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Hagenbeck: Geschichte eines Tierparks

von Ulla Brauer/NDR.de

Zeitgenössische Aufnahme des Tierhändlers Carl Hagenbeck (1844-1913). © dpa-Bildarchiv Detailansicht des Bildes Carl Hagenbeck gründet 1874 den ersten Tierpark in Hamburg. Angefangen hat alles 1848 ganz klein auf der Hamburger Reeperbahn. Hier veranstaltet der Fischhändler Gottfried Clas Hagenbeck die erste Tierschau: Sechs Seehunde plantschen in einer Badewanne. Die Hamburger dürfen sie für Geld anschauen. Der Versuch ist ein voller Erfolg, sodass Hagenbeck danach eine bald florierende Tierhandelsfirma aufbaut. Sohn Carl Hagenbeck (1844 - 1913) übernimmt 1874 den boomenden Tierhandel und gründet am Neuen Pferdemarkt "Hagenbeck's Thierpark". Besucher kommen in Scharen und bestaunen exotische Tiere hinter Gittern.

Doch dabei bleibt es nicht. Hagenbeck gründet 1887 auch einen eigenen Zirkus, den ersten der Familie muss man sagen. Denn erst der zweite (gegründet 1916) ist so erfolgreich, dass einer seiner Söhne, Lorenz Hagenbeck, mit dem "Circus Carl Hagenbeck" in der ganzen Welt auf Tournee geht. Revolutionär an Hagenbecks Zirkus ist die von Carl Hagenbeck entwickelte sogenannte zahme Dressur, die auf angeborenen Reaktionen der Tiere, Geduld und Belohnung aufbaut statt auf Strafe. Ein Relikt dieser Zeit ist die noch erhaltene Dressurhalle auf dem Gelände des Parks.

Umstrittene Völkerschauen

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat Europa, als Folge des Kolonialismus, eine Faszination des Fremden und Exotischen gepackt und in vielen Großstädten Deutschlands werden Zoos gegründet. In ihnen werden nicht nur Tiere zur Schau gestellt: Ganze Volksstämme aus fernen Ländern werden nach Deutschland geholt, manche unter zweifelhaften Umständen. Andere wiederum kommen immer wieder von selbst nach Europa und verdienen ihr Geld als eine Art Schausteller ihrer selbst. Als einer der Ersten organisiert auch Carl Hagenbeck ab 1874 sogenannte Völkerschauen. Samen, Inuit, Massai, Singhalesen und Nubier kann das neugierige Hamburger Publikum zuerst noch auf dem Neuen Pferdemarkt, später im Tierpark in Hamburg-Stellingen besichtigen. Ein Großteil von ihnen kommt vermutlich freiwillig und verdient mit Auftritten in den Zoos Geld, um danach wieder nach Hause zu reisen.

Revolutionäre Gehege

Undatierte Aufnahme des Tierhändlers und Zoodirektors Carl Gottfried Heinrich Hagenbeck (1844-1913) in einem Löwengehege auf dem Gelände in Stellingen. © picture-alliance / dpa 1907 setzt Carl Hagenbeck seine Vision in Stellingen um: ein Tierpark mit neuartigen Gehegen ohne Gitter.

Carl Hagenbeck will die Illusion einer Abenteuerreise in die Wildnis für Besucher möglichst perfekt machen. Er träumt von einem Zoo mit Parklandschaften, von Raubtieren in möglichst natürlicher Umgebung und von felsigen Freigehegen ohne Stahlgitter. Der Zoodirektor macht seinen Traum wahr: Er baut im damals noch gar nicht zum Hamburger Stadtgebiet gehörenden Stellingen den ersten modernen Zoo mit sogenannten Panorama-Anlagen. Anstelle von Käfigen gibt es hier Trocken- und Wassergräben. 1907 wird der Tierpark Hagenbeck als erster gitterloser Zoo der Welt eröffnet. Der 2. Weltkrieg zieht auch am Tierpark nicht spurlos vorüber. Mehrere Hundert Tiere sterben im Bombenhagel und große Teile des Parks werden zerstört. Doch Familie Hagenbeck schafft es mit vielen Helfern, die Anlage wieder aufzubauen.

Spektakuläres Zuhause für die Menschenaffen

Das Orang-Utan-Haus in Hagenbeck's Tierpark.  Fotograf: Götz Berlik Detailansicht des Bildes Orang-Utans gehören heute zu den Attraktionen bei Hagenbeck. Auch wenn die Gelder für den einzigen, im laufenden Betrieb privat finanzierten Tierpark Europas knapp geworden und fremde Länder nähergerückt sind, verfolgen Carl Hagenbecks Nachfahren weiter eines seiner wichtigsten Ziele: Zoo soll Exotik, Abenteuer und Erlebniswelt sein. Die Fertigstellung des Orang-Utan-Hauses im Jahr 2004, dessen Bau von der Stadt finanziell unterstützt wurde, erfüllt nicht nur diese Vorgaben, sondern erlaubt auch eine recht naturnahe Haltung der Menschenaffen. Mithilfe von Veranstaltungen wie den Dschungel- und den Romantik-Nächten will das Unternehmen auch kinderlose Paare und Singles für einen Besuch bei Hagenbeck begeistern.

Haie, Muränen, Nilkrokodile: Das Tropen-Aquarium

Nilkrokodil unter Wasser.  Fotograf: Uwe Wilkens Detailansicht des Bildes Im Tropenaquarium, das es seit 2007 gibt, leben unter anderem Krokodile. Zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 2007 hat der Tierpark eine weitere Attraktion hinzubekommen: das rund 7.000 Quadratmeter große Tropen-Aquarium. Das Gebäude beherbergt rund 14.300 exotische Tiere, darunter Haie, Muränen, Nilkrokodile, giftige Schlangen, Fledermäuse, Höhlenfische sowie Skorpione. Der Weg zum Erlebnispark mit Tieren wurde konsequent weiter beschritten. 2009 eröffnete das Tierpark eigene Lindner-Park-Hotel Hagenbeck. Die Zimmer sollen mit ihrer Ausstattung afrikanischen und asiatischen Kolonialstil widerspiegeln. Der hoteleigene Wellnessbereich ist unter dem Motto "Arktis" gestaltet und verfügt so zum Beispiel im Saunabereich über einen Eisbrunnen.

Jüngste Attraktion: Das neue Eismeer

Im Sommer 2012 eröffnete das neue Eismeer, das die alte Anlage ersetzte. Dort ist, erstmals seit dem Tod des NDR Maskottchens Antje im Jahr 2003, auch wieder ein Walross zu sehen. Zudem sind dort, neben Eisbären und verschiedenen Pinguinarten, unter anderem Seebären, Kegelrobben und eine Kolonie arktischer Seevögel zu sehen. Das Besondere: Die Anlage ist über einen Tunnel zugänglich, so dass die Besucher die Tiere durch große Panoramascheiben auch unter Wasser beim Schwimmen und Tauchen beobachten können.

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/reise/tierparks/geschichtehagenbecks100.html
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Elefanten füttern in Hagenbeck's Tierpark.  Fotograf: Uwe Wilkens
 

Zwei Zoo-Erlebniswelten bei Hagenbeck

Besucher können zwischen Tierpark und Tropen-Aquarium wählen. mehr

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Tierpark, Aquarium, Service und Veranstaltungen.

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Anschauliche Seite über die neue Anlage im Tierpark

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