Stand: 08.04.2016 12:08 Uhr

Nordseeküsten-Radweg in Niedersachsen

Von Bunde nach Wilhelmshaven (253 Kilometer)

Der erste größere Ort hinter der niederländischen Grenze bei Bunde ist Leer: Im 16. Jahrhundert machten vor der Glaubensverfolgung geflohene niederländische Handwerker und Kaufleute die Stadt zu einem Zentrum der Leinenweberei. Wie ein Erbe dieser Zeit erscheint das Ortsbild mit seinen roten Backsteinbauten, die zum Teil noch im Stil des niederländischen Frühbarock errichtet sind. Im Hafen, der direkt an die Altstadt grenzt, liegen viele Kutter und schöne Schiffe aus früheren Zeiten. Für den Abstecher in die Stadt müssen Radfahrer die Emsbrücke überqueren, denn die Radroute führt nicht direkt durch die Stadt.

Emden: Kunsthalle und "Otto Huus"

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Das verglaste Foyer der Kunsthalle Emden entstand beim vierten Bauabschnitt 2007.

Auf dem Weg Richtung Nordsee führt die Route nach Emden. 1986 baute der "Stern"-Gründer Henri Nannen in seiner Heimatstadt ein Haus für seine Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts - die Kunsthalle Emden. Der deutsche Expressionismus und die Malerei der Neuen Sachlichkeit bilden das Herzstück der Ausstellung. Zu den Glanzstücken zählen Arbeiten der "Brücke"-Künstler wie Kirchner oder Schmidt-Rottluff, aus dem Kreis des "Blauen Reiters" sind Werke von Jawlensky oder Macke ausgestellt. Außerdem werden russische Kunst der "Glasnost"-Zeit und Werke der sogenannten Neuen Wilden gezeigt.
Der Hafen der Stadt ist der westlichste deutsche Nordseehafen. Neben Henri Nannen sind Entertainer Karl Dall und Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen prominente Söhne dieser Stadt. Auch Komiker Otto Waalkes ist in Emden aufgewachsen. Gegenüber dem Rathaus am Ratsdelft liegt "Dat Otto Huus". Hier können Besucher Skurriles und Buntes über das Leben des Komikers erfahren.

Greetsiel: Größte Krabbenkutterflotte Ostfrieslands

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Hübsches Postkarten-Motiv: Greetsiel ist für seine Zwillingsmühlen bekannt.

Von Emden aus führt die Route direkt an die Nordsee. Ab Rysum können Radfahrer circa 20 Kilometer an der Deichinnenseite entlang direkt zum malerischen Fischerörtchen Greetsiel radeln. Hier liegt die größte Krabbenkutterflotte Ostfrieslands vor Anker. Schon aus der Ferne sieht man die alten, prächtigen Schiffmasten über den Deich emporragen, die auch heute noch das Ortsbild prägen. Jeden Morgen in aller Frühe beginnt die Arbeit für Greetsiels Fischer. Rund 30 Kutter stechen Tag für Tag in die Nordsee. Sollte an einem heißen Sommertag eine Abkühlung in der Nordsee aufgrund der Ebbe nicht möglich sein, empfiehlt sich ein Abstecher zum Badesee westlich von Greetsiel beim Bauhof. Immer entlang des Deiches führt der Nordseeküsten-Radweg weiter nach Norddeich. Von hier kann man einen Ausflug mit der Fähre nach Norderney oder Juist machen oder ins Landesinnere - nach Norden, der ältesten Stadt Ostfrieslands.

Abstecher in die alte Residenzstadt Esens

In Höhe von Bensersiel lohnt sich ein Abstecher ins Binnenland nach Esens, eine alte Residenzstadt mit typisch ostfriesischen Tulpen- und Glockengiebeln aus dem 19. Jahrhundert. Hier gibt es viel zu entdecken, zum Beispiel das Wahrzeichen von Esens, die Peldemühle. Der zweistöckige Galerie-Holländer aus dem Jahr 1850 beherbergt neben dem Müllereibetrieb auch das Museum für ostfriesische Siedlungs- und Heimatgeschichte. Besonders schön ist die alte Fliesenkammer mit den Delfter Kacheln.

Zwischen den Marschen des Wangerlandes an der ostfriesisch-jeverländischen Nordseeküste liegt Horumersiel. Die Kombination aus Nordseeklima und Strand lädt gleichermaßen zu Erholung und Aktivurlaub ein. Auch für Camper ist die Küste ein verlockendes Ziel: Seit Anfang der 70er-Jahre der gesamte Außengroden zwischen Horumersiel und Schillig aufgeschüttet wurde, beherbergt die Nordseeküste den größten Campingplatz des Landes.

Wilhelmshaven und Abstecher nach Jever

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Die Kaiser-Wilhelm-Brücke ist das Wahrzeichen von Wilhelmshaven.

Über Carolinensiel und Horumersiel führt der Weg nach Wilhelmshaven. Die Stadt wurde 1869 von König Wilhelm I. von Preußen wegen der einzigartigen Lage als Marinegarnison gegründet. Noch heute ist die Stadt Deutschlands größter Marinestützpunkt. Das Nationalparkzentrum "Das Wattenmeerhaus", das "Küstenmuseum am Bontekai", das "Deutsche Marinemuseum", die virtuelle Unterwasserwelt "Oceanis" sowie das "Aquarium Wilhelmshaven" sind attraktive Anlaufpunkte für Besucher. Der einzige Südstrand an der deutschen Nordseeküste ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wilhelmshavener und Gäste. Von Wilhelmshaven aus lohnt ein Abstecher (18 Kilometer) nach Jever. Bundesweit berühmt für ihr Bier, gilt sie als eine der ältesten Städte Niedersachsens. Unübersehbar liegt im Zentrum das schöne Schloss mit seinem barocken Turmaufsatz, dem "Zwiebelturm".

In Wilhelmshaven gibt es die Möglichkeit, die Strecke um rund 80 Kilometer zu verkürzen. Statt den Jadebusen zu umrunden, kann man die Fähre nach Eckwarderhörne nehmen und dort die Radtour auf dem Nordseeküsten-Radweg fortsetzen.