Stand: 14.06.2013 11:11 Uhr  | Archiv

Hoffnung auf Nachwuchs in der Walross-WG

von Florian Wöhrle, NDR.de

"Antje", einst das schnurrbärtige Maskottchen des NDR, konnte Mundharmonika spielen. "Odin" ist dafür ein großer Sänger. Wie eine quäkende Schiffshupe klingen die Laute, die der Walross-Bulle zwischen seinen gespitzten rosa Lippen hinauspresst. Im Sonnenlicht gleitet er durch das Eismeer-Becken in Hagenbecks Tierpark in Hamburg, bis "Neseyka" neben ihm auftaucht. Das Weibchen umspielt seinen massigen Körper, beide prusten und gehen gemeinsam auf Tauchstation.

Antjes Erben mischen Hagenbeck auf

Pöbeln, Prusten, Grunzen im Eismeer

Seit Ende März wird wieder viel geprustet bei Hagenbeck. Aber auch gepöbelt, gerufen und gegrunzt. Ein Walross-Quintett aus Russland hat sich in dem neuen, fast acht Meter tiefen Becken breitgemacht und soll zehn Jahre nach dem Tod von "Antje" die Nachfolge als Publikumsliebling antreten. Und am liebsten auch kräftig für Nachwuchs sorgen.

Doch das Anlegen einer neuen Zuchtgruppe gilt bei Walrossen als schwierig. Der Platzbedarf der sensiblen Dickhäuter ist gewaltig und die Ansprüche an Temperatur und Salzgehalt des Wassers sind groß. Hagenbeck ging als einziger Zoo in Deutschland das Wagnis ein und holte im Juni 2012 zunächst die Walross-Dame "Neseyka" aus einem Tierpark im russischen Ischewsk. Im Frühjahr folgten in einem Überraschungs-Coup schließlich die vier weiteren Tiere aus dem Moskauer Zoo - Bulle "Odin", Partnerin "Polosa" mit Tochter "Olivia" und die Kuh "Dyna". Von einem "Sechser im Lotto" war bei Hagenbeck die Rede.

Kolosse kuscheln beim Schlafen

Doch ist die Rechnung aufgegangen? Mehr als zehn Wochen nach der Zusammenführung zieht Tierpflegerin Lisa Voss ein positives Fazit: "Die Tiere haben sich nach dem Umzug beruhigt und die Gruppe hat sich gefunden." Die Kolosse würden sich beim Schlafen möglichst nah aneinanderlegen - so wie es in den großen Walrosskolonien üblich sei.

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Zur Begrüßung wird sich in die Nase gepustet: Tierpflegerin Lisa Voss und Walross "Neseyka".

Zur Eingewöhnung hatte der Tierpark auch die bisherigen russischen Pfleger eingeflogen. Die Bedenken waren zunächst groß, etwa weil Bulle "Odin" seine vierjährige Tochter "Olivia" erdrücken könnte. Pärchenweise wurden die Tiere ins Becken gelassen und wieder rausgeholt. Mit zunehmender Dauer wurde es immer schwieriger, die Kolosse zurück in den Stall zu manövrieren. "Sie haben die Weite des neuen Beckens so genossen, dass sie nicht mehr aus dem Wasser wollten", sagt Voss. Der Tierpark entschied sich schließlich, die ganze Gruppe gleichzeitig ins Becken zu lassen - ohne dass größere Probleme auftauchten.

Zuerst "ganz wuschig"

Auch mit dem gemächlichen 1,8-Tonnen-Bullen habe man Glück gehabt: "'Odin' singt, wenn es ihm gut geht", sagt die 24-Jährige Tierpflegerin, die sich täglich um die Tiere im Eismeer-Gehege kümmert. "Und bei uns singt er viel." Nur anfangs sei er nach der Ankunft in Hamburg etwas verwirrt gewesen: Der Kontakt mit der ihm unbekannten Kuh "Neseyka" habe ihn zunächst "ganz wuschig im Kopf" gemacht.

Inzwischen hofft man im Tierpark, dass sich zwischen dem 16-jährigen Bullen und der sechsjährigen Kuh mehr entwickeln könnte. "Es hat schon Paarungsversuche im Flachwasserbereich gegeben", sagt die Pflegerin. Wie erfolgreich diese gewesen seien, lasse sich allerdings erst viel später bei einer Gewichtskontrolle oder beim Abtasten der Walrossdame feststellen. Ultraschalluntersuchungen seien dagegen nicht geplant - "dafür ist der Speck der Tiere einfach zu dick".

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