Als Reisen noch ein Abenteuer war

Das deutsche Wort "Urlaub" stammt aus dem Mittelalter und hatte mit Ferienmachen nichts zu tun: Niemand konnte damals den Hof eines Adeligen so einfach verlassen, er musste um "urloup" bitten; im Alt- oder Mittelhochdeutschen etwa gleichbedeutend mit "Freistellung vom Dienst". Unser Wort Erlaubnis leitet sich davon ab. Dabei ging es aber natürlich nicht um Erholung, sondern etwa um die Beerdigung eines Verwandten oder andere Familienangelegenheiten und Geschäfte. Der Adelige von früher ist heute niemand Anderes als der Arbeitgeber, der einem gestattet, vom Arbeitsplatz fernzubleiben. Nur haben wir glücklicherweise heute einen Anspruch darauf, uns regelmäßig zu erholen.

Ursprünge des Reisens in der Antike

Sonnenfinsternis am Ganges © dpa Fotograf: EPA/HARISH TYAGI Detailansicht des Bildes Millionen Hindus sind aus Anlass einer Sonnenfinsternis zu einem Fest am Ganges zusammengekommen. Jahrhundertelang unternahm niemand eine Reise, der damit nicht einen religiösen oder geschäftlichen Zweck verband. Kaufleute mussten um Fernhandel zu betreiben auf Reisen gehen, Adlige, weil sie entfernte Besitztümer kontrollieren mussten, beziehungsweise sich aneignen wollten. Die Reisenden, meistens Männer, suchten auch Tempel und andere heilige Orte auf, um ihre Beziehung zu Gott beziehungsweise den Göttern zu stärken. Schon die alten Griechen, Römer und Ägypter pflegten sozusagen einen Wallfahrtstourismus. Manche Pilgerreisen haben sich bis heute erhalten. Einige der bekanntesten: die Hadsch der Muslime, die nach Mekka reisen, der christliche Jakobsweg, der nach Santiago de Compostela führt, oder das jährliche rituelle Bad der Hindus im Ganges. Um auf den Spuren früherer Pilger zu wandern, braucht man heute nicht weit zu reisen: In Norddeutschland können Touristen gibt es heute zahlreiche entsprechende Wege und Touren.

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Pilger wandern auf einem Pilgerweg entlang. © picture alliance / dpa Fotograf: Patrick Pleul
 

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Neuzeit: Bildungsreisen für junge Männer

Sich von der Arbeit zu erholen und gar aus purem Vergnügen zu verreisen, ist ein ziemlich junges Phänomen. Der Begriff "Tourismus" wird in Deutschland sogar erst seit den 1980er-Jahren gebraucht. Er leitet sich vom französischen Begriff "tour" (Reise oder Rundgang) ab. Im 17. und 18. Jahrhundert verließen zunächst die Sprösslinge des europäischen Adels ihre Heimat für die sogenannte Grand Tour. Diese auch "Kavalierstour" genannten Reise führte sie zu bedeutenden Denkmälern und Städten Europas oder ins Heilige Land. Später unternahmen auch Söhne des reichen Bürgertums solche Bildungsreisen.

Erholungsreisen - ein Privileg

Historisches Foto einer Sommergesellschaft auf der Seebrücke von Zinnowitz auf Usedom im Sommer 1900. © dpa-Report Fotograf: Sammlung Sauer Detailansicht des Bildes Solche Sommergesellschaften wie diese auf Seebrücke von Zinnowitz auf Usedom im Sommer 1900, waren bis ins 20. Jahrhundert in den Seebädern anzutreffen. Reisen, die dazu dienten, sich zu erholen, kamen erst im 19. Jahrhundert auf. Nach der Entstehung eines modernen Staatswesens wurde es sicherer und planbarer. Ein Vorläufer heutiger Erholungsreisen war der Alpinismus in der Schweiz und Österreich. Eine besondere Spielart des Urlaubs, bevor der Erlebnistourismus mit der Erfindung der Pauschalreise seinen Siegeszug antrat, waren Kur-Reisen oder auch der Bädertourismus. Die gehobene Gesellschaft reiste in Heilbäder oder auch in die Seebäder an der Ostseeküste wie Heiligendamm, nach Rügen und Usedom. Die heutigen Bädertouristen lassen sich in den ausgefallensten Wellness-Oasen massieren, in Schlamm packen oder in Milch baden.

Ein Recht auf bezahlten Urlaub gibt es als arbeitnehmerrechtlichen Standard erst seit dem 20. Jahrhundert. Anfang der 50er-Jahre wurden Reisen für mehr und mehr Westdeutsche bezahlbar. Einen wirklichen Tourismus der Massen erlebten jedoch erst die 80er-Jahre. Zu dieser Zeit löste der Begriff Tourismus dann den altbackenen Begriff "Fremdenverkehr" ab.

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Traumstrand auf Sansibar © Picture Alliance/ Markus Mauthe Fotograf: Markus Mauthe
 

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45 Min | 10.06.2013 | 22:00 Uhr

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Abendstimmung über dem Hafen von Antalya © picture alliance / J.W.Alker Fotograf: J.W. Alker
 
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