So vielseitig ist die Gartenschau
80 Gärten, sieben Themenwelten und eine Stelzenbahn bietet die Schau in Hamburg-Wilhelmsburg. mehr
Häuser, die Wärme produzieren, deren Grundrisse die Bewohner flexibel gestalten können oder die sich komplett recyceln lassen: Einen Ausblick darauf, wie wir in Zukunft wohnen, gibt die sogenannte Bauausstellung in der Bauausstellung in Hamburg-Wilhelmsburg. Sie ist Teil der Internationalen Bauausstellung (IBA) und zeigt auf einer Fläche von etwa sechs Fußballfeldern vier innovative Typen von Wohnhäusern: die Smart Material Houses, die Smart Price Houses, die Hybrid Houses sowie die Water Houses. Alle Häuser entstehen auf Bauflächen in unmittelbarer Nachbarschaft des Geländes der Internationalen Gartenschau, die parallel bis zum 13. Oktober in Hamburg-Wilhelmsburg stattfindet.
Wohnen hinter Algen: Die lebende Fassade des BIQ-Hauses produziert Wärme.
Bauen mit neuartigen Materialien ist das Thema der vier Smart Material Houses. Intelligente, flexible oder besonders nachhaltige Baustoffe stehen dabei im Mittelpunkt. So besitzt das Algenhaus BIQ eine Fassade mit Glaselementen, in denen Algen wachsen und Biomasse produzieren. Zugleich entsteht durch die Sonneneinstrahlung auf die Glaselemente solarthermische Energie, die zum Heizen des Hauses genutzt wird.
Das Soft House besitzt eine Textilfassade mit eingearbeiteten Solarzellen.
Das nebenan gelegene Soft House hat eine bewegliche Textilfassade mit eingearbeiteten Solarzellen, die sich wie eine Sonnenblume flexibel nach dem Sonnenstand ausrichtet. Durch dieses "Mitwandern" kann die Textilmembran die Energie der Sonne optimal nutzen. Zugelich dient die lamellenartige Membran als Sonnenschutz. Anders als üblich nutzen die Hausbewohner den Solarstrom selbst statt ihn ins öffentliche Netz einzuspeisen: Dazu verfügt jede Wohneinheit des Hauses über 24 Akkus, in denen der Strom zwischengespeichert wird. Die Speicherkapazität von 21,12 kWh reicht bei einem durchschnittlichen Haushalt für zwei Tage und macht die Bewohner nahezu unabhängig von Stromanbietern.

Ein Schwerpunkt der Internationalen Bauausstellung in Hamburg ist das Thema "Stadt im Klimawandel". Verena Gonsch hat mit IBA-Geschäftsführer Uli Hellweg darüber gesprochen.
Die Gebäudehülle des "Smart ist grün"-Hauses wiederum enthält eine Schicht aus einem wärmespeichernden Material, das Wärme aufnimmt und je nach Bedarf wieder abgibt. Zugleich produziert das Haus mehr Energie als es selbst verbraucht - und nutzt den Überschuss etwa, um Elektroautos aufzuladen. Auf einen uralten, aber dennoch "smarten" Baustoff setzt der Woodcube: Das Wohnhaus ist komplett aus Holz erbaut, kommt ganz ohne Leim, Holzschutzmittel oder fremdstoffliche Dämmung aus und ist vollständig recycelbar.
Smart Price Houses (l. und M.) zeigen Lösungen für günstiges Wohnen, das Algenhaus (r.) steht für Bauen mit innovativen Materialien.
Einen anderen Ansatz verfolgen die drei Smart Price Houses. Sie sollen vor allem zeigen, wie sich Wohnen im innerstädtischen Raum zum günstigen Preis realisieren lässt. So erhalten die Bewohner des Wohnhauses "Grundbau und Siedler" lediglich eine Art Basisbau als tragendes Skelett, den sie selbst in Eigenbau fertigstellen. Dabei legen sie auch die Grundrisse selbst fest. Ein anderes Smart Price House nutzt eine Art Baukastenprinzip, mit dem sich die Bewohner ihre Wohnung individuell zusammensetzen. Das dritte Smart Price House ist eine neuartige Form eines Mehrfamilienfertighauses, bei dem ebenfalls einzelne Wohnmodule individuell zusammengestellt werden.
In einem der Hybrid Houses befinden sich momentan die Büros der Gartenschau. Später können sie zu Wohnräumen umgebaut werden.
Flexible Grundrisse und Nutzungen sind auch das Thema der drei Hybrid Houses. Sie sollen ihren Bewohnern Räume bieten, die sich problemlos verändern und flexibel an die wechselnden Bedürfnisse anpassen lassen. Dahinter steht der Gedanke, dass sich heute besonders in Großstädten berufliche und familiäre Situationen im Laufe des Lebens schneller und häufiger verändern als früher. Die Hybrid Houses reagieren auf diese Veränderungen, indem sich etwa Büroraum zu Wohnraum umwandeln lässt, Grundrisse neu bestimmen lassen, ganze Wohnungen erweiterbar und auch wieder teilbar sind. In einem der Hybrid Houses hat momentan die Internationale Gartenschau ihren Sitz. Nach dem Ende der Gartenschau können sämtliche Räume neu aufgeteilt und anderweitig genutzt werden.
Vier jeweils dreigeschossige Gebäude und ein neunstöckiger Turm zählen zu dem Komplex der Water Houses, die am Inselpark entstanden sind.
Für neue Formen des Bauens an und im Wasser stehen die Water Houses, die in einem Rückhaltebecken für Regenwasser erbaut wurden. Die insgesamt fünf erstellten Gebäude sollen beispielhaft zeigen, wie sich Wohnen in Wasserlagen realisieren lässt und zugleich moderne energetische Standards und Sicherheitsansprüche erfüllt werden. Schwimmende Terrassen, Unterwassergärten und Bootsstege machen die Besonderheiten der Wasserlage für die Bewohner nutz- und erlebbar.