IBA Hamburg 2013 - Was ist das eigentlich?
Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? Die Internationale Bauausstellung zeigt mögliche Lösungen. mehr
Eine ehemalige Giftmülldeponie wird umgestaltet und produziert fortan sauberen Strom aus Wind und Sonne. Zugleich bekommt der jahrzehntelang gesperrte Müllberg einen schönen Rundweg und wird zum Ausflugsziel. Was so klingt wie eine Geschichte aus dem Märchenbuch der Öko-Utopien, versucht die Internationale Bauausstellung (IBA) in Hamburg-Georgswerder in die Realität umzusetzen.
Zwei Windräder und eine große Photovoltaikanlage produzieren auf dem Energieberg Strom für rund 4.000 Haushalte. Ein öffentlicher Rundweg wird um den Berg herumführen.
Sie hat aus der ehemaligen Mülldeponie im Nordosten der Elbinsel Wilhelmsburg einen Energieberg gemacht. Eine Photovoltaikanlage und zwei Windräder produzieren dort jetzt klimafreundlichen Strom für rund 4.000 Haushalte. Außerdem ist der rund 40 Meter hohe Berg nun wieder öffentlich zugänglich. Wahlweise über eine Treppe oder einen barrierefreien Weg erreichen Besucher das Plateau des Bergs. Dort geht es auf dem 900 Meter langen Horizontweg rund um die Hügelkuppe, von der die Besucher den Blick über die Elbe bis in die Innenstadt schweifen lassen können.
Eins allerdings hat mit grünen Utopien nur wenig gemein: Im Inneren des Berges schlummert weiter der Giftmüll.
Ein kurzer Rückblick: Nach dem Krieg lässt zunächst Trümmerschutt einen Berg auf den flachen Wiesen von Georgswerder entstehen. Schon bald kommt Hausmüll hinzu - und ab 1967 auch hochgiftige Industrieabfälle. Bis 1979 wird der giftige Müll auf die Halde gekippt - man glaubt, dass der Hausmüll die Gifte aufsaugt. Dann wird die Deponie geschlossen.
Was aus der Luft wie ein grüner Hügel aussieht, ist eine ehemalige Mülldeponie, in deren Inneren hochgiftige Stoffe lagern.
Doch mit dem Regenwasser sickern die Gifte in das Grundwasser. Im Jahr 1983 erlebt die Stadt Hamburg ihren bisher größten Umweltskandal: Es zeigt sich, dass aus der Deponie Georgswerder hochgiftiges Dioxin ausgetreten ist - ein Gift, das bereits in Mikrogramm-Mengen zu schweren Gesundheitsschäden bis hin zum Tod führt. "Der gefährlichste Berg der Welt", so nennen die Zeitungen schon bald die Deponie. Ab 1986 wird sie aufwändig abgedichtet. Der ganze Berg erhält eine Art Regenschirm in Form dicker Abdeckungen, damit kein Regenwasser mehr eindringen kann.
Verschwunden ist das Gift also nicht, sondern lediglich im Berg eingeschlossen. "Insgesamt liegen hier 200.000 Tonnen Giftmüll in der Erde - ein gebändigter Drache, aber immer noch ein Drache", erklärt Dr. Volker Sokollek, der bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg für Bodenschutz und Altlasten zuständig ist. An Dutzenden Stellen wird regelmäßig geprüft, ob die Sicherungssysteme halten. Deponiegase, Sickerflüssigkeiten und Grundwasser werden in einer speziellen Betriebsanlage auf dem Gelände mit verschiedenen Verfahren behandelt, um eine Gefährdung von Mensch und Natur auszuschließen.
Die Deponiegase, die durch die Zersetzungsprozesse innerhalb der früheren Deponie frei werden, spielen dabei noch eine weitere Rolle: Sie werden zur benachbarten Kupferhütte Aurubis abgeleitet, die sie bereits seit mehreren Jahren für das Befeuern seiner Schmelzöfen nutzt.
Die Ausstellung zeigt ein Modell des Energiebergs und informiert mit Schautafeln und Filmen über die Geschichte Georgswerders.
Am Fuße des Energiebergs links vom Eingang liegt das Informationszentrum. Dort dokumentiert eine Ausstellung die Geschichte des Berges. Besonders sehenswert ist der Multimedia-Film "Der gebändigte Drache". Er zeigt eindrucksvoll die Entwicklung des Ortes von einer einfachen Wiese zu einer hochgiftigen Mülldeponie und zum jetzigen Energieberg. Kinder können sich einen zweiminütigen animierten Film ansehen.
Das Informationszentrum bietet wöchentlich fünf Führungen an. Die Führung umfasst einen Gang durch die Ausstellung mit Vorführung des Multimedia-Films sowie einen Spaziergang auf den Berg. Berg und Ausstellung sind bis zum 3. November 2013 täglich von 10 bis 18 Uhr (jeden 1. Sonnabend im Monat bis 22 Uhr) geöffnet. Danach bleibt der Berg während des Winters aus Sicherheitsgründen - an den Rotoren der Windräder kann sich Eis bilden und herabstürzen - bis März 2014 geschlossen.
Der Horizontweg soll künftig auch nachts beleuchtet sein - als eine Art Wahrzeichen für das neue Wilhelmsburg.
Für die Internationale Bauausstellung ist der Energieberg in zweifacher Hinsicht ein wichtiges Projekt, erklärt IBA-Geschäftsführer Uli Hellweg: "Hier wird eine Altlast zu einem Modell und einem Symbol für eine urbane Energieversorgung. Die Öffnung der Deponie birgt außerdem neue stadtentwicklungspolitische Chancen: Ein verschlossenes Areal wird nach Jahren wieder in den Stadtteil integriert und den Bürgern zugänglich gemacht."