt abführte.

Weitere Wärme erzeugen eine Holzfeuerungsanlage und ein Biogas-Blockheizkraftwerk, die ebenfalls im Inneren des Bunkers untergebracht sind, sowie eine solarthermischen Anlage auf dem Bunkerdach. Eine Photovoltaikanlage geht voraussichtlich bis Ende März in Betrieb und wird zusätzlich fast 3.000 Megawattstunden Strom produzieren. Bis 2015 wird es dauern, bis sämtliche Bestandteile in Betrieb sind.

Von den Nazis erbaut, von den Briten gesprengt

Der frühere Flakbunker im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg.  Detailansicht des Bildes Über Jahrzehnte prägte der riesige Bunker den Stadtteil Wilhelmsburg. Doch niemand durfte die baufällige Ruine betreten. Den Bunker hatten die Nazis 1943 während des Zweiten Weltkriegs erbaut. Mit seinen vier runden Flaktürmen sollte er ein weithin sichtbares Zeichen für die Wehrhaftigkeit der Stadt setzen. Während der Bombenangriffe auf Hamurg suchten bis zu 30.000 Menschen Schutz im Bunker. Gleichzeitig beschossen Soldaten die alliierten Flieger aus den Türmen mit Flugabwehrkanonen.

Nach dem Krieg ließen die Briten den Bunker 1947 durch eine gezielte Sprengung im Inneren zerstören. Sechs der ursprünglich acht Etagen stürzten ein, nur die äußere Hülle blieb stehen. Das gesamte Gebäude war fortan einsturzgefährdet, mehr als 60 Jahre lang durfte niemand es betreten. "Es war wahnsinnig spannend, in dieses zerstörte Gebäude hineinzugehen und so wagemutig zu sein, es ausbauen zu wollen", sagt Karsten Wessel. Bei den Umbaumaßnahmen ging es zunächst darum, den Bunker statisch zu sichern und von Grund auf zu sanieren. 40.000 Tonnen Schutt mussten ausgeräumt werden. Die Fassade wurde möglichst originalgetreu wieder hergestellt, um den Charakter eines Mahnmals zu erhalten.

Kaffee trinken auf dem Bunkerdach

Eine Besucherin blickt von der Dachterasse des Energiebunkers über Wilhelmsburg © NDR Fotograf: Irene Altenmüller Detailansicht des Bildes Von der Aussichtsterrasse auf dem Bunkerdach schweift der Blick weit über Hamburg und den Hafen. Oben auf dem Bunkerdach hat ein Café mit Aussichtsterrasse in 30 Metern Höhe eröffnet. Von dort haben Besucher einen eindrucksvollen Blick über Wilhelmsburg und den Hafen. Um den Bau zu besichtigen, müssen sie unten am Eingang einen 1-Euro-Verzehrbons für das Café kaufen. Über die Geschichte des Bunkers und seinen Umbau informiert eine Ausstellung. Sie besteht aus Kuben, die wichtige Punkte innerhalb des Bauwerks markieren und sich unter anderem auf dem Bunkerdach und in einer ehemaligen Geschützstellung in einem der Flaktürme befinden. Texte und Bilder auf den Kuben informieren über die Historie des Standorts. Über QR-Codes an den Seiten der Kuben können Smartphone-Besitzer weitere Informationen abrufen, alternativ ist im Café eine Begleitbroschüre erhältlich. Das ursprünglich geplante Dokumentationszentrum in einem der Flaktürme scheiterte an der Finanzierung. Der Bunker ist täglich außer dienstags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 / Abendjournal Spezial / 16.03.2013 / 19:05 Uhr

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Die Bauausstellung
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Weitere Informationen

Der Energiebunker

Neuhöfer Straße 7
21107 Hamburg
Anfahrt per Bus mit der Linie 13 bis Veringstraße

Café und Ausstellung:
ab 24. März täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr
geöffnet

Audios
Blick auf den Energiebunker Hamburg Wilhelmsburg Anfang 2013. © dpa - Bildfunk Fotograf: Angelika Warmuth
 
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Unterwegs im Energiebunker

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Der Masterplan für die Neue Mitte Wilhelmsburg © bloomimages Fotograf: bloomimages
 
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Informationen zur Bauausstellung auf der Homepage der IBA.

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