Stand: 25.01.2017 12:08 Uhr

Hagenbeck: Geschichte eines Tierparks

von Ulla Brauer, NDR.de
Bild vergrößern
Carl Hagenbeck gründet 1874 den ersten Tierpark in Hamburg.

Angefangen hat alles 1848 ganz klein auf der Hamburger Reeperbahn. Hier veranstaltet der Fischhändler Gottfried Clas Hagenbeck die erste Tierschau: Sechs Seehunde plantschen in einer Badewanne. Die Hamburger dürfen sie für Geld anschauen. Der Versuch ist ein voller Erfolg, sodass Hagenbeck danach eine bald florierende Tierhandelsfirma aufbaut. Sohn Carl Hagenbeck (1844 - 1913) übernimmt 1874 den boomenden Tierhandel und gründet am Neuen Pferdemarkt "Hagenbeck's Thierpark". Besucher kommen in Scharen und bestaunen exotische Tiere hinter Gittern.

Doch dabei bleibt es nicht. Hagenbeck gründet 1887 auch einen eigenen Zirkus. Doch erst der zweite (gegründet 1916) ist so erfolgreich, dass einer seiner Söhne, Lorenz Hagenbeck, mit dem "Circus Carl Hagenbeck" in der ganzen Welt auf Tournee geht. Revolutionär an Hagenbecks Zirkus ist die von Carl Hagenbeck entwickelte sogenannte zahme Dressur, die auf angeborenen Reaktionen der Tiere, Geduld und Belohnung aufbaut statt auf Strafe. Ein Relikt dieser Zeit ist die noch erhaltene Dressurhalle auf dem Gelände des Parks.

Umstrittene Völkerschauen

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat Europa, als Folge des Kolonialismus, eine Faszination des Fremden und Exotischen gepackt und in vielen Großstädten Deutschlands werden Zoos gegründet. In ihnen werden nicht nur Tiere zur Schau gestellt: Ganze Volksstämme aus fernen Ländern werden nach Deutschland geholt, manche unter zweifelhaften Umständen. Andere wiederum kommen immer wieder von selbst nach Europa und verdienen ihr Geld als eine Art Schausteller ihrer selbst. Als einer der Ersten organisiert auch Carl Hagenbeck ab 1874 sogenannte Völkerschauen. Samen, Inuit, Massai, Singhalesen und Nubier kann das neugierige Hamburger Publikum zuerst noch auf dem Neuen Pferdemarkt, später im Tierpark in Hamburg-Stellingen besichtigen. Ein Großteil von ihnen kommt vermutlich freiwillig und verdient mit Auftritten in den Zoos Geld, um danach wieder nach Hause zu reisen.

Revolutionäre Gehege

Bild vergrößern
1907 setzt Carl Hagenbeck seine Vision in Stellingen um: ein Tierpark mit neuartigen Gehegen ohne Gitter.

Carl Hagenbeck will die Illusion einer Abenteuerreise in die Wildnis für Besucher möglichst perfekt machen. Er träumt von einem Zoo mit Parklandschaften, von Raubtieren in möglichst natürlicher Umgebung und von felsigen Freigehegen ohne Stahlgitter. Der Zoodirektor macht seinen Traum wahr: Er baut im damals noch gar nicht zum Hamburger Stadtgebiet gehörenden Stellingen den ersten modernen Zoo mit sogenannten Panorama-Anlagen. Anstelle von Käfigen gibt es hier Trocken- und Wassergräben. 1907 wird der Tierpark Hagenbeck als erster gitterloser Zoo der Welt eröffnet. Der Zweite Weltkrieg zieht auch am Tierpark nicht spurlos vorüber. Mehrere Hundert Tiere sterben im Bombenhagel und große Teile des Parks werden zerstört. Doch Familie Hagenbeck schafft es mit vielen Helfern, die Anlage wieder aufzubauen.

Spektakuläres Zuhause für die Menschenaffen

Bild vergrößern
Orang-Utans gehören heute zu den Attraktionen bei Hagenbeck.

Auch wenn die Gelder für den einzigen, im laufenden Betrieb privat finanzierten Tierpark Europas knapp geworden und fremde Länder nähergerückt sind, verfolgen Carl Hagenbecks Nachfahren weiter eines seiner wichtigsten Ziele: Zoo soll Exotik, Abenteuer und Erlebniswelt sein. Die Fertigstellung des Orang-Utan-Hauses im Jahr 2004, dessen Bau von der Stadt finanziell unterstützt wird, erfüllt nicht nur diese Vorgaben, sondern erlaubt auch eine recht naturnahe Haltung der Menschenaffen. Mithilfe von Veranstaltungen wie den Dschungel- und den Romantik-Nächten will das Unternehmen auch kinderlose Paare und Singles für einen Besuch bei Hagenbeck begeistern.

Haie, Muränen, Nilkrokodile: Das Tropen-Aquarium

Bild vergrößern
Im Tropenaquarium, das es seit 2007 gibt, leben unter anderem Krokodile.

Zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 2007 bekommt der Tierpark mit dem rund 7.000 Quadratmeter großen Tropen-Aquarium eine weitere Attraktion. Das Gebäude beherbergt rund 14.300 exotische Tiere, darunter Haie, Muränen, Nilkrokodile, giftige Schlangen, Fledermäuse, Höhlenfische sowie Skorpione.

Jüngste Attraktion: Das Eismeer

Im Sommer 2012 eröffnet mit dem Eismeer der jüngste Neubau bei Hagenbeck. In der 8.000 Quadratmeter großen Anlage haben Eisbären, Pinguine, Kegelrobben und Seebären ein modernes Zuhause. Außerdem sind dort erstmals seit dem Tod des NDR Maskottchens Antje wieder Walrosse zu sehen. Die Anlage erlaubt im Gegensatz zur alten ganz neue Einblicke, da sie begehbar ist. Im Inneren des Eismeer-Panoramas können Besucher die Tiere in gläsernen Becken beim Tauchen beobachten.

Der Tierpark heute
mit Video

Fußgänger-Safari durch Hagenbecks Tierpark

Ein Ausflug zu Hagenbeck kommt fast einer kleinen Safari zu Fuß gleich. Die Gehege der rund 1.800 Tiere des Hamburger Zoos liegen zwischen alten Bäumen und üppigen Grünflächen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Leopard, Seebär & Co. | 25.01.2017 | 18:00 Uhr

Mehr Ratgeber

11:45

Herbstbepflanzung für den Balkon

19.10.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
05:11

Heiße Gewürzschokolade für kalte Tage

19.10.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
03:33

Wie legt man eine Streuobstwiese an?

18.10.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin