Verkehrsmeldungen für Norddeutschland
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Seehunde sind an der gesamten Nordseeküste zu Hause. Ihr schlimmster Feind war über Jahrzehnte der Mensch: Systematisch jagte er die Meeressäuger, weil sie mit den Fischern um die Fischbestände konkurrierten. Erst seit den 1970er-Jahren ist die Seehundjagd in Deutschland verboten. Da waren die Bestände bereits bedrohlich zurückgegangen, mittlerweile haben sie sich wieder erholt. Dennoch geraten einzelne Tiere manchmal in Not, etwa wenn Jungtiere von der Mutter getrennt werden.
In Schleswig-Holstein kümmert sich dann die Seehundstation in Friedrichskoog um die Tiere.1985 wurde sie gegründet. Aus einer kleinen Aufzuchtstation entstand über die Jahre eine moderne Anlage mit zwei großen Becken für Seehunde und Kegelrobben. Wechselnde Ausstellungen informieren jährlich 180.000 Besucher.
Die Biologen der Station päppeln verletzte oder allein gelassene Seehund-Jungtiere, sogenannte Heuler, wieder auf - seit der Gründung waren es mehr als 1.000. Rund 50 Heuler nimmt die Station jedes Jahr ab Saisonbeginn Anfang Juni auf. Die Bezeichnung Heuler für die verwaisten Seehundbabys kommt übrigens von den charakteristischen Rufen - einem mitleidserregend klingenden Heulen - an denen die Mutter ihr Junges erkennt.
Wenn die Seehunde etwa 30 Kilo wiegen, werden sie zurück in die Nordsee gebracht.
In der Station ziehen die Pfleger die kleinen Seehunde zunächst mit einem der Muttermilch ähnlichen Brei groß, bis diese ihre ersten Heringe vertilgen können. Wenn sie ein Gewicht von etwa 30 Kilogramm erreicht haben, entlassen die Biologen ihre Schützlinge wieder in die freie Wildbahn. Damit liegt das Entlassungsgewicht der jungen Seehunde zunächst um einiges über dem, was ihre in der Natur lebenden Altergenossen auf die Waage bringen. Die Extra-Fettreserven benötigen die jungen Seehunde für einen guten Start in freier Natur. Denn bei ihrer Auswilderung haben die Jungtiere das selbstständige Jagen noch nicht erlernt.
Damit die Jungtiere sich nicht zu sehr an Menschen gewöhnen und sie möglichst naturnah betreut werden können, herrscht im Aufzuchtbereich der Station Besuchsverbot. Einige Seehunde, die in der Nordsee nicht überleben würden, leben aber ständig auf der Anlage. Sie tummeln sich in großen Meerwasserbecken und können dort von den Besuchern beobachtet werden.
Kegelrobben sind neben Seehunden die zweite Robbenart an deutschen Küsten, kommen aber seltener vor.
Einmalig ist in Friedrichskoog, dass Seehunde und Kegelrobben, die beiden in Deutschland heimischen Robbenarten, gemeinsam gehalten werden. Ein riesiges Unterwasserfenster ermöglicht es, den Robben auch beim Tauchen zuzusehen. Außerdem informiert die Seehundstation ausführlich über Biologie, Lebensräume und Gefährdung der Tiere. Ein Kinder-Aktiv-Bereich mit Sinnestunnel richtet sich speziell an die jüngsten Besucher.
Die Seehundstation in Friedrichskoog ist die einzige autorisierte Einrichtung ihrer Art in Schleswig-Holstein. Eine weitere Seehundaufzuchtsstation gibt es im niedersächsischen Norddeich.