Stand: 02.05.2015 11:38 Uhr  | Archiv

Pro und Kontra Tierhaltung im Zoo

von Anja Haufe
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Immer größere und aufwendiger gestaltete Gehege, aber reicht das um Tiere glücklich zu machen?

Rund 850 Zoos verteilen sich auf die 16 Bundesländer und dazu zählen neben klassischen Zoologischen Gärten auch Aquarien, Vogelparks, Wildgehege und Reptilienhäuser. Von klein an sind die meisten Einwohner Deutschlands an Zoobesuche mit der Familie oder der Schule gewöhnt. Wir kennen wilde Tiere wie Löwen, Elefanten und Affen nur in ihren Gehegen. Inzwischen bemühen sich die meisten Zoos, Tiere "artgerecht" unterzubringen, wie es heißt. Aber klappt das? Sind die Tiere nicht trotzdem eingesperrt und wären in Freiheit besser dran?

Käfig bleibt Käfig auch ohne Gitter

Der Ausdruck "artgerechte Tierhaltung" zeigt, dass sich beim Thema Tierschutz schon viel getan hat. Zoobetreiber bemühen sich, Tiere in möglichst natürlicher Umgebung mit viel Platz unterzubringen. Besucher wollen im Zoo kein schlechtes Gewissen wegen apathischer Tiere, sie wollen glückliche Tiere sehen. Je größer ein Tier ist, desto mehr leidet es unter der Enge. Besonders für Bären und Wildkatzen, die viel Bewegung brauchen, können Gehege nicht groß genug sein. Inzwischen gibt es in vielen Gehegen auch Bereiche, die der Besucher nicht sehen kann. Tiere können sich also zurückziehen, ein Fortschritt. Gegner kritisieren allerdings, dass eingesperrt trotzdem eingesperrt bedeutet - dass die Zäune inzwischen Wassergräben gewichen sind, ändere daran nicht viel.

"Zoos können die freie Wildbahn nie ersetzen"

Der Zoologe Rainer Willmannn von der Universität Göttingen hält die Wildtierhaltung in Zoos trotz einiger Defizite für grundsätzlich vertretbar. "Die europäischen Zoos versuchen, den Ansprüchen der Wildtiere sehr gerecht zu werden", sagte Willmann im Interview mit NDR.de. Zum Beispiel würde weniger Arten mehr Platz eingeräumt. Die freie Wildbahn könnten Zoos aber dennoch nie ersetzen. Bei Themenwelten wie in Hannover sei wichtig, dass sie auch den Tieren etwas aus ihrem natürlichen Lebensraum bieten. Für manche Arten sei der Zoo sogar das letzte Refugium. Als Beispiel nannte Willmann den aus Südamerika stammenden Spix-Ara, der in freier Wildbahn ausgestorben ist.

Durch Zoos lernen wir viel über Tiere

Vor jedem Zoo-Gehege sind auf kleinen Tafeln Landkarten aufgemalt, die zeigen, woher die Tiere ursprünglich stammen. Die wenigsten kommen aus Deutschland oder Europa. Viele Tiere, die im Zoo leben, müssen sich in einem Klima zurechtfinden, das nicht zu ihnen passt. Wie sehr Tiere darunter leiden, obwohl sie teilweise auch in europäischen Zoos geboren sind, lässt sich schwer einschätzen.

Hilft Zucht im Zoo der Arterhaltung?

Lebenden Tieren sollte es besser gehen als toten, und Zoos sorgen mit Zuchterfolgen auch für Arterhaltung, argumentieren die Befürworter. Bedrohte Arten werden im Schutz der Zoos gezüchtet und Tiere müssen sich nicht mit natürlichen Gegnern herumschlagen. Unnatürlich, sagen die Gegner. Zoos vermitteln den Besuchern ein falsches Bild von der Realität. Und überhaupt, das Argument, Zoos würden zur Bildung beitragen: Die meisten Menschen würden sich ganz wenige Fakten zu den Tieren merken, so die Kontra-Seite.

Nähe zu Tieren kann dem Tierschutz helfen

Andererseits dienen Zoos dazu, Tiere zu erleben und dadurch einen anderen Bezug zu ihnen zu bekommen als aus Filmen. Eisbären gelten als Botschafter des Klimaschutzes, am Beispiel von Pinguinen und Delfinen können Tierpfleger den Besuchern die Bedeutung von sauberem Meerwasser erklären. Somit kann Tierschutz für immer mehr Menschen in Deutschland ein Thema werden.

Qui bono?

Nichtsdestotrotz sind Zoos Wirtschaftsunternehmen und müssen profitabel sein. In Paragraph 42 des Bundesnaturschutzgesetzes heißt es: "Zoos sind dauerhafte Einrichtungen, in denen lebende Tiere wild lebender Arten zwecks Zurschaustellung während eines Zeitraumes von mindestens sieben Tagen im Jahr gehalten werden." Der Zweck eines Zoos ist nicht in erster Linie Tierschutz, sondern die Unterhaltung von Menschen. Auch hier gibt es ein Andererseits: Immer mehr Zoos unterstützen mit ihren Einnahmen Naturschutzprojekte und lenken mehr und mehr Aufmerksamkeit auf Tiere und ihr Leben.

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